Sie sind hier: Home > Politik > Ausland > Krisen & Konflikte >

Irak-Konflikt: Isis-Terroristen überrennen Grenze zu Jordanien

"Kein Land ist sicher"  

Isis-Terroristen überrennen Grenze zu Jordanien

23.06.2014, 14:51 Uhr | AFP, t-online.de, rtr, dpa

Irak-Konflikt: Isis-Terroristen überrennen Grenze zu Jordanien. Wie hier in Iraks zweitgrößter Stadt Mossul sind die Isis-Terroristen im ganzen Land auf dem Vormarsch   (Quelle: Reuters)

Wie hier in Iraks zweitgrößter Stadt Mossul sind die Isis-Terroristen im ganzen Land auf dem Vormarsch (Quelle: Reuters)

Erfolgsserie für die Isis-Terroristen: Bei ihrer Blitzoffensive im Irak haben die Islamisten einen Grenzübergang zu Jordanien und einen weiteren Kontrollposten zu Syrien eingenommen. Auch die strategisch wichtige Stadt Tal Afar ist mitsamt ihres Flughafens vollständig unter Kontrolle der Dschihadisten.

Jordanien reagierte mit der Teilmobilmachung seiner Streitkräfte, die irakische Regierung rekrutiert immer mehr Freiwillige. US-Außenminister John Kerry reiste in die Region, um einen Ausweg aus dem Chaos zu suchen.

Jordanische Armee-Einheiten seien entlang der 181 Kilometer langen Grenze in Alarmbereitschaft versetzt worden, sagte ein Militärvertreter. Das Königreich habe Dutzende Verbände entlang der Grenze aufgeboten.

Inzwischen werde der einzige Grenzübergang auf irakischer Seite aber von sunnitischen Stammeskämpfern kontrolliert, verlautete aus jordanischen Sicherheitskreisen. Berichten zufolge kontrollieren Isis-Kämpfer die Stadt Rutba auf der Straße von Bagdad nach Amman.

Die Isis hatte am Wochenende ihre Kontrolle über den Nordwesten des Irak gefestigt und drei weitere Städte in der Grenzprovinz Anbar eingenommen. Bereits am Freitag hatte sie einen Grenzübergang zu Syrien besetzt.

70 Tote bei Angriff auf Gefangenentransport

Zudem sind die Kämpfer der Gruppe "Islamischer Staat im Irak und in Groß-Syrien" in den vergangenen Tagen bis in das Umland der irakischen Hauptstadt Bagdad vorgestoßen. Bei einem Angriff auf einen Gefangenentransport südlich der irakischen Hauptstadt sind dabei am Montag mehr als 70 Menschen getötet worden.

Wie ein Polizeioffizier und ein Arzt mitteilten, starben 69 Gefangene. Zudem seien bei anschließenden Gefechten ein Polizist und acht Angreifer in der Nähe der Stadt Haschimija in der Provinz Babylon getötet worden. Wer den Konvoi angriff, ist noch unklar.

Grenzüberschreitender Gottesstaat

Der Vormarsch gilt als schwerer Rückschlag für Iraks Regierung und schürt nach Einschätzung der UN die Kriegsgefahr im Nahen Osten. Die Kontrolle der grenznahen Orte könnte die Terroristen ihrem Ziel näher bringen: einem grenzüberschreitenden Gottesstaat.

Für die Isis sei es jetzt einfacher geworden, Waffen und Kämpfer zwischen Syrien und dem Irak hin und her zu schaffen, befürchten die Vereinten Nationen. Wie irakische Regierungsvertreter am Sonntag mitteilten, nahmen die Kämpfer der Gruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" den Ort Rutba rund 150 Kilometer östlich der jordanischen Grenze ein.

Seit knapp zwei Wochen halten Kämpfer der Isis weite Landesteile unter ihrer Kontrolle, darunter auch Iraks zweitgrößte Stadt Mossul. In der Provinz Anbar westlich von Bagdad, wo mehrheitlich Sunniten leben, kontrollieren sie bereits seit Januar die Stadt Falludscha und Teile der Provinzkapitale Ramadi.

Im Zuge ihres Vormarschs im Irak wurden bereits "hunderte" Soldaten getötet. Diese Angabe machte der für Sicherheitsfragen zuständige Sprecher von Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Es handelt sich um die bislang präziseste offizielle Äußerung aus der Regierung zur Zahl der getöteten Soldaten.

Größtes Chaos seit Jahren

Angesichts der Isis-Offensive bemühen sich die USA in der Region um einen gemeinsamen Krisenkurs. Bei Gesprächen in Ägypten und Jordanien beriet Außenminister Kerry über Wege, den Vormarsch der Miliz zu stoppen, der den Irak ins schlimmste Chaos seit Jahren gestürzt hat.

Kein Land sei vor dieser Art von Terror sicher, sagte Kerry am Sonntag bei seinem Besuch in der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Er verwies dabei zugleich auf die Unzufriedenheit der Sunniten, Kurden und auch einiger Schiiten mit der Regierung Malikis. Zur Lösung der Krise müssten konfessionelle Interessen in den Hintergrund rücken, mahnte Kerry.

Kerry in Bagdad

Am Montag will Kerry nach Luxemburg weiterreisen. Dort treffen sich die EU-Außenminister, um sich über die Situation in dem Land zu beraten. Ein Diplomat dämpfte aber im Vorfeld die Erwartungen an das Treffen: "Unsere Möglichkeiten der Einflussnahme sind begrenzt", sagte er.

Die USA hatten angekündigt, das irakische Militär im Kampf gegen die Terrormiliz zu unterstützen. Washington setzt dabei unter anderem auf einen möglichst kurzen Einsatz der rund 300 Soldaten, die als Militärberater in den Irak geschickt werden sollen.

Die Feindschaft zwischen den muslimischen Glaubensrichtungen der Sunniten und Schiiten hat im Irak eine lange Tradition. Ex-Diktator Saddam Hussein, ein Sunnit, hatte die schiitische Mehrheit im Lande diskriminiert.

Sunniten im Irak ausgeschlossen

Nach seinem Sturz 2003 verloren die sunnitischen Stämme Macht und Einfluss. Nach dem US-Abzug 2011 entbrannte der Machtkampf aufs Neue. Die von Schiiten dominierte Regierung unter Maliki hält Sunniten seit Jahren von allen wichtigen politischen Posten im Irak fern.

Sunnitische Terrorgruppen wie Isis kämpfen gegen Schiiten, die sie als "Abweichler" von der wahren Lehre des Islams ansehen. Die Kämpfer verbreiten derzeit Angst und Schrecken in der Region. Hunderttausende sind auf der Flucht. Im benachbarten Syrien sieht die Lage wegen des dort tobenden Bürgerkrieges ähnlich aus.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal