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Wurde Boris Nemzow ermordet, weil er die USA unterstützte?

Mögliches Mordmotiv  

Nemzow soll USA bei Sanktionsliste geholfen haben

23.03.2015, 07:32 Uhr | heb, Spiegel Online

Wurde Boris Nemzow ermordet, weil er die USA unterstützte?. DPA Oppositionsführer Nemzow: Hilfe bei Sanktionslisten?  (Quelle: dpa)

DPA Oppositionsführer Nemzow: Hilfe bei Sanktionslisten? (Quelle: dpa)

Moskau - Wurde Boris Nemzow getötet, weil er die Amerikaner unterstützte? Drei Wochen nach dem Mord an dem russischen Oppositionellen wirft die offizielle Tatversion immer mehr Fragen auf. Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") berichtet, gibt es Hinweise, dass auch Nemzows Verbindung zu den USA ein Motiv für den Mord sein könne. Das Blatt beruft sich auf nicht näher benannte Sicherheitskreise.

Nach der Annexion der Krim im vergangenen Jahr habe der prominente Putin-Gegner demnach geholfen, die US-Liste mit Sanktionen gegen führende russische Politiker und Geschäftsleute zu verfassen. Dort sind insbesondere enge Freunde und Weggefährten von Präsident Wladimir Putin aufgeführt, die von Washington mit Einreiseverboten und Vermögenssperren belegt wurden.

Auf der Liste ist auch der Name von Sergej Naryschkin zu finden. Der Vorsitzende des russischen Parlaments soll, so berichtet die Zeitung, laut Sicherheitskreisen in geheimer Mission damals auf die Krim gereist sein, um den künftigen Gouverneur der Halbinsel auszusuchen. Naryschkin bezeichnete die "Wiedervereinigung der Krim mit Russland" später als "eines der wichtigsten historischen Ereignisse des Jahrhunderts".

Geständnis widerrufen

Russische Oppositionelle zweifeln schon länger an der Darstellung der Behörden, dass es einen islamistischen Hintergrund für das Attentat gibt. Ermittler hatten wenige Tage nach dem Mord an Nemzow mehrere Männer verhaftet, die aus Tschetschenien stammen. Allerdings weisen diese die Vorwürfe zurück. Der Hauptverdächtige Zaur D. widerrief sein Geständnis mittlerweile, er gibt an, ein Alibi für die Tatzeit zu haben. Zuvor war bekannt geworden, dass D. offenbar in der Haft gefoltert worden war. Ein Mitglied der Menschenrechtskommission des Kreml, das ihn besuchte, berichtete von "zahlreichen Verletzungen".

Der Oppositionspolitiker Wladimir Milow sagte dem Radiosender Swoboda nach dem Mord, dass Präsident Putin und sein Umfeld aufgrund der Sanktionen größere Probleme bekommen hätten als erwartet. "Sie machten Nemzow schon lange persönlich verantwortlich dafür, dass die Sanktionen in so einer harten Weise verhängt worden sind", sagte Milow. Im Kreml sei man über die Lobbyarbeit Nemzows erbost gewesen.

Zweite Sanktionsliste nach qualvollem Tod eines Anwalts

Nemzow soll nach dem Bericht der "FAS" nicht nur an der Sanktionsliste nach der Krim-Annexion beteiligt gewesen sein, sondern er half den USA auch bei der sogenannten Magnizki-Liste 2012. Sie war nach dem qualvollen Tod des russischen Anwalts Sergej Magnizki in einem Moskauer Gefängnis 2009 erlassen worden. Der Jurist hatte für die US-Firma Firestone Duncan gearbeitet und in Moskau den Investmentfonds Hermitage Capital Management beraten, er war wegen Betrugsvorwürfen festgenommen worden. Russland verbot als Reaktion auf die US-Sanktionen Amerikanern die Adoption russischer Waisenkinder.

Im vergangen Jahr besuchte Nemzow, der vom amerikanischen Investor George Soros finanziell unterstützt worden sein soll, konservative US-Senatoren, darunter John McCain und Ron Johnson. Er übergab ihnen 13 Namen, die zu der Magnizki-Liste zugefügt werden sollten. Darunter sind enge Gefolgsleute Putins. Die US-Regierung will darüber aber erst Ende des Jahres entscheiden - je nach Fortgang der Ermittlung im Nemzow-Fall, wie das Außenministerium mitteilte.

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