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Islamischer Staat: Das IS-Kalifat beginnt zu wanken - Kurden feiern Erfolge

Kurden feiern neue Erfolge  

Das IS-Kalifat beginnt zu wanken

22.12.2014, 09:19 Uhr | t-online.de , dpa , rtr

Islamischer Staat: Das IS-Kalifat beginnt zu wanken - Kurden feiern Erfolge. Im Irak auf dem Rückzug, in Syrien in Bedrängnis: Kämpfer des Islamischen Staats (Quelle: AP/dpa)

Im Irak auf dem Rückzug, in Syrien in Bedrängnis: Kämpfer des Islamischen Staats (Quelle: AP/dpa)

In Syrien stockt der Vormarsch, im Irak sind die Dschihadisten gar auf dem Rückzug. Nach knapp sechs Monaten beginnt der Islamische Staat zu wanken. Kurdenpräsident Massud Barsani kündigte an: "Wir werden den Islamischen Staat zerschlagen."

So steht etwa die strategisch wichtige nordirakische Stadt Sindschar vor der Rückeroberung durch die Kurden. Große Teile des Ortes seien bereits eingenommen worden, sagte Barsani bei einem Besuch des Höhenzugs Sindschar in der Nähe der Stadt. "Mit Gottes Hilfe werden wir sie ganz befreien."

Die Unterstützung der internationalen Koalition zeigt demnach Wirkung. Die US-Streitkräfte flogen nach eigenen Angaben am Sonntag vier Luftangriffe auf IS-Stellungen. Zudem haben zahlreiche Länder Waffen an die Kurden geliefert, darunter Deutschland. Auch in Syrien konnten Kurden zuletzt in der belagerten Stadt Kobane Erfolge vermelden und IS-Kämpfer in mehreren Stadtteilen zurückdrängen. Zudem wurden mindestens 20 IS-Kämpfer nach Angaben von Aktivisten bei einem erneuten Versuch getötet, den ostsyrischen Luftwaffenstützpunkt in Deir Essor zu erobern.

Bereits am Samstag waren viele IS-Kämpfer aus Sindschar geflüchtet, von wo aus ihre Sunnitenmiliz seit August das nordirakische Grenzgebiet nach Syrien kontrollierte und Tausende Flüchtlinge im nördlich gelegenen Sindschar-Gebirge einkesselte. Rund 8000 kurdische Peschmerga-Kämpfer hatten den Weg zum Gebirge freigekämpft und die Stadt überrannt.

Mit einem Sieg in Sindschar hätten die Kurden die meisten Gebiete zurückerobert, die sie an die Extremisten vor etwa vier Monaten verloren hatten. Es wäre auch wichtiger Schachzug für die Zentralregierung in Bagdad, weil so die Verbindung zwischen Syrien und der vom IS beherrschten Stadt Mossul unterbrochen wäre.

Verschiebung der Kräfteverhältnisse

Doch der Erfolg in Sindschar ist weit mehr als nur ein Triumph an strategisch wichtiger Stelle. Er steht exemplarisch für die scheinbare Verschiebung der Kräfteverhältnisse.

Ende Juni hatte IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani den Nachfolgestaat des Reiches des Propheten Mohammed ausgerufen. Binnen kurzem hatten die Dschihadisten in Syrien und im Irak jeweils rund ein Drittel der Fläche erobert. Im Irak rückten sie von Mossul aus gen Bagdad vor, in Syrien breiteten sie sich gen Aleppo aus. 

Die Expansion schien keine Grenzen zu kennen: Der Titel der letzten Ausgabe ihres Internetmagazins "Dabiq" zeigte gar eine Fotomontage, auf der die schwarze IS-Flagge auf dem Petersplatz im Vatikan weht.

Kurden machen immer mehr Boden gut

Doch seit Anfang August werden IS-Stellungen im Irak bombardiert, seit Ende September auch in Syrien. Ein von den USA geführtes Bündnis fliegt die Angriffe. Mehrere hochrangige IS-Anführer sollen bereits umgekommen sein; in den letzten Wochen konnte die irakische Armee gemeinsam mit den Peschmerga wieder Boden gut machen. Auch das hart umkämpfte Kobane in Nordsyrien konnte der IS bislang trotz Überzahl und Einsatz von Panzern nicht erobern. Am Dienstag dauert die Besetzung der Enklave bereits 100 Tage an.

In dieser Situation werden immer mehr Islamisten, die aus dem Ausland in ihren Traumstaat geeilt waren, des Kämpfens müde. Doch schon bei der Gründung des Kalifats hatte Al-Adnani gemahnt: "Wenn ihr den Staat im Stich lasst, dann werdet ihr ihm doch nicht schaden. Ihr werdet nur euch selbst schaden."

IS setzt auf Abschreckung

Im Kalifat herrschen strenge, mittelalterlich anmutende Regeln. In den eroberten Gebieten müssen Frauen sich verhüllen. Männer werden zum Beten gezwungen, schon für einfache Vergehen wird die Hand abgehakt. Wer sich nicht beugt, wird als "Ungläubiger" hingerichtet und gekreuzigt. Im Internet haben die Dschihadisten zur Abschreckung Fotos von Aufgepflockten verbreitet. Auch Videos barbarischer Enthauptungen werden hochgeladen.

Bisher trafen die drakonischen Strafen vor allem Gegner des Kalifats. In Syrien waren erst vergangene Woche Massengräber mit rund 700 Toten eines verfeindeten Stammes entdeckt worden. Im Irak wurde ein Grab mit Dutzenden getöteter Jesiden entdeckt. Nun richtet der IS seine brutale Praxis auch gegen vermutete Abtrünnige in den eigenen Reihen.

Denn für den IS gilt: Ein Gotteskrieger gibt nicht auf. Wer im Gefecht fällt, dem winkt das Himmelreich. Augenzeugen berichteten, wie die Dschihadisten im nordirakischen Mossul am Sonntag 45 Männer aus ihren eigenen Reihen töteten, die sich der Flucht schuldig gemacht hätten.

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