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Im Schatten der Ukraine-Krise: Vergessen und verdrängt - zehn Konflikte dieser Welt

Im Schatten der Ukraine-Krise  

Vergessene und verdrängte Konflikte dieser Welt

22.07.2014, 19:10 Uhr | dpa

Im Schatten der Ukraine-Krise: Vergessen und verdrängt - zehn Konflikte dieser Welt. Bürgerkrieg in Syrien: Bombenanschlag in Aleppo (Quelle: Reuters)

Der Konflikt in Syrien ist einer der blutigsten Bürgerkriege, die aktuell toben. Und dennoch ist auch dieser Konflikt aus dem öffentlichen Bewusstsein nahezu verschwunden. (Quelle: Reuters)

Der Flugzeugabsturz in der Ost-Ukraine und die Bodenoffensive der israelischen Armee im Gaza-Streifen halten die Welt in Atem. Weitgehend unbemerkt sterben aber täglich tausende Menschen in anderen bewaffneten Konflikten rund um den Globus. Der Bürgerkrieg in Syrien ist da nur eines von vielen Beispielen.

t-online.de zeigt zehn Konflikte, über die kaum noch oder gar nicht mehr geredet wird. Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung zählte im vergangenen Jahr 414 Konflikte weltweit und stufte 45 davon als hochgewaltsam ein. Darunter sind nicht weniger als 20 Kriege ...

Der Irak

Mossul im Nordirak am 13. Juni (Quelle: Reuters)

Anfang Juni begann die islamistische Terrororganisation Islamischer Staat (IS) ihren Vormarsch im Irak. Mittlerweile kontrolliert sie große Teile im Norden und Westen des Landes.

Die sunnitischen Extremisten sind auch deshalb so stark, weil sie sich mit sunnitischen Stämmen und Anhängern des früheren Machthabers Saddam Hussein verbündet haben. Sie eint der Hass auf die von Schiiten dominierte Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki, welche die Sunniten systematisch unterdrückt und aus den Regierungsämtern fernhält. Nutznießer könnten die Kurden im Norden sein, die an den Erdölquellen sitzen und einen unabhängigen Staat ausrufen wollen.

Die irakische Armee ist zu schwach, um ihre Gegner zurückzuschlagen. Gleichzeitig lähmt ein Streit um die neue Regierung die Politik. Seit Ausbruch der ersten Kämpfe zwischen Armee und IS Anfang des Jahres sind rund 5600 Zivilisten ums Leben gekommen.

Syrien

Aleppo am 28. Mai (Quelle: Reuters)

Der Konflikt in Syrien begann im März 2011 mit Protesten gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Mittlerweile tobt in dem Land seit drei Jahren ein blutiger Bürgerkrieg, in dem vor allem die IS-Extremisten die Oberhand gewonnen haben.

Die sunnitischen Islamisten beherrschen mittlerweile ein Drittel der Landesfläche und haben in Syrien und im Irak ein "Islamisches Kalifat" ausgerufen.

Die Terrorgruppe bekämpft nicht nur Regierungstruppen, sondern auch andere Aufständische, obwohl beide Seiten das Regime stürzen wollen.

Gemäßigtere Oppositionelle werden zwar vom Westen anerkannt - sie sind aber zersplittert und deshalb zu schwach, um ihren Gegnern etwas entgegenzusetzen. Der Westen interveniert auch deswegen nicht, weil er keine Al-Kaida-Kämpfer, die sich unter den Aufständischen befinden, unterstützen möchte. Im syrischen Bürgerkrieg sind Schätzungen zufolge bereits mehr als 170.000 Menschen ums Leben gekommen.

Libyen

Tripolis am 23. April 2013 (Quelle: dpa)

Noch mehr als der Irak leidet Libyen unter einer schwachen Zentralregierung. Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im März 2011 brachen die ohnehin schwach ausgebildeten staatlichen Strukturen völlig zusammen.

Brigaden, die sich 2011 gegen Gaddafi erhoben hatten, behielten ihre Waffen und treiben heute in verschiedenen Ecken des Landes ihr Unwesen. Längst kämpfen sie für eigene Ziele und verfolgen die verbliebenen oder flüchtigen Anhänger Gaddafis und dessen Familie.

In der Stadt Bengasi geht der abtrünnige Generalmajor Chalifa Haftar seit Anfang Juni eigenmächtig gegen islamistische Gruppen vor.

Die vor kurzem abgehaltenen Parlamentswahlen sollen dem Land Stabilität und eine neue Verfassung bringen.

Afghanistan

Paktika im Osten Afghanistans am 15. Juli (Quelle: dpa)

Der Konflikt am Hindukusch wurde von der deutschen Öffentlichkeit lange Zeit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, weil seit fast 13 Jahren Bundeswehrsoldaten vor Ort im Rahmen der Nato-Operation "Enduring Freedom" stationiert sind. Nach den Terroranschlägen in New York vom 11. September 2001 sollte das Land von den radikal-islamistischen Taliban und den Al-Kaida-Kämpfern, die für die Anschläge verantwortlich gemacht werden, befreit werden.

Das Interesse nimmt aber mit dem fortschreitenden Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan ab. Von den einst mehr als 5000 deutschen Soldaten sind nur noch rund 2400 übrig. Ihr Kampfeinsatz läuft Ende 2014 aus.

Ein Ende der Gewalt in Afghanistan ist aber nicht absehbar. Bei mehreren Anschlägen und Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und den islamistischen Taliban sind allein in den vergangenen Tagen insgesamt mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen.

Nigeria

Katholische Kirche in Madalla, Nigeria, am 25 Dezember 2011 (Quelle: dpa)

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram (übersetzt "Gegen westliche Bildung") setzt ihren Kampf für einen Gottesstaat auf Grundlage der Schariah im Norden Nigerias mit unverminderter Härte fort.

