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Mord an Boris Nemzow: Hauptverdächtiger widerruft Geständnis

Mordfall Boris Nemzow  

Hauptverdächtiger widerruft angeblich Geständnis

12.03.2015, 14:39 Uhr | t-online.de, dpa

Mord an Boris Nemzow: Hauptverdächtiger widerruft Geständnis. Saur Dadajew hat sein Geständnis im Mordfall Boris Nemzow zurückgezogen. (Quelle: AP/dpa)

Saur Dadajew hat sein Geständnis im Mordfall Boris Nemzow zurückgezogen. (Quelle: AP/dpa)

Schnell präsentierten die Behörden im Mordfall Boris Nemzow einen Schuldigen, noch schneller folgte dessen angebliches Geständnis. Jetzt hat der Hauptverdächtige Saur Dadajew anscheinend eine Beteiligung an der Tat bestritten. Russische Journalisten berichten, Dadajew habe ihnen gesagt, er sitze unschuldig im Gefängnis. Die Ermittlungsbehörden setzen die Journalisten nun offenbar unter Druck.

Bei dem Besuch der Journalisten der Zeitung "Moskowski Komsomolez" mit Vertretern der russischen Menschenrechtskommission im Gefängnis habe Dadajew zudem gesagt, er hätte vor Gericht gerne die Wahrheit gesagt, diese Möglichkeit sei ihm aber nicht gegeben worden.

Behörden verhören Journalisten

Die russischen Ermittlungsbehörden reagierten offenbar prompt auf die Aussagen der Journalisten und Menschenrechtler. Nach Angaben der Agentur "Interfax" sollen Andrej Babuschkin, Mitglied der Menschenrechtskommission beim Kreml, sowie Ewa Merkatschewaja, Redakteurin des "Moskowski Komsomolez", am Donnerstag und Freitag als Zeugen befragt werden.

Bereits in der Nacht auf Donnerstag waren Ermittler zu Merkatschewas Haus gefahren, hatten sie dort aber nicht angetroffen. Ebenfalls in der Nacht verhörten sie Babuschkin in seinem Büro, es gab nach Aussagen der Ermittler aber keine Durchsuchungen. "Beide sind nicht in Gefahr", betonten Vertreter der Ermittlungsbehörden gegenüber der Agentur.

Anzeichen für Folter

Zuvor hatte es Anhaltspunkte dafür gegeben, dass Dadajew seine angebliche Beteiligung an der Ermordung des Kreml-Kritikers Nemzow nur unter Folter zugegeben habe. Menschenrechtler Babuschkin hatte nach dem Besuch gesagt, der Tschetschene weise "zahlreiche Verletzungen" am Körper auf.

Außerdem seien an den Hand- und Fußgelenken von Handschellen verursachte "Abschürfungen" zu erkennen. "Wir können nicht bestätigen, dass er gefoltert wurde, aber wir haben zahlreiche Verletzungen an seinem Körper entdeckt”, wird Babuschkin von der "Bild" zitiert.

Ermittler beschlagnahmen Unterlagen

Nach dem Verhör in Babuschkins Büro erklärten Vertreter der Ermittlungsbehörden, der Menschenrechtler habe nun den Status eines Zeugen, deshalb seien weitere Besuche bei Dadajew im Gefängnis nun ausgeschlossen.

Babuschkin selbst sagte, die Ermittler hätten bei ihm Aufzeichnungen mit Details zum Mordfall beschlagnahmt. "Das Material kann ich nicht kommentieren, ich kann aber etwas zu den Bedingungen sagen, unter denen wir die Menschenrechte zu schützen suchen."

Im Internetportal des "Moskowski Komsomolez" heißt es, es sei unzulässig, dass auf diese Weise Druck auf Journalisten ausgeübt werde und die Redaktion behalte sich vor zu prüfen, ob hier eine Straftat vorliege.

Anklage wegen Mordes

Der 55-jährige Boris Nemzow war am 27. Februar auf einer Brücke vor den Mauern des Kreml im Zentrum Moskaus erschossen worden. Die Ermordung des Regierungsgegners löste in Russland und weltweit Bestürzung aus. Der frühere Vize-Ministerpräsident war einer der prominentesten Widersacher von Staatschef Wladimir Putin und ein entschiedener Kritiker der russischen Ukraine-Politik.

Die russischen Behörden hatten am Wochenende fünf Verdächtige festgenommen. Der Tschetschene Dadajew gestand nach Justizangaben eine Beteiligung an der Tat. Er und ein weiterer Tschetschene wurden wegen Mordes angeklagt und ebenso wie die drei weiteren Verdächtigen in Untersuchungshaft genommen.

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