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Gauck warnt vor rechten Hetzern: "Leute, die ihr eigenes Süppchen kochen"

Gauck warnt vor rechten Hetzern  

"Leute, die ihr eigenes Süppchen kochen"

26.05.2016, 19:24 Uhr | t-online.de, dpa

Gauck warnt vor rechten Hetzern: "Leute, die ihr eigenes Süppchen kochen". Joachim Gauck beim 100. Deutschen Katholikentag. (Quelle: dpa)

Joachim Gauck beim 100. Deutschen Katholikentag. (Quelle: dpa)

Bundespräsident Joachim Gauck hat "eine neue Ängstlichkeit" in Deutschland beklagt. Angst vor dem Fremden sei zwar allen Gesellschaften irgendwo eigen, aber die Erfahrung zeige, dass sie oft unbegründet sei, sagte der Bundespräsident am Donnerstag beim Katholikentag in Leipzig.

Er nahm dort an einer Diskussionsrunde teil zur Frage: "In welcher Gesellschaft wollen wir leben?". 

"Angst kann sich legen", sagte Gauck. Leider werde sie zurzeit in Deutschland von Leuten ausgenutzt, die "ihr eigenes Süppchen kochen" und "Hysterie" verbreiten wollten.

Bereicherung durch ehemals Fremde 

"Ein wirklich sprechendes Beispiel dafür sind die Zusammenkünfte in Teilen von Sachsen", sagte Gauck mit Blick auf die Pegida-Demonstrationen. Dabei lebten in dem Bundesland bekanntermaßen nur sehr wenige Ausländer und Muslime. 

Dort wo bereits viele Moscheen stünden, etwa in Nordrhein-Westfalen und im Großraum Stuttgart, gebe es keine oder viel weniger Vorbehalte. Die Menschen dort lebten eben schon seit vielen Jahrzehnten mit ehemals Fremden zusammen und hätten diese als Bereicherung erfahren. 

Polen beziehen Barmherzigkeit noch nicht auf Fremde 

Das gleiche gelte für die Menschen in Polen: Auch die hätten mangelnde Erfahrung im Umgang mit Fremden. Daher komme auch die "Zurückhaltung" bei der Aufnahme von Flüchtlingen.

"Die Polen können unglaublich barmherzig sein, aber sie haben diese Fähigkeit noch nicht entdeckt, dass Barmherzigkeit nicht nur für die unseren gilt", erklärte Gauck. 

Deshalb hätten in Polen zurzeit die Politiker, die die alte nationale Identität beschwören würden, etwas bessere Karten als die europäisch gesinnten und eher liberalen Politiker. Gauck war von einem Besucher des Katholikentags gefragt worden, warum ausgerechnet das katholische Polen zurzeit einen Kurs der nationalen Abschottung fahre.

Sachsen sucht neues Image 

Derweil will sich Sachsen als Ausrichter der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit als modernes, gastfreundliches und innovatives Bundesland präsentieren. "Wir wollen an diesen Tagen von Sachsen aus neue Brücken in die Welt bauen", sagte Bundesrats- und Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) am Donnerstag bei der Vorstellung der Planungen für das Fest vom 1. bis zum 3. Oktober in der sächsischen Landeshauptstadt. 

Der Festakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gauck findet in der Semperoper statt, ein ökumenischer Gottesdienst in der Frauenkirche. 

Unterdessen ging während des Katholikentags der Zoff zwischen den Kirchen und der nicht nach Leipzig eingeladenen AfD weiter: Bayerns AfD-Landesvorsitzender Petr Bystron warf der katholischen und der evangelischen Kirche vor, über ihre Wohlfahrtsverbände "unter dem Deckmantel der Nächstenliebe" ein Milliardengeschäft mit der Flüchtlingskrise zu machen. Beide Kirchen reagierten empört. 

Der Katholikentag war am Mittwochabend eröffnet worden. Erstmals sendete ein Papst zum Katholikentag eine Videobotschaft auf Deutsch. Franziskus rief unter anderem zu Solidarität mit Alten, Kranken und Flüchtlingen sowie zu größerem Umweltbewusstsein auf. Bis zum Sonntag stehen in Leipzig rund 1000 Veranstaltungen auf dem Programm, darunter Gottesdienste, Diskussionsrunden, Workshops und Konzerte. 

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