Seit Monaten kommt es fast täglich zu Angriffen auf Dörfer, Kirchen oder Militärstellungen. Die Terroristen verfolgen und ermorden besonders die Christen im bevölkerungsreichsten Land Afrikas.

Erst am Freitag hatte die Gruppe das Dorf Damboa im besonders schwer betroffenen Bundesstaat Borno attackiert und mindestens 45 Menschen getötet.

Seit April haben die Extremisten außerdem mehr als 200 Mädchen in ihrer Gewalt, die sie aus einer Schule im Dorf Chibok entführten. Trotz internationaler Hilfe ist es den Behörden bisher nicht gelungen, sie zu befreien.

Zentralafrikanische Republik

Auch in dem bitterarmen Land Zentralafrikanische Republik ist kein Ende der religiös motivierten Gewalt in Sicht.

Vor wenigen Tagen berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch von neuen schweren Übergriffen im Konflikt zwischen muslimischen Rebellen und christlichen Bürgermilizen im Osten.

Demnach wurden allein rund um den Ort Bambari zwischen dem 9. und 23. Juni mindestens 62 Menschen ermordet, die meisten durch Machetenhiebe.

Das christlich geprägte Land versinkt im Chaos, seit muslimische Seleka-Rebellen im März 2013 zeitweise die Macht übernommen hatten. Fast alle der 4,6 Millionen Einwohner benötigen mittlerweile humanitäre Hilfe.

Südsudan

Südsudanesische Panzer bei Kadogli am 20. Mai (Quelle: Reuters)

Wegen der anhaltenden Gewalt in dem seit 2011 unabhängigen Land droht eine humanitäre Katastrophe. Hilfsorganisationen sprachen zuletzt von einer schockierend hohen Zahl an mangelernährten Kindern im Südsudan.

Die UN warnen bereits vor einer verheerenden Hungersnot.

Trotz eines im Mai unterzeichneten Friedensabkommens zwischen Präsident Salva Kiir und seinem Widersacher Riek Machar kommt der Südsudan nicht zur Ruhe. Immer mehr Menschen fliehen ins benachbarte Äthiopien, das dem Flüchtlingsstrom kaum Herr wird.

Die blutigen Übergriffe seit mehr als sechs Monaten haben - wie so viele Konflikte in Afrika - vor allen Dingen ethnische Hintergründe: Kiir ist ein Dinka, Machar ein Nuer. Im Dezember war ein Machtkampf zwischen den beiden Politikern eskaliert.

Mali

Französische Soldaten in der malischen Wüste am 21. März 2013 (Quelle: Reuters)

Im Norden des nordwestafrikanischen Staates gibt es weiter Gewaltausbrüche. Kurz vor dem Beginn von Friedensgesprächen in Algerien war es in der Wüste von Nord-Mali in der vergangenen Woche zu heftigen Gefechten zwischen der Armee und Tuareg-Rebellen gekommen. Dabei starben über 35 Menschen.

Einen Tag später kam ein französischer Unteroffizier in der Region Gao durch einen Selbstmordanschlag ums Leben.

Die frühere Kolonialmacht Frankreich ist seit Januar 2013 in Mali im Einsatz und unterstützt Truppen der Afrikanischen Union (AU) im Kampf gegen die islamistischen und separatistischen Rebellen.

Die Mission soll bald durch den Aufbau einer grenzüberschreitenden Antiterror-Truppe für Afrika ersetzt werden. Die Bundeswehr ist an einer EU-Ausbildungsmission in Mali beteiligt.

Somalia

Kinder bringen sich bei einem Bombenanschlag in der Nähe von Mogadischu in Sicherheit, am 14. April 2013 (Quelle: Reuters)

Das ostafrikanische Land, das über kaum mehr staatliche Strukturen verfügt, gilt weiterhin als eines der unsichersten Orte der Welt. Obwohl die gefürchtete islamistische Al-Shabaab-Miliz bereits 2011 vom Militär weitgehend aus der Hauptstadt Mogadischu vertrieben wurde, verbreitet sie im Land weiter ihren blutigen Terror.

Anfang Juli attackierten die Extremisten den Präsidentenpalast und töteten mehrere Sicherheitskräfte. Auch Parlamentarier und Journalisten werden in Somalia immer wieder auf offener Straße ermordet.

Zudem ist die Al Shabaab auch im Nachbarland Kenia aktiv, wo es vor allem in der Küstenregion zu Anschlägen auf Touristenziele kommt. Die Islamisten fordern den Abzug kenianischer Truppen aus Somalia und wollen dort einen Gottesstaat errichten.

Jemen

Von Islamisten angegriffene Schulruine in der Nähe der Hauptstadt Sanaa am 23. März (Quelle: Reuters)

Die schwache Zentralregierung im "Armenhaus Arabiens" hat Probleme, die Staatsgewalt gegen traditionelle Stammesstrukturen durchzusetzen. Dazu kommt im Jemen ein großes Terrorproblem.

Das Land blieb auch nach der Vereinigung von Nord- und Südjemen im Jahre 1990 politisch gespalten. Eine Separatistenbewegung kämpft seit Jahren für die Abspaltung des Südens.

Hinzu kommt der Aufstand schiitischer Houthi-Rebellen im Norden, der seit 2004 mehrfach zum Bürgerkrieg eskalierte.

Al-Kaida, aus Afghanistan weitestgehend vertrieben, nutzt das von Bergen und Wüsten geprägte Land als Rückzugsgebiet mit Ausbildungslagern und konnte zwischenzeitlich erhebliche Gebiete des Landes erobern.

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