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Türkei macht Gülen für Botschafter-Mord verantwortlich

Botschafter erschossen  

Türkei macht Gülen für Mord verantwortlich

21.12.2016, 08:29 Uhr | dpa

Türkei macht Gülen für Botschafter-Mord verantwortlich. Ist laut der Türkei Schuld am Mord des russischen Botschafters: Fethullah Gülen. (Quelle: Reuters)

Ist laut der Türkei Schuld am Mord des russischen Botschafters: Fethullah Gülen. (Quelle: Reuters)

Die türkische Regierung hat den Schuldigen für das Attentat auf den russischen Botschafter Andrej Karlow gefunden: Man wisse, dass die Gülen-Bewegung hinter dem Mord stecke, so der Außenminister. 

Mevlüt Cavusoglu habe seinem US-Amtskollegen John Kerry in einem Telefonat mitgeteilt, "dass Fetö hinter diesem Anschlag steckt", meldete Anadolu unter Berufung auf diplomatische Kreise in Ankara. Das wüssten sowohl die Türkei als auch Russland.

Fetö ist die amtliche türkische Bezeichnung für die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen, die in der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird. Die Regierung hält Gülen für den Drahtzieher des Putschversuches in der Türkei Mitte Juli und fordert von den USA dessen Auslieferung.

Sarg mit militärischen Ehren empfangen

Der russische Botschafter Andrej Karlow war am Montagabend in Ankara von einem türkischen Polizisten hinterrücks erschossen worden. Der 22-jährige Attentäter, dessen Namen das Innenministerium mit Mevlüt Mert Altintas angab, wurde von Spezialkräften getötet.

Regierungsnahe Medien hatten danach berichtet, die Ermittler untersuchten mögliche Verbindungen des Attentäters zur Gülen-Bewegung. Seit dem Putschversuch sind in der Türkei nach offiziellen Angaben mehr als 40.000 Verdächtige in Untersuchungshaft genommen worden, denen Gülen-Verbindungen vorgeworfen werden.

Der ermordete Botschafter wurde am Dienstag zurück in seine Heimat geflogen. Am Flughafen in Ankara verabschiedeten Vertreter der türkischen Regierung, Diplomaten und religiöse Würdenträger den toten Botschafter. Karlows Witwe nahm unter Tränen Abschied von ihrem ermordeten Ehemann.

Am Moskauer Flughafen Wnukowo empfingen am Abend der russische Außenminister Sergej Lawrow und Cavusoglu den Sonderflug aus Ankara. Soldaten salutierten am Sarg des toten Diplomaten.

Lückenlose Aufklärung angekündigt

Zugleich entsandte Russland 18 Ermittler in die türkische Hauptstadt. Die Experten von Geheimdienst, Polizei und Außenministerium sollen gemeinsam mit türkischen Kollegen den Mord an dem Diplomaten untersuchen und nach den Drahtziehern fahnden. Das sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Agenturangaben.

Cavusoglu kündigte eine lückenlose Aufklärung der Bluttat an. "Wir müssen herausfinden, was oder wer hinter diesem verräterischen, niederträchtigen Anschlag steckt. Und das werden wir gemeinsam schaffen", sagte er bei einem Treffen mit Lawrow in Moskau.

Die Hintermänner des Attentats wollten einen Keil zwischen Moskau und Ankara treiben, sagte Kremlsprecher Peskow. Dies werde aber nicht gelingen. "Der Mord kann die Bemühungen Russlands und der Türkei, eine Friedensregelung für Syrien zu finden, in keiner Weise stören."

Erdogan betont gute Beziehungen zu Russland

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte in Istanbul: "Wir werden niemals erlauben, dass unsere Beziehungen zu Russland zerstört oder geschädigt werden." Trotz des Anschlags verhandelten die Außen- und die Verteidigungsminister aus Russland, der Türkei und dem Iran in Moskau über den Syrien-Krieg.

Das russische Außenministerium warnte dennoch vor Reisen in das beliebte Urlaubsland Türkei. "Jeder sollte vor einer Türkeifahrt ernsthaft nachdenken, weil es dort fast täglich zu Terrorakten kommt", sagte Vizeaußenminister Oleg Syromolotow. Ähnlich äußerte sich der Chef des außenpolitischen Ausschusses im Föderationsrat, Konstantin Kossatschjow. Es gebe "eine Reihe kritischer Fragen" an Ankara.

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