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Islamischer Staat: Ziele nach Kobane stehen bereits fest

Nächste IS-Ziele stehen schon fest  

Wer Kobane verliert, verliert den Krieg

16.10.2014, 16:21 Uhr | AP , dpa

Islamischer Staat: Ziele nach Kobane stehen bereits fest. Luftangriff auf Kobane: Die Bedeutung der kleinen Stadt wird immer größer (Quelle: AP/dpa)

Luftangriff auf Kobane: Die Bedeutung der kleinen Stadt wird immer größer (Quelle: AP/dpa)

Gerade war Kobane noch eine vergessene syrische Grenzstadt mit Blick in die Türkei, in gewissem Sinne Verkehrsknotenpunkt, aber doch von geringer Bedeutung. Doch innerhalb weniger Wochen wurde die Stadt zum Symbol für die Zukunft einer ganzen Region. Hier soll sich entscheiden, ob die syrischen Kurden aus den jahrelangen Konflikten im Land gestärkt oder sogar autonom hervorgehen - oder ob der Norden des Landes dem sogenannten Kalifat der Dschihadisten vom Islamischem Staat (IS) zufällt.

Während US-Präsident Barack Obama mit mehr als 20 Militärchefs der internationalen Koalition die weitere Strategie gegen die Killer-Miliz festlegt und es erste Anzeichen dafür gibt, dass die Luftschläge deren Vormarsch verlangsamen, tritt Kobanes Bedeutung immer klarer zutage.

So ist der Kampfplatz für den französischen Präsidenten François Hollande "eine Märtyrerstadt, eine symbolische Stadt" - und das ist sie auch für ihre erbittert kämpfenden kurdischen Verteidiger und die IS-Angreifer.

Die nächsten IS-Ziele stehen bereits fest

Wer hier die Schlacht verliert, verliert mit größter Wahrscheinlichkeit auch den Krieg, wobei die Kurden nach allgemeiner Auffassung wesentlich mehr darunter zu leiden und auch ihre internationalen Unterstützer eine bittere Niederlage gegen den IS zu verkraften hätten.

Aus Sicht der Kurden wäre der Fall Kobanes "eine Tragödie für das Idealprojekt eines autonomen Kurdistans in Syrien", sagt der Forscher Cyril Roussel vom Französischen Nahost-Institut in der jordanischen Hauptstadt Amman. Ein solches autonomes Gebiet wiederum stehe im Widerspruch zu den "ideologischen, politischen und territorialen" IS-Plänen, im Nahen Osten ein möglichst großes Gebiet unter Kontrolle zu bringen und religiösen Regeln zu unterwerfen.

Aus Sicht der etwa drei Millionen Kurden im Norden Syriens ist Kobane der zentrale Ort der von ihnen dominierten Gebiete im Norden des Landes. Die Region um die Stadt liegt zwischen zwei weiteren kurdischen Gebieten, Afrin um den Hauptort Kamischli im Westen und Dschasire um Hassaka im Nordosten.

Sollte Kobane fallen, wäre das erhoffte syrische Kurdistan geteilt, sagt der französische Nahostforscher Fabrice Balanche. Afrin wäre nach seiner Ansicht "das nächste Ziel" des IS, dann käme Dschasire.

"Bis zum letzten Mann und bis zur letzten Frau"

Zudem wäre eine Niederlage in Kobane möglicherweise der Todesstoß für die gegen den IS kämpfenden kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), warnt Syrienexperte Aron Lund von der Carnegie-Stiftung. "Die Gruppe steht unter Druck", sagt er. Die YPG müssten "beweisen, dass sie die Kurden nicht aufgeben und dass sie eine Schlacht bis zum letzten Mann und bis zur letzten Frau führen". "Das ist in den Augen der Kurden ihre Berechtigungsgrundlage", sagt Lund.

Im Onlinedienst Twitter taufte der IS Kobane bereits um. Die Stadt heißt auf Arabisch auch Ain al-Arab, was in etwa "Quelle der Araber" bedeutet und auf ihre Bedeutung bei der Wasserversorgung in der osmanischen Epoche zurückgeht. Für den IS heißt Kobane nun Ain al-Islam, also "Quelle des Islams". Der Widerspruch zur jüngsten Entwicklung der Region könnte kaum größer sein, denn während des jahrelangen Bürgerkriegs in Syrien hielten in den kurdischen Gemeinden weitgehend demokratische Strukturen Einzug.

Politischer Arm der Kurden in Syrien ist die Partei der Demokratischen Union, die sozialistische Tendenzen aufweist und auf eine maßgebliche Beteiligung der Frauen am öffentlichen Leben setzt - nicht zuletzt auch als YPG-Kämpferinnen. Auch in Kobane ist eine Frau Kommandeurin. Die IS-Vorstellungen von einem radikalen Staat mit Enthauptungen als Teil des Strafrechts stehen diesem Modell diametral entgegen.

Kritisch sehen Nahostexperten auch die passive Rolle der Türkei in dem Konflikt. Nach mancher Ansicht käme Ankara eine Vernichtung kurdischer Strukturen jenseits der Grenze angesichts des Kurdenkonflikts im eigenen Land mit etwa 40.000 Toten seit dem Jahr 1984 nicht ungelegen. "Der Fall Kobanes würde den Dschihadisten in die Hände spielen", sagt Roussel. "Er trägt aber vor allem auch deutliche Züge einer Aktion zur Auslöschung des kurdischen Projekts unter Beihilfe Ankaras."

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