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Gazastreifen: UN-Hilfswerk verurteilt Angriffe aufs Schärfste

Nach Beschuss einer Schule  

UN werfen Israel Verstoß gegen Völkerrecht vor

30.07.2014, 18:19 Uhr | AFP

Gazastreifen: UN-Hilfswerk verurteilt Angriffe aufs Schärfste. Bei dem israelischen Beschuss der Mädchenschule wurden 16 Menschen getötet  (Quelle: dpa)

Bei dem israelischen Beschuss der Mädchenschule wurden 16 Menschen getötet (Quelle: dpa)

Nach dem tödlichen Beschuss einer Schule im Gazastreifen hat eine UN-Organisation Israel einen "schweren Verstoß gegen das internationale Recht" vorgeworfen. Der Leiter des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), Pierre Krähenbühl, verurteilte den Angriff in der "schärfsten möglichen Form".

Während die Opferzahl der Militäroffensive auf knapp 1300 getötete Palästinenser stieg, verkündete Israel eine vierstündige Kampfpause.

Schulen bereits mehrfach beschossen

"Ich verurteile in der schärfsten möglichen Formen diese schwere Verletzung des internationalen Rechts durch die israelischen Streitkräfte", erklärte Krähenbühl. "Ich rufe die internationale Gemeinschaft zum entschlossenen Handeln auf, um dem gegenwärtigen Gemetzel umgehend ein Ende zu machen."

Der Leiter des Hilfswerks sagte, es fehlten ihm die Worte, um seine "Wut und Empörung" auszudrücken. Es sei bereits das sechste Mal, dass eine UNRWA-Schule beschossen wurde, obwohl deren Standorte Israel wohlbekannt seien.

"Verhältnismäßigkeit der Mittel" angemahnt

Auch das Deutsche Rote Kreuz wirft beiden Konfliktparteien Völkerrechtsverstöße vor. "Es ist sicher so, dass auf beiden Seiten Verletzungen des humanitären Völkerrechts erkennbar sind. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel ist nicht in jedem Falle gewahrt", sagte Präsident Rudolf Seiters der "Märkischen Allgemeinen Zeitung". Es bestehe "die Verpflichtung, zwischen Zivilpersonen und militärischen Objekten zu unterscheiden", so Seiters.

Die humanitäre Situation im Gazastreifen bezeichnete er als "grauenhaft". Um in dem Palästinensergebiet dringend benötigte humanitäre Hilfe leisten zu können, sei eine sofortige Waffenruhe unverzichtbar.

Granaten töteten mindestens 16 Menschen

Nach UNRWA-Angaben wurden bei dem Beschuss der Mädchenschule im Flüchtlingslager Dschabalija 16 Menschen getötet. Zwei Klassenräume des Schulgebäudes, in dem laut Krähenbühl 3300 Menschen vor den Kämpfen Schutz gesucht hatten, wurden von Panzergranaten verwüstet.

Insgesamt haben rund 180.000 Palästinenser in den 83 Schulen der UNRWA im Gazastreifen Zuflucht gesucht. Bereits am 24. Juli hatte es bei einem Angriff auf eine der Schulen 15 Tote gegeben.

Bereits mehr als 1300 Todesopfer

Nach Angaben der palästinensischen Rettungsdienste wurden bei den israelischen Angriffen mindestens 80 Palästinenser getötet, darunter zahlreiche Mitglieder zweier Familien. Allein bei einem Luftangriff der israelischen Armee auf einen Markt im Gazastreifen seien mindestens 15 Menschen getötet und 150 weitere verletzt worden. Ziel der Attacke war ein gut besuchter Markt in Schedschaija, einem Vorort von Gaza-Stadt, wie der Sprecher der palästinensischen Rettungskräfte, Aschraf al-Kudra, mitteilte.

Palästinensischen Angaben zufolge stieg damit die Opferzahl auf Seiten der Palästinenser auf über 1300Tote und mehr als 7200 Verletzte.

Die meisten der Opfer sind Zivilisten, darunter zahlreiche Kinder. Israel verlor seinerseits in der dreiwöchigen Militäroffensive 53 Soldaten, zudem wurden drei Zivilisten in Israel getötet.

Vierstündige Feuerpause vereinbart

Unterdessen verkündete Israel am Nachmittag eine erneute vierstündige Feuerpause. Die Waffenruhe solle um 14 Uhr in Kraft treten, erklärten die Streitkräfte wenige Minuten vor Beginn der Frist. Die Armee warnte die Einwohner des Gazastreifens davor, während der Kampfpause in die evakuierten Wohngebiete zurückzukehren.

Zudem erklärten die Streitkräfte, die Waffenruhe werde nicht für Gebiete gelten, in der derzeit Bodentruppen im Einsatz seien.

Kein dauerhafter Waffenstillstand

Bereits am Samstag hatten sich Israel und die palästinensische Hamas-Bewegung auf eine zwölfstündige Waffenruhe verständigt. Diese wurde von Israel zunächst um vier Stunden und dann um 24 Stunden verlängert. Wegen des anhaltenden Raketenbeschusses durch die Hamas nahmen die Streitkräfte aber vor Ablauf der Frist die Angriffe wieder auf.

Internationale Bemühungen um eine längere Kampfpause oder einen dauerhaften Waffenstillstand blieben bisher ergebnislos.

Polizei nimmt Schläger fest

Die Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) erklärte am Dienstagnachmittag zwar, die Hamas und der Islamische Dschihad hätten einer 24-stündigen "humanitären Waffenruhe" zugestimmt. Ein Hamas-Sprecher sagte jedoch daraufhin, zuerst müsse die Reaktion Israels abgewartet werden. Ohne "ein Ende der Aggression und eine Aufhebung der Belagerung" werde es keine Waffenruhe geben, erklärte auch der Kommandeur des bewaffneten Arms der Hamas.

Unterdessen nahm die israelische Polizei drei junge Israelis fest, die für einen brutalen Angriff auf zwei junge Palästinenser in Ostjerusalem verantwortlich sein sollen. Die beiden 20-jährigen Opfer gaben an, am Freitagabend nahe einer jüdischen Siedlung in Ostjerusalem von einer etwa zwölfköpfigen Gruppe jüdischer Extremisten angegriffen worden zu sein. Unter anderem sollen diese mit Knüppeln und Eisenstangen auf ihre Köpfe eingeschlagen haben.

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