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Fethullah Gülen: Wer ist der Erzfeind von Recep Tayyip Erdogan?

Erdogans Erzfeind  

Wer ist dieser Prediger Fethullah Gülen?

17.07.2016, 13:55 Uhr | dpa, AP, t-online.de

Fethullah Gülen: Wer ist der Erzfeind von Recep Tayyip Erdogan?. Fethullah Gülen: friedlicher Islam-Prediger oder gefährlicher Umstürzler? (Quelle: dpa)

Fethullah Gülen: friedlicher Islam-Prediger oder gefährlicher Umstürzler? (Quelle: dpa)

Für den Putschversuch in der Türkei soll der Prediger Fethullah Gülen verantwortlich sein. Das glaubt zumindest Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan - und Experten widersprechen ihm nicht. Doch wer ist dieser Gülen, und was tut seine Bewegung?

Der heute 75-Jährige machte sich ursprünglich als einflussreicher islamischer Prediger einen Namen. Bis in die 1980er Jahre hinein wirkte er als Imam in verschiedenen türkischen Städten. Mit seinen Predigten und Büchern begeisterte Gülen viele Gläubige, seine Bewegung Hizmet ("Dienst") legte einen ihrer Schwerpunkte auf die Verbesserung von Bildungschancen. Wirtschaftliche Macht gewann die Gülen-Bewegung mit eigenen Schulen, Bildungseinrichtungen, Wirtschafts- und Medienunternehmen.

Gülens Anhänger gründeten 1000 Schulen in mehr als 100 Ländern. In der Türkei entstanden Universitäten, Krankenhäuser und Wohltätigkeitseinrichtungen. Auch in Deutschland betreibt die Gülen-Bewegung Privatschulen.

2013 kam es dann zum Zerwürfnis mit Erdogan - die beiden gelten inzwischen als Erzfeinde. Kommt es in der Türkei zu innenpolitischen Krisen, vermutet Erdogan meist, dass Gülen dahintersteckt.

Der gesundheitlich angeschlagene Prediger lebt seit 1999 im US-Bundesstaat Pennsylvania, wohin er nach einer Anklage wegen staatsgefährdender Umtriebe ausgewandert war - also schon lange vor dem Zerwürfnis mit Erdogan.

Gülen will Erdogan angeblich stürzen

Erdogan wirft seinem einstigen Verbündeten vor, Parallelstrukturen im Staat errichten zu wollen und seinen Sturz zu betreiben. Die Regierung geht massiv gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger vor, die sie vor allem bei der Polizei und in der Justiz vermutet.

Nach einem Korruptionsskandal im engsten Umfeld von Erdogans Regierungspartei AKP, der Ende 2013 in der Festnahme mehrerer Ministersöhne gipfelte, wurden zahlreiche mit den Ermittlungen befasste ranghohe Polizisten des Amtes enthoben.

Für Aufsehen und Entrüstung weltweit sorgte, als die der Gülen-Bewegung nahestehende Redaktion der Tageszeitung "Zaman" im März von der Polizei gestürmt wurde. Die Zeitung - eine der auflagenstärksten des Landes - wurde unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt und auf den Kurs von Erdogans AKP gezwungen.

Türkei hält Gülen-Anhänger für Terroristen

Die Gülen-Bewegung wurde inzwischen zu einer Terrororganisation erklärt, viele ihrer führenden Köpfe stehen auf der Liste der meistgesuchten Terroristen der Türkei. 

Die Türkei fordert Gülens Auslieferung - laut US-Regierung liegt aber noch kein Auslieferungsbegehren vor. "Wir haben keine Bitte im Hinblick auf Herrn Gülen bekommen", sagte Außenminister John Kerry in Luxemburg. Sollte Ankara einen solchen Antrag stellen, werde man ihn prüfen. Allerdings müssten vor einer Überstellung etwaige Vergehen Gülens schlüssig nachgewiesen werden.

Der bisher offenbar schwerste Vorwurf in den USA: Gegen einige Gülen-Schulen hat das FBI wegen finanziellen Missmanagements und Visabetrugs ermittelt.

Bundesregierung zweifelt an Beteiligung der Gülen-Bewegung

Nach Informationen von "Spiegel Online" vermutet man in deutschen Geheimdienstkreisen, dass etwas anderes hinter dem Putschversuch steckt. Jedenfalls nicht Gülen.

Der Prediger habe kaum Kontakte in die türkische Armee, zudem setze er mit seinen Anhängern auf einen politischen und nicht auf einen gewaltsamen Wandel in der Türkei. Der Prediger selbst hat sich bereits am Freitagabend von dem Umsturzversuch distanziert. 

Die genauen Hintergründe des Aufruhrs sind für die deutschen Geheimdienste noch unklar. In Sicherheitskreisen hieß es, offensichtlich habe eine kleine Gruppe von Oberisten und Majoren aus den Landstreitkräften, die dem säkularen Kemalismus anhängen, den Putsch-Versuch gestartet, in der Hoffnung, der Rest des Militärs und die Bürger würden folgen. Als dies nicht eintraf, sei das Vorhaben schnell in sich zusammengebrochen.

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