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Kampfjet-Abschuss: Nato sichert der Türkei Hilfe zu

Nach Kampfjet-Abschuss  

Schicksal der Piloten unklar - Nato sichert Türkei Hilfe zu

25.11.2015, 08:15 Uhr | Tobias Möllers, AP, dpa, rtr, AFP, t-online.de

Kampfjet-Abschuss: Nato sichert der Türkei Hilfe zu. Das russische Kampfflugzeug ist nahe der türkischen Grenze auf syrischem Boden abgestürzt. (Quelle: dpa)

Das russische Kampfflugzeug ist nahe der türkischen Grenze auf syrischem Boden abgestürzt. (Quelle: dpa)

Nach dem Abschuss eines russischen Militärflugzeugs im syrisch-türkischen Grenzgebiet bleiben viele offene Fragen: Hat das Kampfflugzeug den türkischen Luftraum verletzt? Wen wollten die Russen dort eigentlich angreifen? Was sind die Gründe für eine Eskalation der Meinungsverschiedenheiten zwischen der Türkei und Russland? Was ist eigentlich mit den beiden Piloten passiert? Und, wie geht es jetzt weiter?

Die Antworten auf all diese Fragen fallen bisher höchst widersprüchlich aus. t-online.de versucht dennoch, Ihnen einen Überblick zu geben:

Hat das russische Kampfflugzeug den türkischen Luftraum verletzt?

Die türkischen Streitkräfte behaupten dies. Sie geben an, das Flugzeug vom Typ SU-24 sei in den Luftraum des Landes eingedrungen. Innerhalb von fünf Minuten seien die Piloten zehnmal deswegen gewarnt worden.

Da dennoch keine Reaktion erfolgte, hätten zwei türkische F16-Kampfflugzeuge den Jet den Einsatzregeln entsprechend am Morgen in der Grenzregion Hatay abgeschossen.

Das US-Militär untermauerte die Darstellung des Nato-Verbündeten Türkei: Das türkische Militär habe keine Antwort bekommen, erklärte Pentagon-Sprecher Steve Warren. Das US-Militär habe die Kommunikation über Funk mitverfolgen können. "Wir konnten alles hören, was passiert ist", sagte Warren.

Auch Nato-Experten stellten sich hinter die Darstellung der Türkei. Der Kampfjet sei in türkischen Luftraum eingedrungen, erklärten sie.

Das russische Verteidigungsministerium betonte hingegen, das Flugzeug sei in Syrien im Einsatz gewesen und habe die Grenze zur Türkei zu keinem Zeitpunkt überquert.

Das syrische Regime in Damaskus wirft der Türkei wegen des Abschusses sogar eine Verletzung seiner Souveränität vor. Die Türkei habe über syrischem Boden ein befreundetes russisches Flugzeug abgeschossen, das von einem Einsatz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zurückgekehrt sei, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana eine nicht näher genannte Armeequelle.

Die türkische Regierung stehe an der Seite des Terrorismus und unterstütze ihn in jeder Form, hieß es weiter. Die "verzweifelten feindlichen Handlungen" würden aber Syriens Entschlossenheit steigern, den Kampf gegen Terrororganisationen fortzusetzen.

Wen wollte der Kampfjet eigentlich angreifen?

Das Flugzeug soll in der Gegend angeblich turkmenische Kämpfer bombardiert haben. Ein Kämpfer, der sich Alpaslan Celik nannte und als Vizekommandeur der turkmenischen Küstendivision vorstellte, sagte der privaten türkischen Nachrichtenagentur Dogan, die russische Militärmaschine habe eine Bombe auf sie abgeworfen, bevor sie in türkischen Luftraum eingedrungen sei.

Schon seit Beginn der russischen Luftangriffe in Syrien gibt es einen Dissens zwischen Moskau und der internationalen Allianz gegen den IS über die Angriffsziele Russlands. Während die westliche Koalition beklagt, dass Russland hauptsächlich die Opposition des syrischen Präsidenten Assad ins Visier nehme, betont Moskau, dass seine Angriffe fast ausschließlich dem IS und anderen Terroristen dienten. Darüber, wer in dem verwickelten Konflikt als "Terrorist" und wer als "gemäßigte Opposition" bezeichnet wird, herrscht zwischen beiden Seiten tiefe Uneinigkeit. 

Fest steht allerdings, dass der IS in dem Gebiet, in dem der russische Kampfflieger vor seinem Abschuss unterwegs war, über keinerlei Stellungen verfügt.

Was sind die Gründe für eine Eskalation der Meinungsverschiedenheiten zwischen der Türkei und Russland?

Eigentlich können der russische Präsident und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan ganz gut miteinander. Mit einem milliardenschweren Deal für die geplante Gaspipeline Turkish Stream durch das Schwarze Meer wollte Russland die Türkei eng an sich binden.

Doch besonders in einem Punkt vertreten Putin und Erdogan diametral entgegengesetzte Positionen: beim Thema Syrien. Die Türkei fordert die Ablösung von Machthaber Baschar al-Assad. Noch beim G20-Gipfel in der Südtürkei - an dem auch Putin teilnahm - hatte Erdogan vor gut einer Woche betont: "Assad hat keinen Platz in der Zukunft Syriens. Er hat sein eigenes Volk abgeschlachtet."

Russland hält dagegen an Assad fest und unterstützt seit Ende September eine Offensive der syrischen Armee mit Luftangriffen. Bereits im Oktober hatten russische Kampfjets aus Syrien kommend nach Darstellung der Regierung in Ankara türkischen Luftraum verletzt.

