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Vormarsch auf Mossul verlangsamt sich

Christliche Stadt doch nicht befreit?  

Vormarsch auf Mossul verlangsamt sich

19.10.2016, 16:38 Uhr | dpa, AFP

Vormarsch auf Mossul verlangsamt sich.  Irakische Militäreinheit vor Hamdaniyah, östlich von Mossul. (Quelle: dpa)

Irakische Militäreinheit vor Hamdaniyah, östlich von Mossul. (Quelle: dpa)

Der Sturm auf die letzte IS-Bastion im Irak, die Stadt Mossul, geht weiter. Nach schnellen Erfolgen am Anfang verlangsamt sich das Tempo des Vormarsches jetzt aber. Ein General verspricht trotzdem einen schnellen Sieg.

Zwei Tage nach dem Beginn der Großoffensive kommen die irakischen Sicherheitskräfte aktuell nur langsam voran. Einheiten des Militärs hätten den Ort Kani Harami rund 40 Kilometer südlich von Mossul eingenommen, sagte ein Offizier der Armee, der ungenannt bleiben wollte. Ein irakischer Militärkommandeur sagte dem kurdischen Sender Rudaw, seit dem Beginn der Militäroperation am Montag seien 18 Dörfer befreit worden.

Um die bereits für erobert erklärte Stadt Karakosch, in der früher vor allem von Christen wohnten, gab es aber offensichtlich wieder Kämpfe. Der Nachrichtensender Al-Dschasira meldete, das Militär sei wegen Scharfschützen zum Rückzug aus Karakosch gezwungen gewesen.

Kampf um Karakosch noch nicht vorbei

IS-Kämpfer hielten sich noch in der Stadt verschanzt. Mitglieder einer Anti-Terror-Einheit waren im Einsatz, um sie zu vertreiben. Derzeit werde ein Plan vorbereitet, um die Stadt komplett zu erobern und von Extremisten zu befreien, sagte der irakische Kommandeur Rijad Taufik. "Es gibt noch Widerstandsnester und Kämpfe, sie setzen Autobomben ein - aber das wird ihnen nicht helfen."

Karakosch war mit 50.000 Christen einst eine der größten christlichen Städte im Irak. Die IS-Extremisten hatten den Ort vor mehr als zwei Jahren eingenommen, nachdem sich kurdische Peschmerga von dort zurückgezogen hatten. Sie besetzten Kirchen, nahmen Kreuze ab und verbrannten heilige Schriften. Zehntausende Christen flohen damals vor den Extremisten.

Leben in Mossul eingeschränkt

Aus Mossul selbst berichteten Bewohner der Nachrichtenagentur AFP, dass etliche Straßen nachts gesperrt und tagsüber halbleer waren. "Die meisten Geschäfte sind zu", sagte Bewohner Abu Imad, "nur kleine Händler öffnen ein paar Stunden am Tag". Die Preise stiegen demnach seit Beginn der Offensive drastisch an, auf dem Schwarzmarkt schnellte der Wechselkurs der irakischen Währung in die Höhe.

Der Kommandeur der gemeinsamen Militäroperation, Generaloberst Talib Schaghati, rief die Einwohner Mossuls auf, in ihren Häusern zu bleiben, damit sie den Kämpfen nicht ausgesetzt seien. In der Stadt sollen noch rund 1,5 Millionen Menschen leben. 

Irakische Sicherheitskräfte und kurdische Peschmerga hatten am Montag eine seit langem erwarteten Offensive begonnen, mit der Mossul aus der Gewalt der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreit werden soll. Die Angreifer nahmen in den ersten Tagen der Operation nahe Mossul nach eigenen Angaben mehrere Dörfer ein. Sollte die Stadt befreit werden, wäre der IS im Irak militärisch weitgehend besiegt.

Hilfsorganisationen rechnen mit bis zu einer Million Flüchtlingen. Schaghati erklärte, Mossul werde in "Rekordzeit" erobert werden. Dem IS warf er vor, die Einwohner der Stadt als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Iran: keine militärische Beteiligung

Der Iran beteiligt sich nach offiziellen Angaben nicht militärisch an der Offensive. "Auf Wunsch der irakischen Regierung agieren wir in dem Land weiterhin nur als militärische Berater und sind daher in Mossul nicht direkt beteiligt", sagte der außenpolitische Berater des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei.

Vom Iran unterstützte schiitische Milizen hatten vor Beginn der Operation erklärt, sie würden sich an der Befreiung Mossuls beteiligen. Die Sunniten im Irak lehnen das jedoch ab, weil sie Racheakte und einen weiteren Machtzugewinn der Mehrheit der Schiiten befürchten. Mossul ist die größte sunnitische Stadt des Landes.

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