Sie sind hier: Home > Politik > Ausland > Krisen & Konflikte >

Irak: Verwirrung um angebliche ISIS-Fatwa zu Genitalverstümmelung

Krisenherd Irak  

Verwirrung um angebliche IS-Fatwa zu Genitalverstümmelung

24.07.2014, 19:38 Uhr | t-online.de, AFP, dpa

Irak: Verwirrung um angebliche ISIS-Fatwa zu Genitalverstümmelung. Kämpfer der sunnitischen Extremisten Islamischer Staat (IS). (Quelle: Reuters)

Kämpfer der sunnitischen Extremisten Islamischer Staat (IS). (Quelle: Reuters)

Die Vereinten Nationen prüfen Hinweise, wonach im Irak die Terrorgruppe Islamischer Staat die Genitalverstümmelung von Frauen angeordnet haben soll. "Wir versuchen herauszufinden, was wir gesichert wissen", sagte ein UN-Sprecher in Genf und relativierte damit Äußerungen der UN-Gesandten für den Irak, Jacqueline Badcock.

Diese hatte zuvor mitgeteilt, dass Millionen Frauen rund um die von den Extremisten kontrollierte Stadt Mossul im Nordirak durch die Anordnung, eine sogenannte Fatwa, bedroht seien. Alle Frauen zwischen 11 und 46 Jahren seien davon betroffen. Unterstützer der Terrormilizen dementierten die Vorwürfe in sozialen Netzwerken. IS fordere keine Genitalverstümmelungen, hieß es.

Die Vereinten Nationen hatten den Extremisten bereits zuvor schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Die IS-Kämpfer hatten Anfang Juni zusammen mit verbündeten sunnitischen Rebellenkämpfern ihren Feldzug im Irak gestartet und mehrere Provinzen nördlich von Bagdad erobert. Die irakischen Streitkräfte hatten IS lange nichts entgegenzusetzen, auch weil die politische Elite in der Hauptstadt Bagdad heillos zerstritten scheint.

Christen aus Mossul vertrieben

Für die von ihnen kontrollierten Gebiete im Irak und Syrien riefen die Kämpfer ein "Kalifat" - einen Gottesstaat - aus. Die Gruppe verfolgt moderate Sunniten ebenso wie Schiiten, die sie als Ketzer betrachtet. Auch die christliche Minderheit im Irak wird von den Radikalsunniten bedroht.

Zuletzt hatte die Miliz Tausende Christen aus Mossul, der zweitgrößten Stadt des Landes, vertrieben. Die Verstöße der Terrorgruppe könnten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleichkommen, hieß es von den Vereinten Nationen. Laut einem UN-Bericht kamen seit Anfang des Jahres im Irak fast 5600 Zivilisten ums Leben, mehr als 11.600 wurden verletzt.

Neuer Präsident gewählt

Nach monatelangem Tauziehen hat der Irak unterdessen einen neuen Präsidenten. Das Parlament wählte den kurdischen Politiker Fuad Masum zum Staatsoberhaupt und machte damit den Weg für die Bildung einer neuen Regierung frei.

Parlamentspräsident Salim al-Dschuburi gab in Bagdad bekannt, dass Masum mit 211 zu 17 Stimmen gegen seinen Herausforderer Hussein al-Mussaui gewonnen habe. In der Nacht hatten sich die Abgeordneten des wichtigsten kurdischen Blocks bei einer Sitzung auf Masums Kandidatur geeinigt. Laut der inoffiziellen Machtverteilung im Irak stellen die Kurden den Staatspräsidenten, die Schiiten den Regierungschef und die Sunniten den Parlamentspräsidenten.

Selbstmordattentat mit mindestens 60 Toten

Die Lage im Land bleibt besorgniserregend: In der Nacht zum Donnerstag hatten Selbstmordattentäter sowie mehrere Bewaffnete nach Angaben des Innenministeriums einen Konvoi mit Sicherheitskräften attackiert, die einen Bus mit dutzenden Gefangenen aus der Haftanstalt Tadschi nördlich von Bagdad eskortierten. Bei dem Anschlag und anschließenden Gefechten mit Sicherheitskräften starben vor allem Gefangene, aber auch einige Polizisten, insgesamt mindestens 60 Menschen.

Die Häftlinge sollten aus Sicherheitsgründen aus Tadschi weggebracht werden, nachdem das rund 25 Kilometer von der irakischen Hauptstadt entfernte Gefängnis am Mittwoch von Granaten getroffen worden war. Es blieb aber zunächst unklar, um wen es sich bei den Angreifern handelte, die offenbar die Gefangenen befreien wollten. Ebenso unklar war zunächst, wie die Häftlinge starben.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Weltbild.detchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: