Sie sind hier: Home > Politik > Ausland > Krisen & Konflikte >

Syrien: Wladimir Putin bombt Aleppo zum zweiten Grosny


Tschetschenien-Strategie für Syrien  

Putin bombt Aleppo zum zweiten Grosny

08.02.2016, 20:45 Uhr | Christoph Sydow, Spiegel Online

Syrien: Wladimir Putin bombt Aleppo zum zweiten Grosny. Bewohner der nordsyrischen Stadt Aleppo nach einem Luftangriff des Regimes oder seiner Verbündeten. (Quelle: Reuters)

Bewohner der nordsyrischen Stadt Aleppo nach einem Luftangriff des Regimes oder seiner Verbündeten. (Quelle: Reuters)

Wladimir Putin setzt im Kampf gegen die syrischen Rebellen auf seine Kriegstaktik aus dem Tschetschenien-Feldzug.

"Der Syrienkonflikt lässt sich nicht militärisch lösen." Diesen Satz wiederholen westliche Diplomaten und Politiker seit fast fünf Jahren wie ein Mantra.

Wladimir Putin schickt sich nun an, das Gegenteil zu beweisen. Die russischen Luftangriffe auf Aleppo und das nördliche Umland haben der militärischen Lage in den vergangenen Wochen eine dramatische Wendung gegeben. Mit Unterstützung des Moskauer Militärs ist es syrischen Regierungstruppen und Einheiten der libanesischen Hisbollah-Miliz gelungen, mehrere Dörfer am nördlichen Stadtrand von Aleppo zurückzuerobern. 

Der von syrischen Rebellen gehaltene Osten und Norden der einstigen Millionenmetropole stehen damit kurz vor der Einkesselung.

Enorme Zerstörung

"Die syrische Armee hat zusammen mit unterstützenden Truppen Sicherheit und Stabilität zurückgebracht." Mit dieser Phrase bejubelt die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana die Geländegewinne des Assad-Regimes. Doch die Bilder zeugen vor allem von enormer Zerstörung: Fast alle Häuser sind ausgebombt, die Bewohner geflüchtet. Mehrere Zehntausend Menschen sind inzwischen am türkisch-syrischen Grenzübergang Bab al-Salama gestrandet.

Jenen, die es nicht rechtzeitig aus dem Kessel von Aleppo schaffen, droht ein grausiges Schicksal. Laut Schätzungen leben noch mehr als 300.000 Menschen in den von Rebellen kontrollierten Stadtvierteln. Seit Jahren werden ihre Häuser bombardiert: Erst warfen Assads Hubschrauber Fassbomben ab, seit September bombardieren russische Jets das Gebiet.

Regime lässt Rebellen aushungern

Nun steht den Menschen eine monatelange Belagerung bevor: Die syrischen Truppen mit ihren libanesischen und iranischen Verbündeten werden es kaum wagen, in die Viertel einzumarschieren. Im Häuserkampf mit den Aufständischen drohen ihnen große Verluste. Stattdessen setzt das Regime auf eine Kriegstaktik, mit der es schon die Rebellen in Homs, Madaja und anderen Städten bezwungen hat: das Aushungern.

Die Armee riegelt die Orte ab, lässt keine Hilfslieferungen durch und wirft Bomben von oben. So lange, bis die Eingeschlossenen verhungern und sich die Aufständischen ergeben. Schon jetzt sind Treibstoff und Nahrungsmittel in Aleppo knapp geworden.

Obama: "Aus russischer Sicht sind das alles Terroristen"

Die zerstrittenen Rebellen wollen den Fall Aleppos mit allen Mitteln verhindern. Die größte Miliz Ahrar al-Scham hat "alle Fraktionen der syrischen Revolution" aufgerufen, sich an der Verteidigung der Stadt zu beteiligen. Doch gegen die Luftangriffe und die Feuerkraft der von Russland jüngst gelieferten T-90-Panzer sind die Aufständischen machtlos.

"Aus Sicht der russischen Regierung sind das alles Terroristen", sagte US-Präsident Barack Obama schon im September nach einem Treffen mit seinem Moskauer Amtskollegen.

Wie in Grosny

Putins Vorgehen in Syrien erinnert an den Tschetschenien-Krieg. Und Aleppo droht, ein zweites Grosny zu werden: Als in der russischen Teilrepublik Ende der Neunzigerjahre ein von Islamisten dominierter Aufstand losbrach, erklärte Putin pauschal alle Oppositionellen zu Terroristen. Seine Armee verhängte Kollektivstrafen gegen ganze Landstriche, machte Dörfer dem Erdboden gleich, unterschied nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten. Grosny war bei Kriegsende zu rund 80 Prozent zerstört.

Auch im Tschetschenien-Konflikt hatten Uno, EU und USA immer wieder gemahnt, dass es keine militärische Lösung geben könne. Doch nach jahrelangem Krieg und schweren Verlusten in den eigenen Reihen war es der russischen Armee gelungen, den Aufstand tatsächlich niederzuschlagen. Inzwischen herrscht in Tschetschenien Ramsan Kadyrow, ein rücksichtsloser, selbstherrlicher und islamistischer Despot von Putins Gnaden. Der brüstet sich nun sogar damit, dass tschetschenische Spezialkräfte dem Kreml in Syrien helfen: Im Staatsfernsehen sagte Kadyrow, er habe einige seiner besten Männer ins Bürgerkriegsland geschickt, die Angriffsziele für russische Bomber auskundschafteten.

Doch genauso wie in den Bergen des Kaukasus noch immer Dschihadisten aktiv sind, werden auch die syrischen Rebellen im Falle einer Niederlage nicht kampflos aufgeben. In Zukunft dürften sie noch mehr als bisher auf Guerilla-Angriffe und Selbstmordattentate setzen.

Der IS kann sich den Kampf um Aleppo gelassen anschauen

Neben dem Assad-Regime ist die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) der große Gewinner der russischen Intervention. Die Zahl der syrischen Aufständischen, die sich vom Westen verraten und im Stich gelassen fühlen, dürfte nämlich weiter steigen. Die im August von den USA und der Türkei ins Spiel gebrachte Einrichtung einer sicheren Schutzzone innerhalb Syriens ist weiter nicht in Sicht. Der Westen hat zugelassen, dass das Regime die Genfer Verhandlungen torpediert und gleichzeitig seinen Kampf gegen die Rebellen verschärft.

Der IS kann sich diese Entwicklung von seinen Hochburgen im Osten Syriens aus ganz gelassen anschauen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Die DSL-Alternative mit LTE50, pausieren jederzeit möglich
den congstar Homespot 100 entdecken
Gerry Weberbonprix.deOTTOUlla PopkenHappy SizeLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe