Sie sind hier: Home > Politik > Ausland > Krisen & Konflikte >

Assad steht vor größtem militärischen Erfolg - dank seiner Verbündeten

Krieg in Syrien  

Russland und Iran erobern Aleppo - für Assad

28.11.2016, 16:40 Uhr | von Christoph Sydow, Spiegel Online

Assad steht vor größtem militärischen Erfolg - dank seiner Verbündeten. Bereits vor drei Wochen haben syrische Soldaten den westlichen Teil des Minyan-Viertels in Aleppo eingenommen. Mittlerweile droht Aleppo komplett an die Regierungstruppen zurückzufallen (Archivfoto vom 11. November 2016). (Quelle: dpa)

Bereits vor drei Wochen haben syrische Soldaten den westlichen Teil des Minyan-Viertels in Aleppo eingenommen. Mittlerweile droht Aleppo komplett an die Regierungstruppen zurückzufallen (Archivfoto vom 11. November 2016). (Quelle: dpa)

Das Assad-Regime und seine Verbündeten stehen vor dem größten militärischen Erfolg seit Jahren: der vollständigen Eroberung von Aleppo. Den Preis dafür zahlt die Zivilbevölkerung.

Den Truppen von Diktator Baschar al-Assad ist ein Durchbruch gelungen - im wahrsten Sinne des Wortes. Von zwei Seiten haben syrische Regierungssoldaten im Verbund mit libanesischen und iranischen Milizionären eine Schneise durch den von Aufständischen kontrollierten Ostteil Aleppos geschlagen. Nur wenige Stunden später übernahmen die Einheiten des Regimes die Kontrolle über den gesamten Nordteil von Ost-Aleppo. Insgesamt haben die Aufständischen binnen weniger Tage mehr als ein Drittel des von ihnen beherrschten Gebiets in der Stadt verloren.

Das syrische Staatsfernsehen verbreitet Triumphbilder aus dem Kampfgebiet. Die eroberten Viertel scheinen auf den Aufnahmen der Assad-Medien menschenleer. Tausende Zivilisten sind in den vergangenen 48 Stunden aus dem Gebiet geflüchtet. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass 3200 Zivilisten in einem Auffanglager der syrischen Regierung eingetroffen seien.

Rund 10.000 Menschen flüchteten sich in das kurdische Viertel Scheich Maksud. Die dort herrschende YPG-Miliz ist zwar mit dem Assad-Regime verbündet, trotzdem hoffen die Flüchtlinge, dort vor dem Zugriff der Regierung vorerst sicher zu sein. Besonders Männer müssen fürchten, als Terroristen gebrandmarkt und verschleppt zu werden. Viele Syrer, die in den vergangen Jahren aus Rebellengebieten flüchteten und sich den Regierungstruppen stellten, sind seither verschwunden.

USA und EU lassen Putin freie Hand

Tausende Menschen flüchteten zudem in die von der Opposition gehaltenen südlichen Viertel von Ost-Aleppo. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Gebiete erobert werden: Die Rebellen dort sind seit Monaten vom Nachschub abgeschnitten, Nahrungsmittel gehen zur Neige, pausenlos fliegen die syrische und die russische Luftwaffe Angriffe auf das Gebiet. Die Uno schätzt, dass rund 8000 bewaffnete Aufständische in Ost-Aleppo ausharren, etwa 900 von ihnen gehören zur sogenannten Eroberungsfront Syriens, einer Terrorgruppe, die sich im Juli von al-Qaida losgesagt hatte. Insgesamt sollen sich noch rund 250.000 Menschen in Ost-Aleppo aufhalten.

Mit dem Fall der Stadt würden die Aufständischen ihre wichtigste Bastion in Syrien verlieren. Eine solche Niederlage käme zu einer Zeit, in der sich die geopolitische Lage ohnehin zu ihren Ungunsten verändert hat: Die USA und Europa haben Russland in Syrien freie Hand gelassen. Das Aushungern von einer Million Menschen in belagerten Städten, Luftangriffe auf Krankenhäuser und Schulen, der Einsatz von Giftgas - nichts davon hat für Wladimir Putin oder Baschar al-Assad Konsequenzen.

Die Rebellen kontrollieren nur noch ländliche Gebiete

In knapp acht Wochen wird zudem Donald Trump US-Präsident. Seine Äußerungen und die seiner wichtigsten Berater zum Syrienkrieg sind höchst widersprüchlich, allerdings haben sie erkennen lassen, dass sie Assad eher als Partner denn als Feind sehen. Für die syrische Opposition sind das keine guten Aussichten.

Das Regime beherrscht damit wohl künftig wieder die fünf größten Städte des Landes: Damaskus, Hama, Homs, Latakia und Aleppo. Wichtigste Bastion der Opposition ist künftig die Provinz Idlib. Das Gebiet im Nordosten Syriens wird fast vollständig von einem islamistischen Rebellenbündnis kontrolliert. Dessen wichtigste Unterstützer sind Saudi-Arabien und Katar. Mit Trumps Amtsantritt dürfte der Einfluss der Golfstaaten auf die Aufständischen in Syrien weiter wachsen, weil die Rebellen von den USA dann keine Unterstützung mehr erwarten können.

Russland und Iran halten Assad an der Macht

Fortan sind es vor allem ländliche Teile Syriens in der Peripherie, die von der Opposition beherrscht werden: Neben der Provinz Idlib etwa die Gebiete in der südsyrischen Provinz Dara und einige Vororte von Damaskus. Sobald Assad die vollständige Kontrolle über Aleppo zurückerlangt hat, kann der Diktator seine Truppen gegen die anderen Rebellengebiete einsetzen. Gegenüber den Aufständischen hat er zwei große Vorteile: Russische und syrische Luftwaffe können mit ihren Hubschraubern und Kampfjets aus der Luft angreifen. Und ihm steht ein schier unerschöpflicher Nachschub an schiitischen Söldnern aus dem Libanon, dem Irak und Iran zur Verfügung. Einen solchen Krieg können die Rebellen nicht gewinnen.

Diese massive militärische Unterstützung aus dem Ausland hält Assad an der Macht. Sie verhindert aber zugleich eine Lösung der politischen Ursachen des Konflikts. Weil ihn Russland und Iran bedingungslos unterstützen, ignoriert der Diktator die Forderung des Westens nach Waffenstillstandsverhandlungen.

Die Folge: Assad kann weiter über Syrien herrschen. Den Preis zahlt die Bevölkerung: Fast eine halbe Million Menschen sind seit 2011 getötet worden, zwölf Millionen sind innerhalb und außerhalb des Landes auf der Flucht. Solange der Diktator herrscht, werden sie nicht zurückkehren.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Letzte Chance auf Schnäppchen im Sale!
bei MADELEINE
Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal