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Ostukraine: Separatisten kündigen neue Großoffensive an

Friedensplan gescheitert  

Separatisten in Ostukraine kündigen neue Großoffensive an

23.01.2015, 19:34 Uhr | dpa, rtr, AP

Ostukraine: Separatisten kündigen neue Großoffensive an. Prorussische Separatisten in der Ostukraine. (Quelle: AP/dpa)

Prorussische Separatisten in der Ostukraine. (Quelle: AP/dpa)

In der Ukraine eskaliert die Lage weiter: Die prorussischen Separatisten haben die Friedensvereinbarungen von Minsk für gescheitert erklärt. Nach dem Blutbad an einer Bushaltestelle im Konfliktgebiet Donezk haben die Aufständischen zudem eine neue Großoffensive angekündigt.

Es solle die gesamte Krisenregion erobert werden - gegebenenfalls auch über die Gebietsgrenze von Donezk hinaus, sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko örtlichen Medien zufolge in der Großstadt Donezk.

"Falls ich eine Gefährdung für die Donezker Erde von irgendeiner Siedlung sehe, werde ich diese Gefahr auch dort beseitigen", drohte Sachartschenko. Bewaffnete Kräfte der "Volksrepubliken" Donezk und Lugansk würden derzeit auf mehrere Orte in der Unruheregion Donbass vorstoßen. Diplomaten aus Deutschland, Frankreich, Russland und der Ukraine hatten sich am Mittwoch in Berlin getroffen, um eine Trennlinie auszuarbeiten, von der die Konfliktparteien in der Ostukraine ihre schweren Waffen zurückziehen sollen.

Feuerpause abgelehnt

Zudem kündigte der Separatistenführer an, sich nicht mehr um Waffenstillstandsgespräche mit der Regierung in Kiew zu bemühen. Angebote einer Feuerpause werde es vonseiten der Aufständischen an die Zentralregierung in Kiew vorerst nicht mehr geben. Mit der prowestlichen Regierung der Ukraine würden die Aufständischen lediglich Gespräche über Gefangenenaustausch führen.

Als Verhandlungspartner erkenne er nur noch Präsident Petro Poroschenko an. Die bisherige Besetzung der Ukraine-Kontaktgruppe in der weißrussischen Hauptstadt Minsk sei "sinnlos". "Wenn Poroschenko kommt, werden wir sprechen", meinte der Separatistenführer.

Separatisten auf dem Vormarsch

Die Kämpfe in der Unruhe-Region hatten sich in diesem Monat wieder deutlich verschärft. Bei einem Raketenangriff auf den Flughafen von Donezk kamen nach Angaben prorussischer Separatisten 24 ihrer Kämpfer ums Leben. Sprecher Eduard Bassurin sagte, ukrainische Regierungssoldaten hätten mit Raketenwerfern auf den Terminal des Airports gezielt. Die Separatisten hatten den Flughafen in dieser Woche nach monatelangen erbitterten Kämpfen unter ihre Kontrolle gebracht.

Die Einnahme des Flughafens bedeutete einen schweren Schlag für die ukrainischen Regierungssoldaten und ihre Offensiven im Osten des Landes. Derzeit kontrollieren die prorussischen Separatisten mehr Gebiete, als im September in Minsk bei den Verhandlungen über eine Feuerpause vereinbart worden war.

Ukraine verstärkt die Truppen

Bereits am Donnerstag waren beim Beschuss einer Bushaltestelle in Donezk zahlreiche Zivilisten getötet worden. Regierungseinheiten und Aufständische geben sich gegenseitig die Schuld an der Tragödie, der UN-Sicherheitsrat forderte eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle und die rigorose Bestrafung der Täter.

Derweil gab der russische Präsident Wladimir Putin der Führung in Kiew die Schuld für das Blutvergießen. "Die Verantwortung tragen jene, die die verbrecherischen Befehle geben", sagte Putin am Freitag bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates in Moskau. Das Militär setze Artillerie und Luftwaffe in der Ostukraine ein. "Und all das wird begleitet von propagandistischen Losungen über Friedensbemühungen", kritisierte er der Agentur Interfax zufolge. Auf einen schriftlichen Vorschlag zum Abzug schwerer Waffen aus dem Bürgerkriegsgebiet habe Moskau noch keine Antwort aus Kiew erhalten.

Präsident Poroschenko hatte Russland zuletzt vorgeworfen, die Separatisten auf dem Territorium seines Landes mit 9000 Soldaten zu unterstützen. Ministerpräsident Arseni Jazenjuk kündigte die Aufstockung der Armee um 68.000 Soldaten auf eine Gesamtstärke von 250.000 an.

Bereits schon weit über 5000 Tote

Die Zahl der Toten bei den Kämpfen im Osten der Ukraine ist mittlerweile auf mehr als 5000 gestiegen. Der Sprecher des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Rupert Colville, sagte, mindestes 5086 Menschen seien getötet worden. Doch sei zu befürchten, dass die tatsächliche Zahl noch bedeutend höher liege. Bislang hatten die Vereinten Nationen die Zahl der Opfer mit 4700 angegeben.

Seit Frühjahr 2014 kämpfen prorussische Separatisten für die Unabhängigkeit ihrer Regionen von der Ukraine, besonders in den Gebieten Donezk und Lugansk.

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