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US-Medienbericht: IS in Europa stärker vernetzt als bislang angenommen

Ex-IS-Kämpfer packt aus  

So funktioniert das IS-Netzwerk in Europa

04.08.2016, 19:07 Uhr | AFP

US-Medienbericht: IS in Europa stärker vernetzt als bislang angenommen. IS-Kämpfer planen offenbar Anschläge in Deutschland, Frankreich und Großbritannien gleichzeitig, sagte ein Ex-Dschihadist der New York Times.  (Quelle: dpa)

IS-Kämpfer planen offenbar Anschläge in Deutschland, Frankreich und Großbritannien gleichzeitig, sagte ein Ex-Dschihadist der New York Times. (Quelle: dpa)

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist in Europa offenbar stärker vernetzt als angenommen. Das berichtet die "New York Times" und bezieht sich auf eigene Untersuchungen. Laut einem verurteilten Dschihadisten sollen sich zudem Hunderte Terroristen in Europa befinden.

Die US-Zeitung hat tausende Seiten von Dokumenten deutscher und anderer europäischer Sicherheitsbehörden überprüft und ein Interview mit dem in Bremen inhaftierten Ex-Dschihadisten Harry Sarfo geführt.

Demnach werden die IS-Auslandsmissionen von der Geheimdiensteinheit Emni unter Leitung des IS-Propagandachefs Abu Muhammad al-Adnani gesteuert.

Hunderte IS-Kämpfer zurückgeschickt

Sarfo berichtete in dem Interview, der IS habe "Hunderte" Kämpfer aus Europa dorthin zurückgeschickt. Ihm sei auch gesagt worden, dass es in Europa ein Netzwerk von Mittelsmännern gebe, das vor allem aus neu zum Islam konvertierten Anhängern bestehe.

Diese stellten die Verbindung zwischen Extremisten, die zu Anschlägen bereit seien, und anderen IS-Dschihadisten, die ihnen dafür Anweisungen geben könnten, her. Diese Instruktionen reichten vom Bau einer Bombenweste für Selbstmordattentate bis hin zur propagandistischen Ausschlachtung der IS-Anschläge.

Zwei Mittelsmänner organisieren Rückreisen nach Europa

Nach den Informationen der "New York Times" spielen bei den IS-Operationen in Europa zwei Männer mit den Decknamen Abu Souleymane und Abu Ahmad eine zentrale Rolle. Souleymane sei französischer Staatsbürger, Ahmad solle Syrer sein. Die beiden Männer, die als Stellvertreter von al-Adnani gelten, sollen dafür zuständig sein, die Attentäter auszuwählen und ihre Rückreisen nach Europa zu finanzieren.

Sarfo beschrieb, wie er nach seiner Ankunft in Syrien vom IS-Geheimdienst vernommen wurde. Ein maskierter Mann habe ihm gesagt, dass die Organisation zwar in Europa bereits gut installiert sei, aber noch Kämpfer in Deutschland und Großbritannien brauche. "Sie sagten: 'Würde es dir etwas ausmachen, nach Deutschland zurückzukehren, denn das ist das, was wir derzeit brauchen?'."

Gleichzeitige Anschläge in Deutschland, Frankreich und Großbritannien?

Ihm sei auch gesagt worden, dass der IS viele Angriffe gleichzeitig in Deutschland, Frankreich und Großbritannien ausführen wolle. Sarfo weigerte sich nach eigener Schilderung jedoch, nach Deutschland zurückzukehren, und wurde stattdessen in einer Spezialeinheit des IS ausgebildet, die ebenfalls al-Adnani unterstehe.

Der Häftling berichtete auch, wie das Propagandavideo zustande kam, durch das er bekannt wurde. Sarfo schwenkt darin die schwarze Fahne des IS, und syrische Gefangene werden von deutschen Dschihadisten erschossen. Einer der an der Exekution beteiligten Männer habe sich ihm zugewandt und gefragt: "Wie habe ich ausgesehen? Habe ich gut ausgehen, so wie ich die Hinrichtung gemacht habe?".

Sarfo sagte, er habe am IS während seines Kampftrainings zu zweifeln begonnen, als er gesehen habe, wie brutal mit Männern umgegangen worden sei, die nicht mithalten konnten. Er ergriff schließlich die Flucht und wurde bei seiner Rückkehr nach Bremen im Juli vergangenen Jahres am Flughafen mitgenommen. Er büßt derzeit eine dreijährige Haftstrafe ab.

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