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Nach Suruc-Anschlag: Darum bleibt die Türkei an der Seite des IS

Nach dem Anschlag von Suruc  

Darum bleibt die Türkei an der Seite des IS

22.07.2015, 19:49 Uhr | t-online.de

Nach Suruc-Anschlag: Darum bleibt die Türkei an der Seite des IS. Tatenlos im Kampf gegen den IS: türkische Panzertruppen in Sichtweite des syrischen Kobane. (Quelle: Reuters)

Tatenlos im Kampf gegen den IS: türkische Panzertruppen in Sichtweite des syrischen Kobane. (Quelle: Reuters)

Von Christian Kreutzer

Zusammenfassung: Nach dem Anschlag im türkischen Suruc mit 32 Toten hoffen viele auf ein Umdenken Ankaras. Der bisherige Helfer des Islamischen Staates könnte nun endlich in den Krieg gegen die Terrorgruppe eintreten. Doch die Hoffnung trügt, ist Experte Günter Meyer überzeugt: IS und Türkei teilen einfach zu viele gemeinsame Interessen.

Ist der IS verrückt geworden, fragen sich viele: Mitten in einer türkischen Stadt lässt der Islamische Staat - so zumindest der dringende Verdacht - eine Bombe hochgehen. Ausgerechnet seinen besten Unterstützer Türkei hatte der IS angegriffen - für viele buchstäblich eine Selbstmordattacke.

Die Bilanz: 32 Tote, über 100 Verletzte. Die Opfer: kurdische und türkische Jugendliche einer sozialistischen Oganisation. Sie wollten ein Signal setzen und gemeinsam das zerstörte Kobane wieder aufbauen.

Die ersten Reaktionen aus Ankara lassen denn auch viele Feinde des IS hoffen: "Der Kampf gegen Da‘isch (IS) wird mit Entschlossenheit fortgeführt", ließ Präsident Recep Tayyip Erdogan seinen Sprecher behaupten. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu stellte fest: "Der IS bedroht nicht nur Syrien, sondern auch die Türkei."

Das Geld kommt vom Golf, die Logistik aus der Türkei

Schwenkt die Türkei, jetzt endlich auf den Kurs der Nato ein und geht ernsthaft gegen den IS vor? Wohl kaum, ist Günter Meyer überzeugt. Er ist Experte für die arabische Welt an der Universität Mainz und gilt als profunder Kenner der Zusammenhänge in der Region.

Bislang gilt Ankara als wichtigster Unterstützer des IS. "Die finanzielle Unterstützung für den IS kommt aus den Golfstaaten Saudi-Arabien und Katar, die politische und logistische Unterstützung aus der Türkei", so Meyer. Dazu gehören auch Waffenlieferungen.

Noch im Kampf um die Kurdenstadt Kobane hatte Ankara verhindert, dass kurdische Kämpfer aus der Türkei dorthin gelangen konnten, um ihre Landsleute im Krieg gegen die Terrorgruppe zu unterstützen. Wären nicht die USA mit ihren Luftangriffen und Waffenabwürfen gewesen, Kobane wäre heute vermutlich in der Hand des IS.

Nach dem Anschlag werde Ankara durchaus umdenken und den IS stärker kontrollieren, glaubt Meyer. Bereits in den vergangenen Wochen habe die Türkei rund 1500 ausländische IS-Sympathisanten in ihre Heimatländer zurückgeschickt und etwa 500 Männer festgenommen. "Dass die Türkei jetzt aber militärisch gegen den IS vorgeht, halte ich für ausgeschlossen", so Meyer.

Kalter Krieg zwischen Sunniten und Schiiten

Der springende Punkt sei der gemeinsame Kampf gegen eine autonome Kurdenregion in Nordsyrien. Die fürchte Ankara wie der Teufel das Weihwasser: Syriens Kurden-Organisationen sind mit der türkisch-kurdischen PKK verbündet, die für einen Kurdenstaat auf dem Gebiet der Türkei kämpft. Außerdem müsse die türkische Regierung zahllose IS-Sympathisanten im eigenen Land fürchten. Weitere Anschläge könnten empfindlichere Ziele treffen, als sozialistische Kurdenfreunde.

Was aber hat der IS mit dem Anschlag bezweckt? Klar ist: Der Attacke von Suruc war kein Angriff auf Erdogan, auch wenn der das nicht zugeben darf.

Eigentlich, glaubt auch Meyer, hat der IS nur Erdogans Gegner angegriffen: Die Opfer von Suruc waren vor allem Kurden, aber auch einige Türken. Vor allem wegen Letzteren muss die Regierung natürlich reagieren. Krieg zwischen Ankara und IS-Führer "Kalif Ibrahim" herrsche deshalb aber nicht, so Meyer.

Der Grund für den Anschlag: Einerseits wollte der IS Rache für Kobane. Andererseits wollte er der Türkei signalisieren: Lasst Euch von den USA bloß nicht dazu drängen, noch stärker gegen uns vorzugehen. Wir können Euch jederzeit treffen.

Als Ziel habe man sich aber Menschen gewählt, die den Präsidenten nicht wirklich scheren, da sie aus dem gegnerischen Lager kommen - ein Warnschuss vor Ankaras Bug, mehr aber auch nicht.

Im Großen und Ganzen steckt wohl ein größeres Spiel hinter den Vorgängen im Nahen Osten: Der Kalte Krieg zwischen den sunnitischen Regionalmächten Türkei, Saudi-Arabien und Katar, die den IS unterstützen einerseits - und der schiitischen Regionalmacht Iran und ihren Verbündeten Assad in Syrien und der Hisbollah im Libanon auf der anderen Seite.

Nach dem Friedensschluss zwischen dem Iran und der USA würde sich dieser Konflikt wohl verstärken, ist Meyer überzeugt. Für den IS sind das gute Nachrichten.

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