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Südsudan: US-Flugzeuge beschossen

Eskalation im Südsudan  

US-Flugzeuge beschossen

21.12.2013, 19:05 Uhr | AP

Südsudan: US-Flugzeuge beschossen. Sudan (Quelle: Reuters)

Die Krise im Südsudan spitzt sich weiter zu : Die Volksbefreiungsarmee patrouilliert auf den Straßen (Quelle: Reuters)

Drei US-Militärflugzeuge sind im Südsudan unter Beschuss geraten, als sie Amerikaner aus der krisengeschüttelten Region evakuieren wollten. Vier US-Soldaten seien dabei verletzt worden, einer davon schwer, teilte das Afrika-Kommando der US-Streitkräfte mit.

Die Maschinen waren im Landeanflug auf die Stadt Bor, als sie getroffen wurden. Erst am Freitag war in der Gegend auch ein UN-Helikopter abgeschossen worden.

"Leichen in der ganzen Stadt"

Bor, die Hauptstadt des Staates Jonglei, war Schauplatz von einigen der heftigsten Kämpfe im Südsudan in dieser Woche. Vor allem Zivilisten seien dort getötet worden, sagte der Informationsminister des Landes, Michael Makuei Lueth. "Leichen liegen in der ganzen Stadt verstreut."

Nachdem die US-Flugzeuge beschossen wurden, kehrten sie um und flogen in die ugandische Stadt Kampala. Von dort aus wurden die Verletzten nach Nairobi in Kenia gebracht, wo sie medizinisch behandelt wurden. Wer die Schüsse abgeben habe, sei unklar, hieß es in der Erklärung des US-Militärs.

UN-Helikopter beschossen

Am Freitag musste in der Region bereits ein UN-Helikopter notlanden, der beschossen worden war, wie der Sprecher des südsudanesischen Sicherheitsunternehmens Warrior Security sagte. Ein UN-Vertreter bestätigte den Zwischenfall und sagte, der Hubschrauber sei nicht mehr flugtauglich. Die UN-Mitarbeiter von einem Stützpunkt in Yuai sollten nun auf andere Weise in Sicherheit gebracht werden.

Informationsminister Lueth sagte, in Bor werde seit Samstagmorgen heftig gekämpft. Truppen der Regierung und die Luftwaffe griffen die Rebellen an, nachdem diese willkürlich auf Zivilisten gefeuert hätten, sagte Lueth. Die Zahl der Toten sei noch nicht abzuschätzen.

Der südsudanesischen Militärsprecher Philip Aguer betonte, Bor sei nicht in der Hand der Regierung. Deshalb seien abtrünnige Soldaten für den Angriff auf die US-Flugzeuge verantwortlich. "Bor ist unter der Kontrolle der Truppen von Riek Machar."

Streitfigur Machar

Machar ist der frühere Stellvertreter des südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir. Kiir hatte Machar zunächst vorgeworfen, mit einem Putschversuch die Gewalt im jüngsten Staat der Welt ausgelöst zu haben. Später hieß es aber von der Regierung, dass Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern der Präsidentengarde für das Aufflammen der ersten Kämpfe vergangenen Sonntag verantwortlich waren.

Die Mitglieder der Garde gehören ebenso wie Kiir und Machar unterschiedlichen Ethnien an, Kiir ist Dinka, Machar ein Nuer. Machars Entlassung als Vizepräsident hatte in den vergangenen Monaten zu ethnischen Spannungen im Land geführt.

Informationsminister Lueth bezeichnete Machar am Samstag als "Rebellenführer" und sagte, die Truppen, die derzeit Bor unter ihrer Kontrolle haben, glaubten, sie kämpften für ihn. Machar selbst ist untergetaucht.

Hunderte Menschen getötet

Im Lauf der Woche sind in dem Konflikt bereits Hunderte Menschen ums Leben gekommen und die Weltgemeinschaft befürchtet, dass es zu einem Bürgerkrieg in dem Land kommen könnte, das sich 2011 friedlich vom Sudan gelöst hatte.

Zuletzt rief auch US-Außenminister John Kerry zu einem Ende der Gewalt auf. Frieden sei die einzige Option für das afrikanische Land, erklärte er in einer Mitteilung vom Freitagabend. Die Menschen dort hätten zu viele Jahre des Konflikts hinter sich und zu viel geopfert, um jetzt zuzulassen, dass ihr junges Land wieder im Chaos versinke.

Kerry erklärte, er habe den südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir am Donnerstagabend angerufen und darauf gedrungen, dass er alle Bürger schütze und auf eine Versöhnung hinarbeite. Zudem solle der US-Sondergesandte für den Sudan und den Südsudan in Kürze in die Region reisen, um die Friedensbemühungen zu unterstützen. Bereits zuvor hatte Präsident Barack Obama 45 Soldaten in das Land geschickt, um US-Bürger und -Einrichtungen zu schützen.

Deutscher General fordert mehr Engagement

Unterdessen hat der Leiter des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Hans-Werner Fritz, sich für mehr deutsches Engagement in Afrika ausgesprochen. "Wir müssen uns mit Afrika beschäftigen, weil die Entwicklungen in diesen Ländern auch unsere Interessen betreffen können", sagte Fritz der "taz".

"Wie weit weg ein Land konkret ist, spielt meines Erachtens zunehmend weniger eine Rolle. Ich denke, dass die deutschen Sicherheitsinteressen nicht in einem Radius von 2000 oder 5000 Kilometern um Deutschland herum enden."

Deutsche Soldaten bereits im Einsatz

Fritz war während einer seit langem geplanten Dienstreise im Südsudan vom Ausbruch der Kämpfe vergangene Woche überrascht worden. Zusammen mit mehreren deutschen Begleitern saß er zwischenzeitlich in der Hauptstadt Juba fest. Erst am Mittwoch konnte er mit einem aus Deutschland entsandten Bundeswehrflugzeug nach Uganda ausreisen.

Im Südsudan hatte er die deutschen Soldaten besucht, die im Rahmen der UN-Mission UNMISS im Einsatz sind. Der "taz" sagte Fritz, alle Vorgesetzten hätten den "deutschen Beitrag und die qualifizierte Arbeit unserer Offiziere gelobt".

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