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Farc-Vertrag: Der kolumbianische Frieden mit der Brechstange

Farc-Vertrag tritt in Kraft  

Der kolumbianische Frieden mit der Brechstange

01.12.2016, 06:50 Uhr | dpa

Farc-Vertrag: Der kolumbianische Frieden mit der Brechstange. Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos und Farc-Anführer Rodrigo Londono ("Timochenko") nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags. (Quelle: AP/dpa)

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos und Farc-Anführer Rodrigo Londono ("Timochenko") nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags. (Quelle: AP/dpa)

Ein Friedensnobelpreis für einen Frieden, den es gar nicht gibt - das hätte blöd ausgesehen. Jetzt aber steht fest: Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos, der zuletzt immer mit der weißen Friedenstaube am Revers auftrat, muss kommende Woche doch nicht mit leeren Händen nach Oslo fahren.

Die Handlung im Schnelldurchlauf: Friedensvertrag mit der linken Farc-Guerilla am 26. September unterzeichnet. Vom Volk am 2. Oktober im Referendum abgelehnt. Am 7. Oktober Anruf aus Oslo: Er bekommt den Friedensnobelpreis 2016. Danach neue Verhandlungen mit der Farc. Neuer Vertrag. Am 24. November noch einmal unterzeichnet. Dieses Mal lieber kein Referendum, der Kongress soll entscheiden. Dort wird dann am 30. November doch noch Geschichte geschrieben: Kolumbien beendet den ältesten und letzten großen Konflikt der westlichen Hemisphäre.

Zumindest teilweise. Denn es ist ein wenig ein Frieden auf Biegen und Brechen. Santos hatte schlicht keinen Plan B für den Fall, dass das Volk "No" sagt. Ähnlich wie beim Votum für einen Brexit in Großbritannien und der Wahlsieg von Donald Trump in den USA hatten alle Umfragen das Gegenteil vorhergesagt. Sein früherer Förderer, Amtsvorgänger Álvaro Uribe, ein konservativer Hardliner, der die Farc für den Mord an seinem Vater verantwortlich macht, mobilisierte einfach besser.

Ihm war vor allem ein Dorn im Auge, dass die meisten geständigen Guerilleros ihre Strafen entspannt im Arrest auf ländlichen Farmen verbringen dürfen. Immer wieder griff er Santos an, der unter ihm noch Verteidigungsminister war und die Farc bombardieren ließ. Aber Santos erkannte: Dieser asymmetrische Krieg gegen eine Guerilla, die sich im Dschungel verschanzt und mit dem Kokaingeschäft viel Geld verdient, ist militärisch nicht zu gewinnen.

Er nutzte das Momentum, denn die Guerilla war auch des Kämpfens überdrüssig. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass sie nun wenige Tage nach dem Tod ihres großen Vorbilds, Fidel Castro, dem Guerillakampf endgültig abschwören wird.

Ein gespaltenes Land

Zwar kam Santos Uribe entgegen, vor allem will er das Vermögen der Farc für die Entschädigung der Opfer heranziehen und der Arrest für Ex-Kämpfer soll strenger kontrolliert werden. Aber dass Uribes Partei, Centro Democrático, den Abstimmungen im Senat (Ergebnis: 75:0) und im Parlament (130:0) fernblieb, zeigt nach 220.000 Toten die Zerrissenheit, die Spaltung. Es ist ein Frieden mit der Brechstange, Santos muss nun zeigen, dass er auch wirklich hält. Aber seit Beginn der Verhandlungen gab es bereits kaum noch Tote und Anschläge.

Mit dem Inkrafttreten des Vertrags soll in Kürze auch unter Beteiligung von UN-Blauhelmen die Abgabe der Waffen der noch 5800 Kämpfer beginnen. Santos will, dass sich die Farc-Kämpfer in den "Übergabezonen" in ländlichen Gebieten noch vor Jahresende sammeln. Bis Mai 2017 "wird diese Guerilla aufhören zu existieren", verspricht er. Aber es gibt bisher keinen Frieden mit der kleineren ELN-Guerilla. Und es erstarken "Bacrims", kriminelle Banden, die frühere Paramilitärs und Guerilleros rekrutieren und über 30.000 Mitglieder haben sollen - so bleibt es noch ein steiniger Weg.

Experten rechnen mit Wirtschaftsaufschwung

Aber die Farc gelten als Schlüssel zum Frieden - und Ökonomen rechnen mit einem satten Wirtschaftswachstum, wenn viele Landstriche befriedet werden und nicht mehr Milliarden in den Konflikt investiert werden müssen. Kolumbien, dieses reich gesegnete Land könnte zum Tigerstaat Südamerikas werden - und Millionen Touristen anlocken.

Seit 1964 bekämpfte die Farc die Staatsmacht, damals entstanden im Zuge des Ost-West-Konflikts überall linke Guerillagruppen. Jetzt will die Farc die Waffen abgeben und in die Politik einsteigen. "In der Zukunft soll das Wort die einzige Waffe der Kolumbianer sein", sagte ihr Boss "Timochenko".

Doch nach der Pleite beim Referendum musste man erkennen, dass es nach all den Verbrechen ein weiter Weg bis zur Rehabilitierung sein wird. Und Santos bekommt nun seinen Nobelpreis. Aber bisher hat er den Frieden nur auf dem Papier.

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