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Überraschungs-Allianz formiert sich gegen IS: Teufel jagt Beelzebub

Teufel jagt Beelzebub  

Überraschungs-Allianz formiert sich gegen den IS

08.06.2016, 14:08 Uhr | ckr, t-online.de

Überraschungs-Allianz formiert sich gegen IS: Teufel jagt Beelzebub. Schwer unter Druck: Taliban-Kämpfer in Afghanistan (Quelle: dpa)

Schwer unter Druck: Taliban-Kämpfer in Afghanistan (Quelle: dpa)

Eines muss man dem Islamischen Staat (IS) lassen: Er bringt selbst Todfeinde an einen Tisch. Jetzt bahnt sich eine neue schillernde Allianz an: Zwischen den Taliban und dem Iran. Für den Westen könnte sie gefährlich werden. 

Schon seit einer Woche geht in der internationalen Sicherheits-Gemeinschaft das Gerücht um, der Taliban-Chef und Drogenhändler Mullah Mansur sei in diesem Jahr zu einem zweimonatigen Besuch im Iran gewesen – kurz bevor ihn am 21. Mai eine US-Drohne tötete.

Jetzt hat die iranische Nachrichtenseite "Jahan" den Besuch bestätigt – und die gemeinsamen Pläne der beiden radikalen Mächte. 

Das wäre außergewöhnlich: die radikal-sunnitischen afghanischen Taliban und das radikal-schiitische Regime des Iran sind eigentlich Gegner: 1998 war beinahe ein Krieg zwischen den beiden ausgebrochen, als Taliban-Kämpfer iranische Diplomaten in Nordafghanistan getötet hatten. 2001 leistete der Iran logistische Unterstützung beim US-Einmarsch ins Taliban-Reich.

Taliban vor laufenden Kameras geköpft  

Als Ziel des neuen Bündnisses nennt die nahöstliche Expertenseite "Al-Monitor": Eine strategische Partnerschaft gegen den gemeinsamen Feind IS sowie Absprachen gegen den Drogenschmuggel, der vor allem im Iran große Probleme schafft.

Das Bündnis ergibt Sinn: Der IS führt Krieg gegen alle Schiiten und die zu ihnen gehörenden Sekten. So bekämpfen sie in Syrien das Regime des Alawiten Baschar al-Assad. Den wiederum unterstützen unter anderem die iranischen Revolutionsgarden.

Die Taliban haben ihrerseits ein ganz eigenes Problem mit dem IS. Der hat nämlich seit 2014 eine eigene Filiale in Afghanistan. So sollen sich laut Pentagon an der pakistanischen Grenze zwischen 1000 und 3000 ehemalige Taliban dem IS angeschlossen und einzelne Orte erobert haben. Zahlreiche loyale Taliban-Kämpfer sind ihnen bereits zum Opfer gefallen – teils vor laufenden Kameras geköpft.

IS-Kämpfer in der afghanischen Provinz Nangarhar: 


Steinberg: "absolut legitim" 

Und der Kampf geht weiter. Auch Mansurs Nachfolger, der neue Taliban-Chef und brutale Hardliner Mullah Akhunzadah, dürfte daher das Bündnis fortführen.

Das Muster zieht sich durch die ganze islamische Welt: Wo immer Dschihadisten die Linie der örtlichen Großgruppen nicht mehr radikal oder "rein" genug ist, bilden sie einen Ableger des IS und beginnen, ihre früheren Mitkämpfer anzugreifen. Jetzt soll der Iran mithelfen zu verhindern, dass sich immer mehr Taliban-Gruppen dem IS anschließen. Wie das gehen soll, ist noch nicht bekannt.

Die IS-Kämpfer in Afghanistan, so amerikanische und nahöstliche Quellen, sind großteils keine Afghanen. Stattdessen sollen sich viele Ausländer, darunter Tschetschenen und chinesische Uiguren der Truppe angeschlossen haben. 

Die neue Allianz mit dem Iran hält auch der Berliner Terrorexperte Guido Steinberg von der "Stiftung Wissenschaft und Politik" für wahrscheinlich. Mehr noch: "Wenn es darum geht, den IS zu bekämpfen, halte ich das für absolut legitim", so Steinberg zu t-online.de. 

Bald wieder ein "Schurkenstaat"?

Allerdings beinhalte der Bund für den Iran ein Risiko: Nachdem er gerade erst wieder in den Kreis der diplomatisch gesellschaftsfähigen Länder aufgenommen wurde, könnte er nun gleich wieder auf der Liste der "Schurkenstaaten" landen. Rechte US-Kreise suchten bereits nach Anhaltspunkten dafür, so Steinberg.

Auch er ist unsicher, wie viel Schlechtes aus der Zusammenarbeit zwischen Taliban und Iran entstehen könnte. Hinter dem Deal stecke wohl kaum die Regierung von Präsident Hassan Rohani. Eher die militanten bis terroristischen Revolutionsgarden, so Steinberg. Die unterstehen nur dem Chef Rohanis: Revolutionsführer Ali Chamenei.

"Die Revolutionsgarden sehen sich immer im Krieg mit den USA - genau wie die Taliban", warnt Steinberg. Es könne durchaus sein, dass sich das Bündnis nicht nur gegen den IS, sondern in der einen oder anderen Weise auch gegen den Westen richte - mit anderen Worten eine Konstellation, die Sicherheitsexperten künftig beschäftigen dürfte.

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