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte damals gewarnt, die türkischen Einsatzregeln würden auch für russische Kampfflugzeuge gelten. Das Militär werde gegen jeden vorgehen, der türkischen Luftraum verletze - "sollte es auch nur ein fliegender Vogel sein". Dass Ankara ernst machen würde, hatte in Moskau wohl niemand so recht erwartet.

Zudem eskaliert seit Tagen ein im Westen weniger beachteter Konflikt zwischen der Türkei und Russland im Bürgerkriegsland Syrien. Ankara wirft Moskau vor, turkmenische Rebellen nahe der Grenze zur Türkei zu bombardieren - genau in jenem Gebiet, in dem nun auch das russische Kampfflugzeug in einem Feuerball zur Erde stürzte.

Die Türkei betrachtet die Minderheit der Turkmenen in Syrien nicht nur als Alliierte im Kampf gegen Assad, sondern fühlt sich ihr auch ethnisch verbunden. Den UN-Sicherheitsrat forderte die Türkei der Agentur Anadolu zufolge schriftlich auf, Maßnahmen gegen die russischen Luftangriffe zu ergreifen.

Von einem "Wendepunkt in Moskaus ohnehin gespannten Beziehungen zu Ankara" spricht Dmitri Trenin vom Moskauer Carnegie Centre. "Russland wird jetzt keine Luftangriffe gegen die Türkei fliegen, aber sie als "Komplizen des IS" behandeln", meint der Experte im Kurznachrichtendienst Twitter.

Sind die beiden Piloten noch am Leben?

Auch hierzu gibt es widersprüchliche Meldungen. Örtliche Rebellen hatten zunächst mitgeteilt, dass einer der Piloten tot sei.

Eine syrische Rebellengruppe behauptete später, die Männer getötet zu haben. Sie seien erschossen worden, als sie noch mit ihren Fallschirmen zur Erde geschwebt seien, erklärte der Turkmene Celik. "Beide Piloten wurden tot aufgefunden."

Nach Angaben aus türkischen Regierungskreisen sind die Piloten hingegen vermutlich noch am Leben. Offenbar seien sie in der Gewalt syrischer Aufständischer, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von einem Insider. "Unsere Leute arbeiten daran, sie wohlbehalten von den Rebellen überstellt zu bekommen."

Erst am Abend äußerte sich der Generalstab in Moskau. Demnach sei einer der beiden Piloten ums Leben gekommen. Das Schicksal des zweiten Soldaten sei ungewiss. Ein weiterer russischer Militärangehöriger sei beim Angriff von syrischen Rebellen auf einen russischen Hubschrauber ums Leben gekommen, sagte Sprecher Sergej Rudski der Agentur Interfax zufolge.

Wie geht es jetzt weiter?

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat nach dem Abschuss zu Besonnenheit gemahnt. Er sprach von einem "ernsten Zwischenfall", der die internationalen Bemühungen um eine Entschärfung des Syrien-Konflikts belaste. "Das kann bedeuten, dass wir nicht nur einen Rückschlag erleben werden, sondern dass der Hoffnungsschimmer, den wir gerade erst erarbeitet haben, zerstört wird."

Steinmeier appellierte an Russland und die Türkei, sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein und direkt miteinander ins Gespräch zu kommen. "Ich hoffe, dass in beiden Hauptstädten Besonnenheit und Vernunft herrschen", sagte der SPD-Politiker. "Vieles hängt jetzt davon ab, wie die weiteren Reaktionen in Moskau und Ankara aussehen."

Auch Großbritanniens Premierminister David Cameron hat die türkische Regierung aufgefordert, die unmittelbare Kommunikation mit dem Kreml aufrecht zu erhalten. Cameron habe seinen Amtskollegen gebeten, durch Gespräche eine weitere Eskalation zu verhindern, hieß es. Auch US-Präsident Barack Obama warnte vor einer Eskalation.

Doch zunächst sieht es genau danach aus: Das russische Verteidigungsministerium bestellte den türkischen Militärattaché ein. Die Nato traf sich zu einer Sondersitzung. Bei dieser sicherte sie dem Bündnispartner Türkei ihre Solidarität zu. 

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat seinen für Mittwoch geplanten Besuch in der Türkei wegen des Abschusses abgesagt. Lawrow riet seinen Landsleuten zudem, die Türkei derzeit nicht zu besuchen. Die Terrorbedrohung in der Türkei sei nicht geringer als in Ägypten, argumentierte er.

Kremlchef Wladimir Putin kritisierte die türkische Regierung gar als "Helfershelfer von Terroristen". Die Attacke sei ein "Stoß in den Rücken", sagte Russlands Präsident im Staatsfernsehen. "Wir werden es nicht dulden, dass solche Verbrechen wie das heutige begangen werden", warnte Putin in der Schwarzmeerstadt Sotschi. Der Führung in Ankara drohte er "ernsthafte Konsequenzen" an.

Putin kritisierte auch scharf, dass sich das Nato-Mitglied Türkei nach dem Abschuss nicht an Russland gewandt, sondern eine Nato-Sondersitzung einberufen habe. Russland und die Türkei gehören zu den Ländern, die bei den Gesprächen für eine Lösung des Syrien-Konflikts in Wien zusammen am Tisch sitzen.

Russischer Kampfjet abgeschossen. (Quelle: dpa)Russischer Kampfjet abgeschossen. (Quelle: dpa)

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