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Belagerung von Aleppo: Verzweifelter Kampf um Sektor 1070

Belagerung von Aleppo  

Verzweifelter Kampf um Sektor 1070

02.08.2016, 14:29 Uhr | ckr, t-online.de

Belagerung von Aleppo: Verzweifelter Kampf um Sektor 1070. Südlich von Aleppo: Der Artillerist einer Dschihadisten-Miliz beschießt Stellungen des Regimes im Belagerungsring um die Stadt. (Quelle: AFP)

Südlich von Aleppo: Der Artillerist einer Dschihadisten-Miliz beschießt Stellungen des Regimes im Belagerungsring um die Stadt. (Quelle: AFP)

Seit zwei Wochen sind rund 300.000 Menschen im Osten Aleppos eingeschlossen. So lange ist es her, dass Regimetruppen den Castello-Korridor im Norden der Stadt erobert und abgeriegelt haben. Jetzt versucht die größte Islamisten-Fraktion unter den Rebellen, den Belagerungsring zu sprengen. 

Südlich der Stadt, im Bezirk Ramussa, wollen sie einen neuen Korridor freikämpfen. Doch der Kampf scheint auf Messers Schneide zu stehen. 

Federführend bei der Operation ist die islamistische "Dschaisch al-Fatah" - eine von zwei Rebellen-Koalitionen in Aleppo. Sie wird von islamistischen Hardlinern kontrolliert. Ihre mächtigstes Mitglied ist der frühere Al-Kaida-Ableger "Fatah al-Sham-Front" - bis vor kurzem noch als "Al-Nusra-Front" bekannt. 

So sah es bisher aus:  

 

Klar erkennbar auf der Karte: Der rote Belagerungsring aus Truppen des Regimes von Diktator Baschar al-Assad und ihren russischen, iranischen, irakischen und libanesischen Helfern. Grün dagegen ist das Rebellengebiet.

Blutiges Hin und Her 

Das Ziel der Aufständischen: Statt den Korridor im Norden zurückzuerobern, wollen sie von Süden her ein Loch in den Ring bohren, der sich um die Oststadt legt. In den vergangenen zwei Tagen sollen sie gut vorangekommen sein und sich von außen her an manchen Stellen bis auf 1,5 Kilometer an den belagerten Teil herangekämpft haben. 

In der Zwischenzeit hätten die Assad-Truppen sie jedoch teilweise wieder zurückgetrieben, heißt es bei verschiedenen Twitter-Quellen.

So ungefähr soll es derzeit aussehen (die Grafik zeigt den südwestlichen Teil des Belagerungsringes – in etwa den Teil, der in der oberen Grafik links unterhalb der Bildmitte liegt. Rot sind wiederum die Regimetruppen, grün die Rebellen):

Kampf um Gebäudeskelette 

Besonders heftig wird offenbar um den Sektor der "1070 Appartements" gekämpft (gekennzeichnet durch den roten Kasten). Dabei handelt es sich um ein Neubaugebiet mit Gebäudeskeletten. Könnten die Rebellen es erobern, so wären sie schon bis auf eineinhalb Kilometer an ihre eingeschlossenen Kameraden herangerückt. 

Südöstlich - oder auch rechts davon - steht die Ramussa-Artillerie-Basis. Auch sie soll heftig umkämpft sein, obwohl sie auf dieser Grafik noch rot eingezeichnet ist. Wie üblich widersprechen sich die Berichte – mit der Besonderheit, dass es diesmal sowohl Regime-Anhänger, als auch Getreue der Rebellen gibt, die auf Twitter von der Niederlage ihrer jeweils eigenen Seite auszugehen scheinen.

Fakt ist, dass dort heftig gekämpft wird. Russische Kampfjets unterstützen Assads Truppen, die großteils noch in anderen Stadtteilen gebunden sind. Das bremst die Rebellenoffensive zumindest. Seit Sonntag sollen auf den Schlachtfeldern von Ramussa rund 50 Rebellen und eine unbekannte Zahl an Regime-Soldaten gefallen sein. Bei den Angriffen der Rebellen seien zudem fast 30 Zivilisten getötet worden. 

Der folgende Tweet soll eine Kampfszene im Sektor 1070 zeigen. Gut zu sehen ist, wie nah sich die Gegner sind: Rot umrandet ein Aufständischer, schwarz umrandet im Hintergrund ein Soldat des Regimes: 


Verlieren die Rebellen den Kampf, sehen die Aussichten für die Belagerten düster aus: Nur vereinzelt können sie aus Aleppo fliehen. Rund 400 Menschen sollen es am Montag auf humanitären Korridoren herausgeschafft haben. Die Masse jedoch ist eingeschlossen und ständigen Luftangriffen ausgesetzt. Darüber hinaus sind die meisten Krankenhäuser zerstört, zu essen soll es nur noch Reis und Hülsenfrüchte geben.

Radikale innerhalb der Rebellenarmee auf dem Vormarsch 

Innerhalb des Belagerungsrings sind die Menschen derweil dazu übergegangen, entlang der Hauptstraßen Reifen anzuzünden. Der aufsteigende Qualm soll den Jetpiloten, die alle Arten Bomben über der Stadt abwerfen, die Sicht nehmen.

Darüber hinaus zeichnet sich ab, was Pessimisten schon lange befürchtet haben: Angesichts fehlender Unterstützung für gemäßigte Rebellen, wird die radikale "Fatah al-Sham" immer stärker. Zwar hat sie sich - aus taktischen Gründen -  von Al-Kaida losgesagt. Ihre radikale Ideologie ist jedoch dieselbe geblieben. Und egal ob sie den Belagerungsring mit ihren Verbündeten aufsprengt oder die Stadt als Bastion der Rebellen untergeht: Die Radikalen dürften gestärkt aus der Sache hervorgehen. Friedensverhandlungen würden dann wohl vollständig illusorisch werden. 

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