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IS versucht im Irak Todes-Grätsche gegen Bagdads Truppen

Rückeroberung in Gefahr  

IS versucht Todes-Grätsche gegen Bagdads Truppen

15.04.2015, 18:48 Uhr | AP, ckr

IS versucht im Irak Todes-Grätsche gegen Bagdads Truppen. Kämpfe um die Provinz Anbar: Ein irakischer Regierungssoldat feuert auf eine Stellung des IS. (Quelle: Reuters)

Kämpfe um die Provinz Anbar: Ein irakischer Regierungssoldat feuert auf eine Stellung des IS. (Quelle: Reuters)

Schon seit Wochen ist der "Islamische Staat" (IS) im Irak auf dem Rückzug. Jetzt aber gerät der erhoffte Sieg über die Terror-Truppe in Gefahr: Mit einem strategisch geschickten Großangriff auf die Provinz-Hauptstadt Ramadi könnte der IS mitten in die Angriffsachse von Bagdads Truppen grätschen (siehe Grafik 1).

Bereits am frühen Morgen sollen IS-Kämpfer auf das Zentrum der 250.000-Einwohner-Stadt Ramadi vorgestoßen sein. Laut "CNN" riefen Militärs und Verwaltung per Funk verzweifelt nach Truppen und Luftunterstützung. Die Verteidiger seien erschöpft und auf dem Rückzug, die Munition werde knapp, meldete der US-Sender. Der Fall der Stadt, die rund 100 Kilometer westlich von Bagdad liegt, könnte unmittelbar bevorstehen.

Stadt um Stadt, Ölfeld um Ölfeld

"Wenn Bagdad keine Verstärkungen schickt, wird die Stadt dem IS in die Hände fallen", so Sabah Karhut, der Präsident des Provinzrates laut dpa. Aus Bagdad ist nur von mehreren Vorstädten und Dörfern die Rede, die am Mittwoch erobert worden seien. Fakt ist aber: Die Offensive gegen Ramadi läuft.

Der Hintergrund: Seit Wochen verliert der IS im Irak Stadt um Stadt und Ölfeld um Ölfeld. Gemeinsam mit schiitischen Milizen treiben Bagdads Truppen die IS-Kämpfer immer weiter in Richtung Norden. Dort warten bereits die kurdischen Peschmerga und jagen die Terrortruppe ihrerseits Richtung Süden.

Bis zu 30 Prozent seines irakischen Territoriums soll der IS auf diese Weise bereits verloren haben. Zuletzt wurden seine Kämpfer aus Tikrit vertrieben, der Geburtsstadt von Ex-Dikator Saddam Hussein.

Um diese Nord-Süd-Zange aufzubrechen rückt der IS nun von Westen vor - tendenziell genau in die Flanke der irakischen Armee (siehe Grafik):

Grafik 1: Unterbricht der IS (schwarz) die Angriffslinie der Bagdader Truppen (grün)? (Quelle: t-online.de mit Material von stepmap)Grafik 1: Unterbricht der IS (schwarz) die Angriffslinie der Bagdader Truppen (grün)? (Quelle: t-online.de mit Material von stepmap)

Bereits vor Monaten hatte der IS einen Großteil der Riesen-Provinz Anbar eingenommen. Der Vorstoß auf die Provinz-Hauptstadt Ramadi gerät nun zum klassischen Entlastungsangriff: Würde Ramadi fallen, müsste Bagdad vermutlich schnell reagieren und Truppen von der Hauptfront abziehen, um den Angriff zu kontern - Bagdads Vormarsch geriete ins Stocken.

Schon vergangene Woche hat der IS deshalb seine Angriffe auf Ramadi hochgefahren. Mit Erfolg: Am Freitag eroberte er erste Vororte. Und die Extremisten bereiten sich auf den Start einer weiteren Offensive vom Westen von Ramadi vor. Ein Beamter bezeichnete die Situation als kritisch. Seinen Angaben zufolge versucht der IS, die Kontrolle über die Hauptautobahn durch Ramadi zu gewinnen.

"Die Situation ist unter Kontrolle"

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurde daher Verstärkung nach Anbar entsandt. Zudem unterstützten Luftangriffe der US-geführten Koalition die irakischen Truppen. "Die Situation ist unter Kontrolle", sagte Ministeriumssprecher Tahsin Ibrahim. Er fügte aber hinzu, dass die meisten Dorfbewohner wegen der Kämpfe aus ihren Häusern geflohen seien.

Die Regierungskräfte konzentrieren sich daher zur Zeit auf die Provinz Anbar. Ministerpräsident Haidar al-Abadi sagte, wenn Anbar befreit und die Stadt Baidschi gesichert seien, wolle man die nordirakische Stadt Mossul angehen.

Erst am Montag hatte das US-Verteidigungsministerium gemeldet, der IS habe im Irak 25 bis 30 Prozent seines Territoriums eingebüßt, seit die irakischen Truppen mit ihrer Gegenoffensive Ernst machen (siehe Grafik 2). Nach den jüngsten militärischen Niederlagen gegen die irakische Armee und die kurdischen Peschmerga kontrollieren die Dschihadisten außerdem nur noch ein Ölfeld im Irak, meldete vergangene Woche die "Süddeutsche Zeitung" unter Bezugnahme auf den Bundesnachrichtendienst. Wird Ramadi erobert, könnte der Ausgang des Krieges jedoch wieder offen sein.

Grafik 2: Gebietsverluste des IS. (Quelle: dpa)Grafik 2: Gebietsverluste des IS.

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