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"Maybrit Illner": Emotionale Bilder und Verschwörungstheorien

"Maybrit Illner" zu Syrien  

Emotionale Bilder und Verschwörungstheorien

16.09.2016, 12:18 Uhr | von David Heisig, t-online.de

"Maybrit Illner": Emotionale Bilder und Verschwörungstheorien. Sahra Wagenknecht von der Linken mischte die Runde bei Maybrit Illner auf. (Quelle: imago images)

Sahra Wagenknecht von der Linken mischte die Runde bei Maybrit Illner auf. (Quelle: imago images)

Die Waffen ruhen in Syrien. Bilder spielender Kinder in Aleppo machen Hoffnung auf ein wenig Frieden. Ob dieser realistisch sei: dieser Frage ging die Talkrunde bei "Maybrit Illner" nach.

Die Gäste

  • Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag
  • Elmar Brok (CDU), EU-Außenpolitiker
  • Hans-Lothar Domröse, General des Heeres der Bundeswehr a.D.
  • Ozan Ceyhun, deutsch-türkischer AKP-Politiker
  • Sylke Tempel, Politikwissenschaftlerin
  • Gerhard Trabert, Arzt und Sozialarbeiter

Das Thema

Ausgangspunkt war die nunmehr in Syrien geltende Waffenruhe. Mit ihr wird die Hoffnung auf ein Ende des Bürgerkriegs verbunden. Das sei eine "einmalige Chance für Frieden in der Region" prophezeite Domröse. Wie das gelingen könne, wollte die Runde ergründen.

Allein die Ausgangsthesen der Beteiligten machten schnell klar: So einig, wie in der Freude darüber, dass möglicherweise UNO-Hilfskonvois Lebensmittel und Medikamente nach Aleppo bringen können, war die Runde nur in wenigen Punkten.

Kern der Diskussion

Vor allem schieden sich die Geister an der Frage, wer Schuld am Bürgerkrieg in Syrien habe und in welchen Machtkonstellationen ein Wiederaufbau beginnen könne. Tempel betonte, "Moskau" habe "Fakten geschaffen", indem Präsident Wladimir Putin sich auf die Seite von Machthaber Baschar al-Assad schlug und die USA die Chance verpasst hätten, früher aktiv die Rebellen zu unterstützen. So habe man Assad wieder zu einer zentralen Figur gemacht. Wie man Frieden vermitteln könne, "wenn nicht mal klar ist, mit wem und wann", fragte Illner.

Brok versuchte die Machtkonstellationen auseinanderzudividieren. Die USA und Russland führten einen Stellvertreterkrieg. Wagenknecht dagegen machte die Golfstaaten als Verantwortliche aus, die "die islamistischen Mörderbanden, die dort den Krieg hauptsächlich führen" in Syrien unterstützten.

Aufreger des Abends

Ohnehin war es die Linken-Politikerin, die Schwung in die Bude brachte. Auf Ceyhuns Aussage, einziges Interesse der Türkei sei Frieden in Syrien konterte sie, dass Ankara den islamistischen Terror mit Waffen und Geld unterstützte, in Syrien Kurden bombardiere und Prozesse gegen Journalisten führe.

Ceyhun warf ein, die Türkei bekämpfe lediglich Terroristen und setze sich für Demokratie in Syrien ein. Das sah Wagenknecht anders, die dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan riet, vor der eigenen Haustür zu kehren. Zudem sei eine schnelle Ablösung Assads an den wirtschaftlichen Interessen des Westens gescheitert. Ihre Kritik begleitete Wagenknecht mit lautem Klimpern ihrer dicken, blauen Klunker im Ohr, die sie gegen das Mikro baumeln ließ. Was Brok offenbar so durcheinanderbrachte, dass er nur noch von "Verschwörungstheorien" stammeln konnte.

Illner-Moment

Illner bot gutes Talkhandwerk. Besonders in den emotionalen Momenten. Etwa in der Schalte zu Jürgen Todenhöfer nach Aleppo. "Schweigen die Waffen?", fragte sie den Journalisten. Als dieser berichtete, wie "müde und verzweifelt" die Menschen in Syrien seien, lief einem ein Schauer über den Rücken.

Er habe lange schon nicht mehr solche Zerstörungen gesehen. "Glauben die Menschen an die Wende?", fragte sie weiter. "Sie hoffen es", so Todenhöfer. Trabert, der als Arzt im syrisch-türkischen Grenzgebiet unterwegs war brachte die Crux der Situation auf den Punkt. Er sei erschüttert, "wie distanziert und abstrakt man diskutiert". Obwohl jeder die Bilder aus Aleppo kenne. Ein direkter Vorwurf an die Runde. Es müsse vielmehr darum gehen, wie den Menschen im Bürgerkrieg unmittelbar geholfen werden könne.

Tiefpunkte des Abends

Diese entwickelten sich aus der Rolle der Türkei. Tempel betonte, es handele sich um einen "schwierigen Partner". Jedenfalls komme Erdogan eine wichtige Rolle zu, weil "die EU es" in der Flüchtlingskrise "nicht hinbekommen hat". Trabert warf ein, die Türkei behandele Flüchtlinge schlecht. Einerseits habe man welche aufgenommen von denen man aber viele ihrem Schicksal überlasse. Andererseits werde an geschlossenen Grenzen auf Notleidende geschossen. 

Wagenknecht betonte, man spiele "ein mieses Spiel" mit den Kurden. Illner benannte Beweise für undemokratisches Vorgehen etwa gegen Journalisten. Dinge, die der AKP-Politiker Ceyhun nicht auf sich sitzen lassen wollte. Traberts Vorwürfe bezeichnete er als "Karl-May-Märchen". Mit "Sie brauchen keinen Türken hier" tat er Illners Vorwürfe ab. Es wolle ohnehin keiner hören, was die Türkei zu sagen habe. Das war unschön.

Tiefpunkte waren auch die Momente in denen Domröse trocken aus dem militärischen Nähkästchen plauderte, von "modern warfare" sprach und NATO-Kommandostrukturen erklärte. Das wirkte mit Blick auf zerbombte Krankenhäuser in Aleppo verstörend.

Was fehlte…

war Demut in der Runde. Was Todenhöfer und Trabert berichteten, hätte gut zum Innehalten getaugt. Zum Analysieren, wie aus der so wichtigen Hoffnung für die Menschen in Syrien eine Art Gewissheit werden kann. Stattdessen fiel die Runde nach dem gefühlt kurzen Verschnaufer schnell wieder in gegenseitige Schuldzuweisungen oder Verschnupftheit über die Meinung der anderen zurück.

Wenn Illner dann Domröse fragte, wie lange es nach seiner Einschätzung bis zu einem Frieden in Syrien dauerte und dieser "von Dekaden" sprach, vermochte das nicht zu verwundern. Wie zum Beweis hielt die Kamera in der Schlusseinstellung Traberts resignierten Blick für eine gefühlte Ewigkeit fest.

 

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