Sie sind hier: Home > Politik > Ausland > Krisen & Konflikte >

So rechtfertigt der IS seine brutalen Taten

Dokumente aus Syrien  

So rechtfertigt der IS seine brutalen Taten

14.10.2014, 14:32 Uhr | t-online.de

So rechtfertigt der IS seine brutalen Taten. Ein IS-Anhänger in Syrien in der Nähe der umkämpften Stadt Kobane. (Quelle: Reuters)

Ein IS-Anhänger in Syrien in der Nähe der umkämpften Stadt Kobane. (Quelle: Reuters)

Der brutale Kampf der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak richtet sich nicht nur gegen Juden und Christen sondern auch gegen nicht radikale Muslime. Dem Schweizer Medienportal "watson.ch" sind nun Schriften in die Hände gefallen, in denen die Dschihadisten ihr Vorgehen begründen.

Die Papiere stammen aus der nordsyrischen Stadt Manbidsch, die mittlerweile unter der Kontrolle des IS steht. Der Islamwissenschaftler Reinhard Schulz hat sie analysiert.

"Die Schriften dienen dem IS vor allem als Rechtfertigung seines brutalen Kampfes. Sie sind teilweise sehr alt und zeugen vom typischen Schreibstil der ultrareligiösen Dschihad-Szene", sagt Schulze zu "watson.ch". Vieles sei von Vordenkern der Al-Kaida abgekupfert.

Kampfansage an die ganze Welt

In einer Schrift des Jordaniers Abu Mohammed Al-Maqdissi, dem Mentor des späteren Al-Kaida-Gründers Abu Musab al-Zarqawi heißt es über die UN: "Die 'internationale Legitimität' wurde von den Ketzerstaaten erfunden, die die 'UN' - die Vereinten Nationen - gegründet haben." Damit werde "jegliches internationales Eingreifen in den Krieg in Syrien als islamisch illegitim angesehen", erklärt Schulze.

Weiter heißt es in der IS-Schrift: "Auf jeden Fall steht die UN-Organisation unter dem christlich-jüdischen Einfluss. Sie ist für die Teilung Palästinas im Jahre 1948 verantwortlich. Es ist auch bekannt, dass diese Organisation den Islam hasst. Also ist die Organisation eine Ketzerorganisation." Schulze resümiert: "Das Papier ist im Prinzip eine Kampfansage an die ganze Welt."

Feindbild ausgeweitet

In einem anderen Faltblatt des ägyptischen Al-Kaida-Gelehrten Abdelhakim Hassan rechtfertigt der IS seine Hinrichtungen: "Es ist in dieser Zeit überall bekannt geworden, dass die Ketzerparteien, die von Juden, Christen und den aus dem Islam zurückgetretenen Verrätern gegründet worden sind, sich geeinigt haben gegen den Islam und die Moslems zu kämpfen. Gott hat es durch die Koranverse sehr deutlich gemacht, dass die Hinrichtung dieser Apostaten ("Ungläubigen", Anm. d. Red) erlaubt ist."

Schulze hält fest: "Bemerkenswert ist hier die Betonung, dass vom Islam Abgefallene - in den Augen des IS beispielsweise die Schiiten - ebenfalls bekämpft werden müssen". Dies unterscheide IS auch von Al-Kaida: Der IS bekämpft auch Muslime.

Hexerei und Horoskope verpönt

Eine Liste der 31 "Vergehen, vor denen gewarnt werden soll" gibt Verhaltensregeln für die Anhänger des IS vor. Darin heißt es unter anderem: "Musik hören und spielen: der Islam verbietet das. Auch für Handytöne müssen dezente Gesänge verwendet werden, aber keine Lieder mit Musik."

"Hexerei ist Ketzerei" heißt es in dem Papier, aber auch der Glaube an Horoskope ist verpönt: "Das ist auch eine schwerwiegende Sünde. Auch wenn man sie in Zeitungen und Zeitschriften als Unterhaltung liest, ist es streng verboten."

Abgelehnt wird auch der Parlamentarismus: "Für das Parlament zu kandidieren, ist ein grober Fehler. Denn die Parlamente sind gesetzgebende Organe, die das Recht haben, alles zu erlauben oder zu verbieten."

Glaubensbekenntnis der Dschihadisten

Im Glaubensbekenntnis der Dschihadisten, das ebenfalls aus der Feder der Al-Kaida stammen soll, heißt es: "Es ist die Religion Gottes, der wir folgen und wofür wir kämpfen. Diejenigen, die dieser Religion angehören, sind von uns und diejenigen, die anderer Religion sind, sind unsere Feinde."

Erneut werden andere Muslime explizit verurteilt: "Die Apostasie ist viel schlimmer als ein gebürtiger Ketzer". Deswegen werde vorgezogen, die Apostaten zu bekämpfen anstatt die Ketzer. Auch das eigentliche Ziel des IS ist klar benannt: "Wir sind der Meinung, dass die Nation unter einer Flagge - besonders die der Dschihadisten - vereinigt werden soll."

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenhappy-size.deLIDLBabistadouglas.deBAUR;

shopping-portal