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Anne Will zu Syrien: Viele Meinungen, aber gestorben wird woanders

Anne-Will-Talk zur Syrien-Krise  

"Das nennt man politische Kunst"

15.02.2016, 14:44 Uhr | Von David Heisig, t-online.de

Anne Will zu Syrien: Viele Meinungen, aber gestorben wird woanders. Gabriele Krone Schmalz zu Gast bei Anne Will. (Quelle: imago/Jürgen Heinrich)

Gabriele Krone Schmalz zu Gast bei Anne Will. (Quelle: imago/Jürgen Heinrich)

Deckel auf, Heißwasser drauf, fertig. Nach den aktuellen Beschlüssen in München weiß man: So einfach wie bei einer Tütensuppe ist die Zubereitung der Syrien-Lösung nicht. Auch die aktuelle Talkrunde von Anne Will erkennt einen immer dicker werdenden Brei, zu viele Köche und mit Wladimir Putin einen schwierigen Küchenchef.

Der Präsident des europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), beschreibt bei Will die Stimmung auf der Münchner Sicherheitskonferenz als angespannt. "Man muss einer Kriegspartei nicht dankbar sein, dass sie Kriegspartei ist", erwidert er Wills Frage, ob man Russlands militärisches Handeln goutieren müsse. Allerdings fülle Putin eine Lücke, die durch eine fehlende Strategie der USA und der Europäer entstanden sei. Die Situation in Syrien sei daher "moralisch extrem schwer".

Auch Gabriele Krone-Schmalz, ehemalige Korrespondentin der ARD in Moskau, sieht es ähnlich. "Dankbar" sei nicht die richtige Frage. Es gehe vielmehr darum, langfristig einen "Interessenausgleich auf möglichst zivile Weise" zu erreichen. "Das nennt man politische Kunst", sagt sie.

Keine Freundschaft unter Kolleginnen

Aber selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel habe das Vorgehen Putins verurteilt, betont Will. Ob diese moralisiere, fragt die Moderatorin Krone-Schmalz. "Was wollen sie mit dieser Antwort", ist die Gefragte sichtlich verdutzt. Da liegt Konkurrenz um Fragekompetenz in der Luft. Worauf Will abziele wisse sie ja, so Krone-Schmalz. "Zoff" in der Sendung sorge für höheren Unterhaltungswert.

Dabei gehe es doch vielmehr darum, dass die Gedankengänge der Talkgäste Basis für die Meinungsbildung der Zuschauer sei. "Okay, machen wir das", muss Will ihr zugestehen. Eine Antwort auf die Merkel-Frage bekommt sie nicht.

Der nüchterne Stratege

Einer, der die Lage der Stadt Aleppo - angesichts des Leids der Menschen vor Ort fast zynisch - rein strategisch nüchtern sieht, ist Harald Kujat, General a.D. und ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr. Ob Russlands Bomben "was Gutes für die Menschen" vor Ort seien, fragt Will ihn provokant. Sie spielt auf seine Aussage in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse an. Er weist das empört zurück. Er habe betonen wollen, dass Russland "den Friedensprozess ermöglicht habe".

Dafür erntet er von seinem Sitznachbarn, dem Kriegsberichterstatter Kurt Pelda nur Kopfschütteln. Vehement "nein" kann der nur auf die gleiche Frage an ihn antworten. Was Kujat erzähle sei "Märchenstunde". Der hatte gesagt, Russland verfolge strategische Interessen, wolle den sogenannten Islamischen Saat (IS) von der Versorgung abschneiden. Russland tue nichts dergleichen, so Pelda. Vielmehr versuche man, die Stellung von Präsident Baschar al-Assad zu festigen, indem man die Opposition in Aleppo bombardiere. "Wir dummen Europäer" wunderten uns dann, wenn der Flüchtlingsstrom nicht abreiße.

Ein erschütterndes Bild

Ähnlich sieht es Marwan Khoury. Er organisiert Hilfslieferungen nach Syrien. "Mein Land, meine Leute und die Kinder bei uns sterben durch die Invasion", erzählt er. Es fielen trotz der Münchner Beschlüsse in den letzten 48 Stunden nicht weniger Bomben. Sein Appell daher: Die Hilfslieferungen müssten unbedingt durchdringen. Auch er sieht in Putin und "dem Massenmörder Assad" die größten Hindernisse für eine dauerhafte Lösung des Konflikts. Nicht der IS, sondern die gemäßigte Opposition werde bekämpft.

Khoury und Pelda stehen in der Runde recht alleine da. Die humanitäre Katastrophe wird auch von den anderen gegeißelt. Allerdings könne eine diplomatische Lösung nicht ohne Putin erreicht werden. Man müsse die Konfliktparteien an einen Tisch bringen, so Schulz. Allerdings sei Russland als Mitglied des UN-Sicherheitsrates verpflichtet, dass aktuell Hilfe vor Ort ankomme.

Und sonst noch?

Für Will ist die Sendung ein Selbstläufer. Charmant kann die Moderatorin. Die Gäste werden nur selten laut. Schulmeistern ist also nicht vonnöten. Mehr das Impulsgeben. Inhaltlich läuft ohnehin alles auf der Achse Krone-Schmalz, Kujat, Schulz. Die bügelt auch die Störfeuer von Pelda weg. Wenn der zum Beispiel meint, man müsse Putin jetzt Einhalt gebieten. Ansonsten müsse man ihn in ein paar Jahren in Osteuropa stoppen. "Vorsicht", warnt Krone-schmalz. Auch Schulz betont, das "Feinbild Russland" sei Blödsinn. Auch wenn ihm persönlich Putin nicht sympathisch sei.

Will kann zum Ende nochmal das Emotionale bedienen, als sie "große Verzweiflung bei Herrn Khoury" ausmacht. Diese Erkenntnis verdeutlicht die Crux dieser, wie vieler Talkrunden zum Thema: Meinungen gibt es viele. Gestorben wird woanders. Das macht traurig. Das macht wütend. Wie schön wäre es da, wenn die Syrien-Lösung so einfach wäre wie Tütensuppe-Kochen.

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