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Malaysia sucht nach Flüchtlingen auf hoher See

Plötzlicher Kurswechsel  

Malaysia sucht nach Flüchtlingen auf hoher See

21.05.2015, 11:20 Uhr | dpa, rtr, AFP

Malaysia sucht nach Flüchtlingen auf hoher See. Flüchtlinge sitzen dichtgedrängt auf ihrem Boot und warten auf Rettung. (Quelle: AP/dpa)

Flüchtlinge sitzen dichtgedrängt auf ihrem Boot und warten auf Rettung. (Quelle: AP/dpa)

Erst vergangene Woche schickte Malaysia zwei Flüchtlingsboote wieder zurück in ihre Heimathäfen. Nun erklärt sich das Land erstmals bereit, den Flüchtlingen aktiv zu helfen. Auch Indonesien hat angekündigt, sich an der Rettung bedrohter Menschen zu beteiligen.

Malaysia will sich jetzt um tausende auf überfüllten Fischerbooten im Meer vermutete Flüchtlinge kümmern. "Wir müssen verhindern, dass Menschen ihr Leben verlieren", teilte Ministerpräsident Najib Razak über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

"Wir sind angewiesen, nach Flüchtlingsbooten Ausschau zu halten, den Menschen Hilfe anzubieten und sie an Land zu bringen", sagte ein hoher Vertreter der Marine. "Bislang haben unsere Schiffe nach meinen Informationen aber noch keine Boote gesichtet."

"Wir werden Ausschau halten"

Nach Malaysia willigte auch Indonesien ein, die vor ihren Küsten treibenden Bootsflüchtlinge nun doch nicht ihrem Schicksal zu überlassen. "Wir werden nach ihnen Ausschau halten", sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Bei den Flüchtlingen handelt es sich überwiegend um muslimische Rohingya aus Myanmar. Sie sind vor Verfolgung aus ihrer Heimat geflüchtet. Andere kommen aus Bangladesch. Menschenrechtler gehen davon aus, dass noch Tausende auf Booten unterwegs sind. Sie treiben teils seit drei Monaten im Meer, weil alle Nachbarländer sie bislang abgewiesen haben. Überlebende berichten von Horrorzuständen an Bord.

Fischer haben rund 2000 Menschen in den vergangenen zwei Wochen gerettet. Sie befinden sich in Malaysia und Indonesien in Auffanglagern.

Am Mittwoch hatten Malaysia und Indonesien eingewilligt, rund 7000 Menschen vorübergehend aufzunehmen, unter der Bedingung, dass die internationale Gemeinschaft für innerhalb eines Jahres eine neue Heimat für die Gestrandeten findet.

Myanmar lenkt nun doch ein

Myanmar will nach erstem Widerstand nun doch an der internationalen Flüchtlingskonferenz am 29. Mai in Thailand teilnehmen. Es gebe aber zwei Bedingungen, sagte ein hoher Beamter des Außenministeriums: So dürfe Myanmar nicht für das Flüchtlingsdrama verantwortlich gemacht werden, und die Flüchtlinge dürften nicht als "Rohingya" bezeichnet werden. Die Regierung der einstigen Militärdiktatur bezeichnet die Menschen als "Bengalen", illegale Migranten aus dem Nachbarland Bangladesch. Dabei sind viele Familien schon mehr als 150 Jahre im heutigen Myanmar ansässig.

Myanmar sei bereit, Flüchtlinge zurückzunehmen, sagte der Beamte. "Wenn sie beweisen können, dass sie zu unserem Land gehören", sagte er. Das ist aber der Knackpunkt: Laut Gesetz können Rohingya nur Bürgerrechte bekommen, wenn sie oder ihre Vorfahren vor 1948 Anträge auf Staatsbürgerschaft gestellt haben. Das ist bei den meisten der bitterarmen Wanderarbeiter nicht der Fall, sagen Menschenrechtler.

Menschenrechtler gehen davon aus, dass die allermeisten Flüchtlinge Rohingya sind. Ein Sprecher des indonesischen Außenministeriums meinte, 40 Prozent der 1700 Flüchtlinge, die in Indonesien an Land kamen, stammten aus Bangladesch. Sie sollen zügig zurückgeschickt werden. Es könnte sich dabei aber ebenfalls um Rohingya handeln, die in den vergangenen Jahren nach Bangladesch flüchteten.

Schlepper überließen Flüchtlinge ihrem Schicksal

Ausgelöst wurde die jüngste Flüchtlingskrise durch ein verschärftes Vorgehen Thailands gegen Schlepperbanden. Da die üblichen Schmuggelrouten für die Menschenhändler zu gefährlich wurden, haben die Schlepper die Flüchtlingsboote verlassen und die Menschen allein ihrem Schicksal auf hoher See überlassen.

Die schwelende Krise brachte Malaysia dazu, am Mittwoch ein Notfalltreffen mit den Außenministern von Indonesien und Thailand einzuberufen. Kuala Lumpur hat momentan den Vorsitz in dem aus zehn südostasiatischen Ländern bestehenden Asean-Verbund inne. Dort wurden dann die Zugeständnisse beschlossen.

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