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Türkei-Russland: Deutscher Politiker warnt Präsident Erdogan

Deutscher Abgeordneter warnt  

"Erdogan soll aufpassen, dass er sich nicht verzockt"

09.08.2016, 15:24 Uhr | ckr, t-online.de

Türkei-Russland: Deutscher Politiker warnt Präsident Erdogan. Recep Tayyip Erdogan nach dem Treffen mit Wladimir Putin. (Quelle: AP/dpa)

Recep Tayyip Erdogan nach dem Treffen mit Wladimir Putin. (Quelle: AP/dpa)

Der Bundestagsabgeordnete Karl A. Lamers (CDU) ist ein Urgestein deutscher Nato-Politiker. Das Treffen von Russlands Präsident Wladimir Putin mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan beobachtet der Sicherheitsexperte aufmerksam - und schickt eine deutliche Warnung Richtung Ankara.

Herr Lamers, was geht einem deutschen Transatlantiker wie Ihnen durch den Kopf, wenn er sieht, wie die neuen Freunde Putin und Erdogan sich in den Armen liegen?

Ich bin da relativ gelassen und trotzdem voller Skepsis. Man muss genau schauen, was da abläuft. Wenn zwei Autokraten, die nicht gerade im Verdacht stehen, den nächsten Preis für Menschenrechte zu bekommen, sich treffen und in einer Zeit großer Krisen und Bedrängnisse miteinander sprechen, dann muss man schauen, was beide damit verfolgen. Wenn Erdogan glaubt, er könne die Nato damit unter Druck setzen, dann, glaube ich, liegt er falsch.

Welchen Rat würde Sie ihm mit auf den Weg geben?

Er soll aufpassen, dass er sich nicht verzockt und verhebt. Ich denke an Zeiten, in denen wir Patriot-Raketen in die Türkei geschickt haben, um die Türkei zu schützen. Sie ist Nato-Partner und braucht das Bündnis auch zum eigenen Schutz, für ihre eigene Sicherheit. Die kann Putin ihr sicher nicht geben. Erdogan sollte sehr darauf achten, da nicht zu überdrehen.

Sowohl Putin als auch Erdogan empfinden Angela Merkel als Intimfeindin. Wird es bei dem Treffen heute auch darum gehen, wie man sie kaltstellen kann?

Sie sind zumindest nicht ihre Freunde. Kaltstellen kann man die Bundeskanzlerin und Europa sicher nicht. Es wird darum gehen, dass man uns eigenartige Drohsignale schickt. Aber das wird uns nicht beeindrucken, weil wir uns nicht bedrohen lassen. Das muss Putin wissen. Er hat sich schon über die Einigkeit des Westens nach der Annexion der Krim überrascht gezeigt, wie auch im Zusammenhang mit seinem unsäglichen Krieg im Ostteil der Ukraine. Auch beide zusammen werden nicht schaffen, was einer allein nicht hinbekommt.

Stichwort Scheinangriffe in der Ostsee, aggressive Militärmanöver, hybride Kriegführung, Hetze in den Medien: Ist die neue Allianz ein Sicherheitsrisiko für Europa und insbesondere für Deutschland?

Ich glaube nicht, dass das eine neue Allianz ist. Das ist ein Ad-hoc-Bündnis, um den Westen zu beeindrucken. Ich bin überzeugt, dass das auch über kurz oder lang wieder zerbricht. Wenn man sieht, dass der türkische Pilot, der am 24. November vergangenen Jahres ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen hat, bislang ein Held war und jetzt ein Verräter ist (Anm.: Der Pilot ist mittlerweile als "Verschwörer" in Haft), dann zeugt das auch von einer gewissen Verwirrung bei Herrn Erdogan, dem es offensichtlich nicht auf Glaubwürdigkeit ankommt.

 (Quelle: imago/CTK-Photo) (Quelle: imago/CTK-Photo)
Karl A. Lamers (CDU): Als führendes Mitglied im Verteidigungsausschuss und langjähriger Vorsitzender der Parlamentarischen Versammlung der Nato, hat Lamers ein besonderes Auge für verdeckte und offene Angriffe gegen den Westen.

Erdogan wird nach dem Putsch nicht müde, die USA anzugreifen, die Nato, die EU, den ganzen Westen. Was will er? Spielt er mit dem Austritt aus der Nato?

Er will sicher nicht raus aus der Nato, denn das wäre ein riesiges Sicherheitsproblem für die Türkei. Erdogan weiß das. Er will uns - die Nato und die EU - einfach beeindrucken, uns drohen und uns vielleicht auch ein bisschen erpressen. Aber eigentlich hat er zum Westen keine Alternative. Russland kann den Schutz der Türkei durch die Nato nicht ersetzen. Dieses Russland, das wirtschaftlich äußerst schwach ist und riesige Probleme hat, kann auch wirtschaftlich nicht die Europäische Union ersetzen. Natürlich sind wir daran interessiert, mit der Türkei zusammenzuarbeiten. Die Türkei braucht ihrerseits Europa, dessen Markt und wirtschaftliches Know-how. Da soll man sich nichts vormachen. Auch wenn sich die beiden miteinander treffen: Diplomatie heißt ja, miteinander zu reden. Wenn sie das tun, um internationale Konflikte wie Syrien oder Nagorny-Karabach zu lösen, dann sei‘s mir recht. Aber alles andere wird verpuffen, weil wir uns nicht bedrohen und erpressen lassen. Der Westen ist stark und auch einig.

Putin würde ja Erdogan, den die EU nicht dabei haben will, gerne in sein Gegenstück, die "Eurasische Union", ziehen. Wird Erdogan da mitmachen?

Die "Eurasische Union" ist für mich eine Totgeburt – zumindest, seit es nicht gelungen ist, die Ukraine, die sich westlich orientieren will, da hineinzuziehen. Die "Eurasische Union" hat keine Zukunft. Die Türkei hat in meinen Augen nur dann gute wirtschaftliche Perspektiven, wenn sie mit Europa zusammenarbeitet. Das tut sie umso besser, je mehr sie zu rechtsstaatlichen Grundsätzen zurückkehrt.

Die Fragen stellte Christian Kreutzer

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