Sie sind hier: Home > Politik > Ausland > Krisen & Konflikte >

Kämpfe in Syrien: "Flitterwochen von Türkei und IS sind vorbei"

Grausame Kämpfe  

"Die Flitterwochen von Türkei und IS sind vorbei"

23.12.2016, 18:55 Uhr | Von Christian Kreutzer, t-online.de

Kämpfe in Syrien: "Flitterwochen von Türkei und IS sind vorbei". Türkischer Luftangriff auf IS-Stellungen bei Al-Bab. (Quelle: dpa)

Türkischer Luftangriff auf IS-Stellungen bei Al-Bab. (Quelle: dpa)

Lange galten Türkei und Islamischer Staat (IS) zumindest als strategische Verbündete. Jetzt aber gehen sich die beiden vor der syrischen Stadt Al-Bab offen an die Kehle. Viele Dutzend Kämpfer und Zivilisten sollen tot sein. Und der IS veröffentlicht ein grausames Video mit der Ermordung türkischer Soldaten.

"Die Flitterwochen von Türkei und ISIS sind vorbei", twittert am Freitag der bekannte arabische Nahost-Analyst Elijah Magnier. Hatten Türken und IS-Truppen sich in Nordsyrien bislang eher umkreist, so sind sie jetzt in einen offenen blutigen Krieg verwickelt – und Opferzahlen steigen rasant.

IS erobert Stellungen zurück

Schlachtfeld ist die nordsyrische Stadt Al-Bab. Wochenlang lieferten sich von der Türkei unterstützte Rebellen einen Wettlauf mit der kurdisch-geführten YPG um die Eroberung der Stadt. Die wird bislang vom Islamischen Staat (IS) gehalten.

Seit wenigen Wochen nun stehen die Schützlinge der Türkei  im Rahmen der Operation "Schild des Euphrat" vor der Stadt. Ab Anfang Dezember grifffen türkische Panzertruppen, ausgerüstet mit dem deutschen Leopard 2, in die Kämpfe ein – und erlitten wohl mehrere böse Niederlagen mit vielen Toten.

Vor allem unter der Zivilbevölkerung: Am Donnerstag fielen mindestens 72 Zivilisten dem türkischen Bombardement der Stadt zum Opfer - darunter 21 Kinder. Laut Magnier und anderen Quellen starben seit Donnerstag aber auch 34 türkische Soldaten bei einer Gegenoffensive des IS.

16 von ihnen starben laut der türkischen Zeitung Hürriyet in Feuergefechten, weitere 18 fielen laut Magnier einem Selbstmordattentäter zum Opfer. Mehrere Positionen um die Stadt konnte der IS danach zurückerobern. Laut der türkischen Agentur "Anadolu" fielen in der gleichen Zeit 22 IS-Kämpfer.

Leopard-Panzer bringen Türken kein Kriegsglück

Als wäre diese Niederlage für Ankara nicht schon schlimm genug, haben die Truppen auch noch Pech mit den hochgelobten deutschen Leopard-Panzern: Mindestens drei davon wurden in den vergangenen Wochen mit amerikanischen und russischen Anti-Panzer-Raketen zerstört.

Angeblich aufgrund taktischer Fehler: Die Panzerkommandanten sollen so nah an die Frontlinie vorgerückt sein, dass IS-Kämpfer sie umgehen und von hinten angreifen konnten. Zwei weitere Leopard-Panzer erbeutete der IS am Donnerstag und stellte die Bilder auf Twitter: 

IS veröffentlicht grauenhaftes Schock-Video

Und auch die fast schon gewohnten Schock-Taktiken setzt der IS wieder ein, um dem Gegner Angst einzujagen: So veröffentlichte die IS-Nachrichtenagentur "Amaq" am Donnerstag ein Video, das zeigt, wie zwei türkische Soldaten an Ketten aus einem Käfig gezerrt und lebendig verbrannt werden. Die beiden waren im November gefangen genommen worden waren.

Laut Magnier ist die Schlacht bislang nur ein taktischer Vorstoß der Türkei: Die wolle die Kampfkraft und Widerstandsbereitschaft des IS testen. Den weiteren Niedergang der Terrorgruppe dürfte auch die jüngste Rückeroberung einiger Stellungen wohl nur herauszögern.

Endgültiges Ende einer Partnerschaft?

Die drastische Situation ist für beide Seiten relativ neu: In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder klare Indizien dafür gegeben, dass die Türkei den IS unterstützte und Kämpfer über die syrische Grenze schleuste. Erdogans Sohn Bilal soll zudem in umfangreiche Ölgeschäfte mit der Terrorgruppe verstrickt gewesen sein.

Erdogans Tochter  Sumeyye unterhielt nach Aussagen von Experten wie dem Mainzer Nahostfachmann Günther Meyer lange ein Krankenhaus für verwundete IS-Kämpfer nahe der syrischen Grenze.

Zudem bekämpfen beide die nordsyrischen Kurdenverbände: So verhinderte die Türkei vor zwei Jahren beim Sturm des IS auf Kobane aktiv, dass kurdische Kämpfer der Grenzstadt von der türkischen Seite aus zu Hilfe kommen konnten. Hätten die USA den Kurden nicht mit ihrer Luftwaffe geholfen, wäre die Stadt wohl erobert worden.

Selbst als türkische Truppen mit arabischen Rebellen Ende August über die Grenzstadt Dscharabulus in Nordsyrien einrückten, gab es längere Zeit keine direkten Kämpfe zwischen Türken und IS. Dieser "Honeymoon", wie Magnier es nennt, ist mit den jüngsten gegenseitigen Massakern, vor allem aber der Verbrennung der türkischen Soldaten, wohl für immer vorbei.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal