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Kenia: Islamisten massakrieren mindestens 48 Menschen

Islamisten-Angriff in Kenia  

Dutzende Menschen bei Anschlag massakriert

16.06.2014, 19:57 Uhr | dpa, AP, AFP

Kenia: Islamisten massakrieren mindestens 48 Menschen. Die Angreifer hinterließen im kenianischen Ort Mpeketoni eine Spur der Verwüstung. (Quelle: AP/dpa)

Die Angreifer hinterließen im kenianischen Ort Mpeketoni eine Spur der Verwüstung. (Quelle: AP/dpa)

Der blutige Terror in der auch bei Touristen beliebten kenianischen Küstenregion fordert neue Opfer: Bei einem bewaffneten Angriff in einem Ort nahe der Urlaubsinsel Lamu haben Unbekannte am Sonntagabend mindestens 48 Menschen getötet. Dies teilte das örtliche Rote Kreuz mit.

"Die Situation sieht nicht gut aus", zitierte die Zeitung "Standard" Polizeisprecher David Kimaiyo. "Die Zahl der Opfer könnte noch weiter steigen."

Augenzeugenberichte legten nahe, dass die Angreifer ihre Opfer nach religiösen und ethnischen Motiven auswählten. Sie hätten den Menschen Fragen über den Islam auf Suaheli gestellt und getötet, wenn sie nicht mit den Antworten zufrieden gewesen seien, schilderten Überlebende.

50 Angreifer kamen in Kleinbussen

Die rund 50 Angreifer seien am Sonntagabend in Kleinbussen in den Ort Mpeketoni gefahren, als viele Bürger in öffentlichen Bars ein Spiel der Fußball-WM in Brasilien verfolgten. Sie hätten wahllos um sich geschossen, erklärte Kimaiyo.

Nach Polizeiangaben zogen die Angreifer Zuschauer des Spiels aus dem Hotel Breeze View. Frauen hätten zuschauen müssen, wie ihre Männer getötet wurden. Genauso würden kenianische Soldaten in Somalia verfahren, hätten die Extremisten erklärt.

Ein Frau sagte, die Männer seien zu ihnen gekommen und hätten auf Suaheli gefragt, ob sie Muslime seien. Ihr Mann habe geantwortet, sie seien Christen, woraufhin sie ihn in Kopf und Brust geschossen hätten. Ein Mann sagte, seine beiden Brüder seien mit Kugeln durchsiebt worden, weil sie die Fragen der Bewaffneten nicht verstanden hätten. Sie sprachen kein Suaheli.

Gäste in ihren Betten ermordet

Im Visier der Täter standen vor allem zwei Hotels, eine Bank und ein Polizeirevier. Ein Zeuge sagte, die Täter seien in den Hotels von Zimmer zu Zimmer gegangen und hätten die Gäste in ihren Betten ermordet.

Mehrere Gebäude wurden niedergebrannt. Es kam zu einem Schusswechsel mit der Polizei. Die Attacke dauerte mehrere Stunden - erst gegen Mitternacht zogen sich die Männer zurück.

Ein Armeesprecher sagte, es seien Aufklärungsflugzeuge im Einsatz, um nach den Tätern zu suchen. Einwohner umliegender Dörfer berichteten, die Angreifer hätten auf dem Rückzug auch dort Menschen getötet.

Mpeketoni liegt rund 50 Kilometer von der beliebten Urlauberinsel Lamu entfernt. Der Ort habe am Montag einer "Geisterstadt" geglichen, hieß es. Die meisten Bürger seien geflohen, andere würden vermisst. Ausländer kommen nur selten dorthin und fliegen stattdessen gleich auf das 50 Kilometer entfernte Archipel Lamu.

Stecken Islamisten hinter der Bluttat?

Bislang bekannte sich niemand zu der Tat. Es wird vermutet, dass die somalische Islamistenmiliz Al-Shabaab dafür verantwortlich ist. Die Polizei konnte dies aber bislang nicht bestätigen. "Wir wissen noch nicht, ob es Militante der Al-Shabaab waren", sagte Kimaiyo der Zeitung. Jedoch sollen die Täter islamische Parolen gerufen haben, als sie das Dorf stürmten.

Die Einwohnerin Anne Gathigi, deren Ehemann bei dem Angriff ermordet wurde, berichtete, die Kämpfer seien in ihr Haus eingedrungen und hätten ihren Ehemann nach Geld gefragt. Nachdem er ihnen Geld gegeben hatte, hätten sie ihn erschossen, sagte die 38-Jährige. "Dann wandten sie sich an mich und fragten, ob ich Al-Shebab kenne, sie sagten mir, da sich unsere Regierung weigere, unsere Soldaten aus Somalia abzuziehen, würden sie uns als Witwen und Waisen zurücklassen."

Kampf für einen Gottesstaat

Al-Shabaab kämpft seit Jahren für einen Gottesstaat am Horn von Afrika, der sich am "Heiligen Krieg" (Dschihad) beteiligen soll. Ihre Heimat ist Somalia, doch schlagen die Kämpfer auch jenseits der Grenzen zu - auch in Kenia. Das ostafrikanische Land hat in Somalia Truppen stationiert, die gegen Al-Shabaab kämpfen.

Ein Kommando der Islamisten hatte im September 2013 ein Einkaufszentrum in Nairobi überfallen. Mehr als 60 Menschen wurden getötet.

Erst Ende Mai hatte Al-Shabaab Kenia und den USA mit Anschlägen gedroht. Der Heilige Kriege werde erst nach Uganda und Kenia getragen "und danach, so Gott will, nach Amerika", hatte es damals geheißen.

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