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Geiselnahme im Irak: Türkei versetzt Armee in Alarmbereitschaft

Geiselnahme im Irak  

Türkische Armee in Alarmbereitschaft

12.06.2014, 15:10 Uhr | t-online.de, AFP, rtr

Geiselnahme im Irak: Türkei versetzt Armee in Alarmbereitschaft. Die Radikalislamisten der Isis-Terrorgruppe habe Türken im Irak als Geiseln genommen. Nun droht die Türkei mit einem Militärschlag, sollten die Geiseln nicht schnellstens freikommen. (Quelle: AFP)

Die Radikalislamisten der Isis-Terrorgruppe habe Türken im Irak als Geiseln genommen. Nun droht die Türkei mit einem Militärschlag, sollten die Geiseln nicht schnellstens freikommen. (Quelle: AFP)

Nach der Geiselnahme von 80 türkischen Staatsbürgern durch Islamisten im Irak prüft die Regierung in Ankara die rechtlichen Voraussetzungen für einen Militäreinsatz im Nachbarland. "Die Diskussion dreht sich unter anderem um die Frage, ob das bisherige Mandat ausreicht oder ob ein neues Mandat benötigt wird", sagte Justizminister Bekir Bozdag.

Derzeit arbeite die Regierung aber nicht an einem neuen Mandat. Das türkische Parlament hat die Regierung dazu ermächtigt, das Militär gegen kurdische Rebellen im irakischen Grenzgebiet einzusetzen. Dieses Mandat läuft im Oktober aus.

>>> Hintergrund: Das ist die Terrorgruppe Isis <<<

31 Lkw-Fahrer sind wieder frei

Zwei Tage nach ihrer Entführung im Nord-Irak sind mittlerweile 31 türkische Lkw-Fahrer wieder in Freiheit. Die Terroristen hätten die Männer freigelassen, berichteten türkische Medien. 49 weitere Türken befinden sich noch in der Gewalt der Entführer.

Die 80 türkischen Staatsbürger waren in den vergangenen Tagen von Kämpfern der Islamistengruppe Isis verschleppt worden. Bei einem Angriff auf das türkische Konsulat in Mossul wurden am Mittwoch 49 Menschen gefangen genommen, darunter der Konsul Öztürk Yilmaz mit seiner Familie sowie Spezialeinsatzkräfte der Armee. Bereits am Dienstag hatten die Islamisten die Lastwagenfahrer in der zweitgrößten irakischen Stadt entführt.

Türkei droht mit Vergeltung

Außenminister Ahmet Davutoglu drohte mit Vergeltung, sollte den Geiseln etwas zustoßen. "Jeder Schaden, der türkischen Staatsbürgern zugefügt wird, bleibt nicht unbeantwortet", drohte er laut eines Berichts des "Spiegel". Auf Antrag der Türkei hatte die Nato am Mittwochabend über die Entwicklung im Irak beraten.

Die islamistischen Rebellen haben ihren Vormarsch im Nord-Irak zuletzt ungehindert fortgesetzt und immer mehr Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht. Mit der Geiselnahme der türkischen Staatsbürger verschärfen sich auch die Spannungen mit dem Nachbarland erheblich. Zudem sind über 500.000 Iraker auf der Flucht, zumeist suchen sie Schutz im vermeintlich sicheren kurdischen Grenzgebiet.

Die Wut auf Al-Maliki wächst

In der Hitze wächst die Wut auf Regierungschef Nuri Al-Maliki im fernen Bagdad. "Kommt und filmt uns, damit die ganze Welt sieht, in was für eine Lage uns Maliki gebracht hat", ruft Sahra Tscherif, die mit ihrer Familie auf der Flucht ist.

Das von der Isis besetzte Mossul wird überwiegend von Sunniten bewohnt. Für die Flüchtlinge sind nicht die ebenfalls sunnitischen Isis-Kämpfer die Schuldigen für ihre Not, sondern der schiitische Ministerpräsident in Bagdad. Al-Maliki werfen sie vor, die Sunniten vernachlässigt und drangsaliert zu haben. Schon vor dem Sturm der Dschihadisten.

Falludscha als warnendes Beispiel

Nicht aus Angst vor der Isis, sondern aus Angst vor den Regierungstruppen trauen sich nun viele Flüchtlinge nach eigenen Angaben nicht zurück. "Wenn die Streitkräfte in die Stadt eindringen, könnten sie Rache an der Bevölkerung nehmen", sagt Sahra Tscherif. Denn die Dschihadisten haben in den vergangenen Monaten den Zorn der Sunniten auf Maliki ausgenutzt, um ihre Macht in der Region auszubauen, von einigen sunnitischen Aufständischen wurden sie offen unterstützt.

Die Lage in Falludscha, das die Armee seit Monaten vergeblich zurückzuerobern versucht, ist den Mossul-Flüchtlingen eine Warnung. Den Menschen dort fehlt es am Nötigsten. Auch in Mossul gebe es nach den Kämpfen der letzten Tage keine funktionierenden Krankenhäuser und keine Gesundheitsversorgung mehr, sagt Tscherif.

Kein Notstands-Votum - Parlament nicht beschlussfähig

Derweil ist der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki zunächst mit seinem Vorhaben gescheitert, den Ausnahmezustand über das Land zu verhängen. Im Parlament in Bagdad erschienen zu wenige Abgeordnete, um die vom Regierungschef beantragte Abstimmung abhalten zu können. Vor allem Parlamentarier der sunnitischen und kurdischen Fraktionen, die gegen eine Ausweitung der Machtbefugnisse des schiitischen Ministerpräsidenten sind, boykottierten die Sitzung. Anwesend waren nur 128 von 325 Abgeordneten.

Al-Maliki wollte mit dem Ausnahmezustand auf den Vorstoß der sunnitischen Extremistengruppe Isis reagieren, die in den vergangenen Tagen Teile des ölreichen Golfstaates unter ihre Kontrolle gebracht hatte, darunter die zweitgrößte Stadt Mossul. Während die Islamisten am Donnerstag ins Umland der Hauptstadt Bagdad vorrückten, übernahmen kurdische Milizen die Öl-Stadt Kirkuk.

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