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Pakistan: Taliban ermorden christlichen Minister

Taliban ermorden christlichen Minister

02.03.2011, 12:26 Uhr | AFP, dpa

Pakistan: Taliban ermorden christlichen Minister. Pakistan: Minister Shahbaz Bhatti kämpfte gegen das Blasphemie-Gesetz (Foto: dpa)

Pakistan: Minister Shahbaz Bhatti kämpfte gegen das Blasphemie-Gesetz (Foto: dpa)

Der christliche Minister für Minderheiten in Pakistan, Shahbaz Bhatti, ist in Islamabad ermordet worden. Zum Zeitpunkt des Attentats war er in seinem Auto in einem wohlhabenden Viertel der Hauptstadt unterwegs. Ein Krankenhaussprecher sagte, Bhatti sei bei seiner Ankunft im Krankenhaus bereits tot gewesen.

Nach Angaben des Polizeichefs der pakistanischen Hauptstadt, Kalim Imam, hätten Bhatti zehn Kugeln getroffen. Der 42 Jahre alte Minister hatte sich für Änderungen am umstrittenen Blasphemie-Gesetz seines Landes eingesetzt. Islamisten hatten ihn deswegen mit dem Tode bedroht. Das Blasphemie-Gesetz sieht bei Beleidigung des Islams die Todesstrafe vor.

Flugblatt der Attentäter

Nach Angaben aus Geheimdienstkreisen hinterließen die Attentäter ein Flugblatt am Tatort, bevor sie die Flucht ergriffen. Darauf habe sich eine Taliban-Gruppe aus der Provinz Punjab zu der Tat bekannt, sagte ein Geheimdienstmitarbeiter. Weiter habe es auf dem Flugblatt geheißen, all jene, die Änderungen am Blasphemiegesetz forderten, würden getötet werden.

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Todesdrohungen von Islamisten

Minister Shahbaz Bhatti wurde in seinem Auto erschossen (Foto: AP)Minister Shahbaz Bhatti wurde in seinem Auto erschossen (Foto: AP)Bhatti gehörte der regierenden Volkspartei PPP an. Er hatte noch im vergangenen Monat in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa Änderungen am Blasphemie-Gesetz gefordert, um den weit verbreiteten Missbrauch zu stoppen. Der Christ hatte gesagt, wegen seiner Kritik an dem Gesetz erhalte er Todesdrohungen. Er sei aber bereit, notfalls für seine Haltung zu sterben. Islamisten in Pakistan laufen Sturm gegen Änderungen an dem Gesetz.

Anfang Januar war der Gouverneur der wichtigsten pakistanischen Provinz Punjab, Salman Tasir, ermordet worden. Tasir hatte sich für eine wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilte Christin eingesetzt. Zahlreiche islamistische Politiker und Geistliche äußerten anschließend ihre Sympathie und Unterstützung für den mutmaßlichen Mörder - einer der Leibwächter des Gouverneurs.

"Festung sturmreif schießen"

Die Landeschefin der Heinrich-Böll-Stiftung in Pakistan, Britta Petersen, hält die Regierung der Atommacht für kaum noch handlungsfähig. Sie warnte vor einer "mittelfristigen Übernahme der Regierung durch Islamisten". Die Ermordung Bhattis habe gezeigt, "dass die Regierung noch nicht einmal in der Hauptstadt die Lage im Griff" habe. "Es sieht so aus, als ob die islamistischen Kräfte innerhalb und außerhalb des Sicherheitsapparats dabei sind, die Festung sturmreif zu schießen", sagte Petersen. "Ich glaube, dass möglicherweise in nicht allzu ferner Zukunft islamistische Kräfte die Regierung übernehmen könnten."

Die Landeschefin der Grünen-nahen Stiftung bezweifelt, dass die Armee die "desolate Regierung" übernehmen wolle. Angesichts der Tatsache, dass die Armee für die Sicherheit im Land zuständig sei, müsse man ein "klammheimliches Einverständnis von Teilen des Militärs" mit den islamistischen Tätern vermuten. Die Frage sei, ob nun ein politisches Vakuum entstehe, in dem die Armee zur Machtübernahme gezwungen sein könnte.

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