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Irak: Soldaten entdecken Massengrab bei Falludscha

Ermordete Opfer des IS  

Soldaten entdecken Massengrab nahe Falludscha

06.06.2016, 08:38 Uhr | AFP

Irak: Soldaten entdecken Massengrab bei Falludscha . Irakische Sicherheitskräfte in der befreiten Stadt Saklawija: Dort wurde auch ein Massengrab entdeckt.  (Quelle: Reuters)

Irakische Sicherheitskräfte in der befreiten Stadt Saklawija: Dort wurde auch ein Massengrab entdeckt. (Quelle: Reuters)

In der Nähe der IS-Hochburg Falludscha haben irakische Sicherheitskräfte ein Massengrab mit schätzungsweise 400 Leichen entdeckt. Es handele sich offenbar um Opfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), sagte ein Polizeivertreter. 

Angehörige der irakischen Polizei, Armee und des Kampfbündnises Hasched al-Schaabi waren auf das Massengrab gestoßen, als sie in der Stadt Saklawija zehn Kilometer nordwestlich von Falludscha Minen räumten. Bei den etwa 400 Toten handele es sich vornehmlich um irakische Soldaten, es seien aber auch Zivilisten dabei. Die meisten Opfer seien erschossen worden.

Der IS habe "Ende 2014 und Anfang 2015 viele Mitglieder des Militärs ebenso wie Zivilisten in dieser Gegend hingerichtet", sagte der Polizist. Radscheh Barakat, Mitglied des Provinzrates von Anbar, sagte, in dem Massengrab seien auch die Leichen von Zivilisten gefunden worden, die der IS "wegen Spionage oder Missachtung der Regeln der Organisation" exekutiert habe.

Große Offensive der irakischen Armee 

Die irakische Armee hatte vor zwei Wochen eine Offensive gestartet, um die Stadt Falludscha zweieinhalb Jahre nach ihrer Besetzung durch den IS zurückzuerobern. Zunächst brachte sie Gebiete rund um die Stadt unter ihre Kontrolle, darunter am Samstag auch Saklawija. 

Bei der Offensive soll es Vergehen der regierungstreuen Truppen gegeben haben. Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi habe daher die Schaffung eines Menschenrechtskomitees angeordnet, das "jegliche Verletzung der Vorgaben für den Schutz von Zivilisten" untersuchen solle, wie Abadis Sprecher Saad al-Hadithi sagte. Für die Ahndung von Vergehen habe Abadi "strikte Befehle" erteilt. 

Verbrechen der Befreier gegen sunnitische Bevölkerung?

Politiker wie Parlamentspräsident Salim al-Dschuburi hatten sich besorgt über Berichte geäußert, wonach die an der Falludscha-Offensive beteiligten Sicherheitskräfte ihre Macht missbrauchten. Es gebe Hinweise, dass "Polizisten und einige Freiwillige" Verbrechen gegen Zivilisten begangen hätten. Auch der UN-Gesandte für den Irak, Jan Kubis, forderte die irakische Regierung auf, die Vorwürfe "sorgfältig zu untersuchen".

Falludscha ist eine sunnitische Stadt. Dem Kampfbündnis Hasched al-Schaabi gehören zwar auch sunnitische Stammeskämpfer an, es wird aber von schiitischen Milizen dominiert, die vom Nachbarland Iran unterstützt werden. Offiziell unterstehen sie Regierungschef Abadi, einige ihrer mächtigsten Gruppen werden allerdings direkt aus Teheran befehligt. Diesen Gruppen wird vorgeworfen, die Spaltung der irakischen Bevölkerung voranzutreiben.

IS erschießt flüchtende Zivilisten 

Abadis Sprecher ging auch auf die rund 50.000 Zivilisten ein, die immer noch in Falludscha eingeschlossen sein sollen. "Der Einsatz zur Befreiung von Falludscha könnte binnen Tagen abgeschlossen werden, aber bei uns kommt die Sicherheit der Zivilisten an erster Stelle", sagte Hadithi.

Der Norwegische Flüchtlingsrat (NRC), der in der Nähe von Falludscha mehrere Flüchtlingscamps betreibt, erklärte am Sonntag, der IS töte Zivilisten, die aus der Stadt fliehen wollten. Familien hätten geschildert, "dass Zivilisten, die den Euphrat überqueren wollen, um vor den Kämpfen zu fliehen" beschossen würden. "Unsere größten Sorgen haben sich nun auf tragische Weise bestätigt", erklärte der NRC-Chef im Irak, Nasr Muflahi.

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