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USA und Russland: "Schlimmste Spannungen seit 43 Jahren"

Gefährliche Machtspiele  

USA und Russland: "Schlimmste Spannungen" seit 43 Jahren

15.10.2016, 10:45 Uhr | Christian Kreutzer mit Material von AP und dpa

USA und Russland: "Schlimmste Spannungen seit 43 Jahren". Nächtliches Inferno: Ein Mann läuft während eins Luftangriffs auf die Stadt Duma um sein Leben. (Quelle: Reuters)

Nächtliches Inferno: Ein Mann läuft während eins Luftangriffs auf die Stadt Duma um sein Leben. (Quelle: Reuters)

Zusammenarbeit, Abrüstung, Offenheit, gegenseitige Kontrollen - alles was nach dem Ende des Kalten Krieges zwischen den USA und Russland enstanden ist, scheint vorbei. Davor hat jetzt auch Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin in einem Inteview mit der US-Agentur AP gewarnt.

Sein Land erlebe mit den USA die schlimmsten Spannungen seit dem Jom-Kippur-Krieg 1973. Die allgemeine Lage sei zurzeit "ziemlich schlecht", so Tschurkin. Dennoch versuche man trotz ernsthafter Meinungsverschiedenheiten über Angelegenheiten wie dem Syrien-Konflikt bei anderen Themen zusammenzuarbeiten. Es mangele im Moment jedoch an "Respekt und tiefergehenden Diskussionen", fügte er hinzu.

Angriffe mit Tausenden Toten

Als Ägypten und Syrien 1973 am wichtigsten Tag des jüdischen Kalenders einen Überraschungsangriff auf Israel verübten, wurde der Nahe Osten ins völlige Chaos gestürzt. Die damalige Sowjetunion unterstützte die arabischen Staaten, die USA standen als engster Verbündeter auf Israels Seite.

Tschurkin zog damit offenbar einen Vergleich zum Syrien-Konflikt: Dort vereint Russland und die USA zwar der Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS). Ansonsten stehen die beiden Mächte jedoch auf entgegengesetzten Seiten des komplizierten Bürgerkrieges: Putin auf Seiten des Diktators Baschar al-Assad. Die USA auf Seiten der Opposition.

Amerika unterstützt in diesem Kampf vor allem kurdische und eher gemäßigte arabische Einheiten mit Waffen, Geld und Militärberatern. Russland dagegen bombardiert seit rund einem Jahr vor allem die Oppositionsgruppen der Freien Syrischen Armee - und seit einiger Zeit zunehmend auch deren zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser und Hilfskonvois. Tausende Menschen sind dabei gestorben.

Ablenkung vom wirtschaftlichen Niedergang

Schon seit Jahren baut sich der Konflikt zwischen Russland und dem Westen auf: Moskau fühlt sich vom Westen angeblich eingekreist, nachdem zahlreiche Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes auf eigenen Wunsch der Nato beigetreten sind. Damit hätten die USA und die Nato ihre Sicherheit "auf Kosten Russlands ausgebaut", so Tschurkin diplomatisch. Falken um Putin dagegen sehen sich bereits im Krieg mit dem Westen.

Fakt ist aber: Korruption, Stagnation und Vetternwirtschaft haben Russland in ein wirtschaftliches Chaos gestürzt, aus dem die Regierung von Präsident Wladimir Putin keinen Ausweg findet - oder finden will, wie manche sagen.

Um die Bevölkerung vom wirtschaftlichen Niedergang seines Landes abzulenken, setzt Putin auf eine rigorose Großmachtpolitik und hat unter anderem in den vergangenen zehn Jahren die russischen Nachbarländer Georgien und die Ukraine militärisch angegriffen und Teile annektiert - angeblich um russische Minderheiten zu schützen. Im Fall der Krim geschah dies mit russischen Soldaten ohne Hoheitszeichen.

Gleichzeitig probt Russlands Armee bei Manövern offen Angriffe auf Nato-Staaten wie Polen oder die baltischen Länder, fliegt Scheinangriffe über der Ostsee und unterstützt rechtsradikale europäische Parteien wie den Front National oder die AfD, um die EU politisch zu destabilisieren.

Das Ganze wird von massiven Desinformationskampagnen russicher Medien flankiert. Experten vermuten, dass Putin damit vor der eigenen Bevölkerung die Strahlkraft westlicher Freiheiten zunichte machen will. Westliche Militärexperten spreche bei all dem von hybrider (verdeckter) Kriegsführung.

USA wollen sich für Cyber-Angriffe revanchieren

Zuletzt wurden sogar Einmischungen in der US-Wahlkampf bekannt: Hacker, die das interne Netzwerk der US-Demokraten geknackt und kompromittierende Emails veröffentlicht hatten, saßen offenbar in Russland. Schon lange ist bekannt, dass Putin den republikanischen Skandal-Kandidaten Donald Trump unterstützt.

Die USA hatten sich in dem Konflikt mit Russland selbst bisher zurückgehalten. Damit soll jetzt Schluss sein: Nach den jüngsten Hackerangriffen auf politische Institutionen in den USA erwägt die US-Regierung angeblich, sich mit einer groß angelegten Cyber-Attacke auf Russland zu revanchieren.

Damit könnte der Führung in Moskau ein Denkzettel für die ihr vorgeworfene Manipulation des US-Wahlkampfs erteilt werden, berichtete der Sender NBC News unter Berufung auf mehrere Geheimdienstquellen. Der Auslandsgeheimdienst CIA sei beauftragt worden, dem Weißen Haus mehrere Optionen für heimliche Cyberattacken vorzulegen, die den Kreml empfindlich treffen und "bloßstellen" könnten.

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