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Abtrünniger libyscher General erhält weiteren Zulauf

Parlament tagt geheim  

Abtrünniger libyscher General erhält weiteren Zulauf

20.05.2014, 20:35 Uhr | dpa, AP

Während das von Islamisten dominierte libysche Parlament nach einem bewaffneten Angriff im Geheimen zur Vertrauensfrage tagt, erhalten die abtrünnigen Truppen um General Chalifa Haftar weiteren Zulauf. Die Muslimbrüder fürchten ein "ägyptisches Szenario".

Baschir al-Kebti, ein führendes Mitglied der libyschen Muslimbrüder, warnte davor, dass Haftar, dem Beispiel der ägyptischen Generäle zu folgen versuche, die 2013 eine demokratisch gewählte islamistische Regierung gestürzt hatten. "Doch ich habe bereits gesagt, dass dies in Libyen unmöglich genauso geschehen kann, denn das komplette Volk ist bewaffnet."

Ein Grund für die akute Krise ist die schwindende Legitimität von Regierung und Übergangsparlament. Gemäß dem Fahrplan für die Übergangszeit hätten die Libyer im vergangenen Winter ein neues Parlament wählen sollen. Die Abgeordneten beschlossen jedoch stattdessen eigenmächtig eine Verlängerung der Legislaturperiode. General Haftar hatte im Februar erfolglos versucht, das Parlament in einem unblutigen Putsch zu entmachten. Jetzt hat er die "Operation Würde Libyens" zum Schutz vor Extremisten ausgerufen.

Vorläufig keine Kämpfe

Am Dienstag schwiegen die Waffen. In der östlichen Islamisten-Hochburg Derna detonierte allerdings am Morgen ein Sprengsatz vor dem Gebäude der lokalen Verwaltungsaufsichtsbehörde. Laut Medienberichten wurden vier Zivilisten verletzt. In Bengasi fand man die Leichen von zwei Unbekannten.

Haftar hatte am vergangenen Freitag ohne Befehl des Generalstabs zusammen mit einigen Hundert Soldaten in Bengasi eine Offensive gegen zwei islamistische Milizen begonnen. Die Gefechte griffen später auch auf andere Städte über. Bisher sollen 77 Menschen getötet worden sein.

Das Nachrichtenportal "Al-Wasat" meldete in der Nacht zum Dienstag, die Grenztruppen in der östlichen Stadt Tobruk und das 2. Bataillon im Süden wollten sich Haftar anschließen. Am Vorabend hatte bereits eine Sondereinheit in der östlichen Metropole Bengasi ihre Unterstützung erklärt.

"Kampf gegen den Islam"

Die Miliz "Ansar al-Scharia" erklärte unterdessen, Haftar und seine Truppen führten einen "Kampf gegen den Islam". Das geht aus einer Botschaft der Miliz an die Bewohner von Bengasi hervor, die von der libyschen Nachrichtenagentur "Al-Tadhamun" veröffentlicht wurde. Die Miliz "Libyens Schild" will angeblich Truppen nach Bengasi verlegen, "um dort für Sicherheit zu sorgen".

In einem Interview der arabischen Tageszeitung "Al-Sharq Al-Awsat" wetterte der abtrünnige General gegen die Muslimbruderschaft. Er wies gleichzeitig Spekulationen zurück, wonach er für einen Umsturz Geld aus Algerien und Ägypten erhalten haben soll.

Mehrere Opfer bei Parlamentsangriff

Seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi vor rund drei Jahren kommt das Land nicht zur Ruhe, bewaffnete Milizen haben in vielen Regionen die Oberhand. Grund für die Geheimhaltung des Ortes, an dem die Parlamentarier dem neuen Kabinett mit dem designierten Ministerpräsidenten Ahmed Maiteg das Vertrauen aussprechen sollten, waren Sicherheitsbedenken nach dem Sturm auf die Kammer am Sonntag.

Beim Angriff von Kämpfern, die loyal zu Haftar stehen, kamen zwei Menschen ums Leben, mehr als 50 wurden verletzt. Später erklärten die Truppen des Generals das Parlament für aufgelöst, was deren Abgeordnete jedoch ignorierten. Haftars Soldaten halten sich nahe der Straße zum Flughafen von Tripolis versteckt. Der libysche Armeechef beorderte islamistisch geführte Milizen zur Verteidigung in die Hauptstadt.

Haftar war einst General unter Gaddafi, hatte sich aber bereits in den Achtzigern von ihm losgesagt. Er lebte jahrelang in den USA, schloss sich dann jedoch der Revolution gegen den Diktator an. Nach dessen Tod sollte er helfen, neue libysche Streitkräfte aufzubauen. Wenig später entbanden die neuen Machthaber Haftar von dem Auftrag.

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