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Hunderte Afrikaner sitzen auf der Flucht in Costa Rica fest

Niemandsland statt Gelobtes Land  

Hunderte Afrikaner stecken in Costa Rica fest

10.06.2016, 13:10 Uhr | Ernesto Ramírez, dpa

Hunderte Afrikaner sitzen auf der Flucht in Costa Rica fest. Afrikanische Flüchtlinge sind auf dem Weg in die USA, aber an der Grenze zwischen Panama und Costa Rica ist erstmal Schluss. (Quelle: dpa)

Afrikanische Flüchtlinge sind auf dem Weg in die USA, aber an der Grenze zwischen Panama und Costa Rica ist erstmal Schluss. (Quelle: dpa)

Sie sind weit weg von zu Hause und noch lange nicht am Ziel: Fast tausend Afrikaner, die ein besseres Leben in den USA suchen, harren im mittelamerikanischen Niemandsland aus. Keiner will sie haben, aber weiterreisen dürfen sie auch nicht.

In Paso Canoas, dem Grenzort zwischen Costa Rica und Panama, warten seit Mitte April Hunderte von ihnen darauf, weiterreisen zu dürfen. Nicaragua hat sie abgewiesen. Costa Rica wollte sie nach Panama abschieben, dort will man sie aber auch nicht haben. Hier stecken sie nun also fest. Die US-Grenze ist noch Tausende Kilometer entfernt.

Die Odyssee der Migranten ist nicht nur lang, sondern auch gefährlich. Wande Konte aus Mali erzählt von seinem Versuch, die Grenze nach Nicaragua zu überqueren: "Als ich dort ankam, haben mich Räuber mit Pistolen angegriffen. Sie haben mir das Geld geklaut, das Handy, die Papiere, alles. Ich habe jetzt nichts mehr." Dann verweigerten ihm die nicaraguanischen Beamten die Einreise. "Ich will es nur in die USA schaffen, sonst nichts."

Kubaner haben es geschafft

Ein Hoffnungsschimmer für die Migranten: Tausende Kubaner, die in derselben Lage steckten, haben es in den vergangenen Monaten in die USA geschafft. Sie konnten allerdings im Gegensatz zu den Afrikanern damit rechnen, von der Supermacht im Norden aufgenommen zu werden. Kubaner können auch bei illegaler Einreise in den USA politisches Asyl erhalten. Die Afrikaner können sich häufig nicht einmal ausweisen.

Die Regierung Costa Ricas sieht sich neben den Migranten als weiteres Opfer der Einwanderungspolitik der beiden Nachbarländer sowie der USA. "Das ist ein Problem, das uns vererbt wird, denn wir haben es nicht geschaffen", sagte Außenminister Manuel González Sanz im Mai. Er warnt, weitere 9000 Migranten aus Afrika und Asien seien aus dem Süden in Richtung Costa Rica unterwegs.

Anstatt die nur 140 Kilometer lange, aber gefährliche Überfahrt per Boot in die USA zu wagen, sind viele Kubaner Ende des vergangenen Jahres zunächst ins südamerikanische Ecuador geflogen. Dort brauchten Reisende aus dem sozialistischen Karibikstaat bis Ende November kein Visum. Nach dem Ende der Eiszeit zwischen Washington und Havanna befürchteten die Migranten offenbar, bald nicht mehr so einfach wie bisher eine Aufenthaltserlaubnis in den USA zu erhalten.

Nicaragua hat Grenzen geschlossen

Auf dem langen Landweg nach Norden blieben dann rund 8000 Kubaner in Costa Rica stecken, als Nicaragua Mitte November seine Grenzen schloss. Erst ab Januar wurden sie schließlich nach und nach über ein humanitäres Pilotprojekt nach El Salvador geflogen und reisten dann per Bus durch Guatemala und Mexiko in die USA weiter. Costa Rica hatte im Dezember beschlossen, Kubanern keine Einreisevisa mehr zu geben. Rund 4000 von ihnen saßen monatelang in Panama fest, bevor sie im Mai an die Grenze zwischen Mexiko und den USA ausgeflogen wurden.

Die afrikanischen Migranten haben eine noch längere Reise unternommen als die Kubaner. Meist waren sie zunächst per Schiff von Westafrika nach Brasilien gereist und hatten sich dann Richtung Norden auf den Weg gemacht. Als es in Costa Rica nicht mehr weiterging, hatten sie schon Tausende Kilometer in Süd- und Mittelamerika zurückgelegt.

"Ich glaube an die USA", sagt der Kongolese Wilson Camara. "Es ist ein Land, das denen hilft, die Hilfe brauchen. Ich glaube, dass wir gut empfangen werden, wenn wir ankommen."

Ausharren auf Messegelände

Mit Hilfe bei der Weiterreise können die Afrikaner, zu denen sich vereinzelt Haitianer und Brasilianer gesellt haben, nicht rechnen. In Paso Canoas schliefen sie zunächst auf Kartons auf der Straße. Anwohner gaben ihnen Essen oder ein bisschen Geld. Die Afrikaner wurden schließlich auf das Messegelände des Ortes gebracht. Dort gibt es immerhin Wasser und Toiletten.

"Kojoten" genannte Menschenschmuggler bieten in Paso Canoas für happige Summen Fahrten über die Grenze an. Das fliegt aber häufig auf. Costa Rica wollte die Migranten zunächst in Lagern unterbringen, gewährt ihnen jetzt aber Bewegungsfreiheit unter der Auflage, sich alle 15 Tage bei den Behörden zu melden - doch daran hält sich fast keiner. Seit einigen Wochen harren auch an der Grenze zu Nicaragua Hunderte Afrikaner im Freien aus. Einer von ihnen starb am 19. Mai an einer Lungenentzündung. Das Ziel USA wirkt ferner denn je.

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