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Irak-Krieg

Kosten des Irak-Kriegs - eine erschütternde Bilanz  

6.000.000.000.000 Dollar

29.02.2008, 12:14 Uhr

Sehr teuer: US-Marines im Irak. Noch teurer sind deren Kameraden bei privaten Sicherheitsdiensten (Quelle: imago images)Sehr teuer: US-Marines im Irak. Noch teurer sind deren Kameraden bei privaten Sicherheitsdiensten (Quelle: imago images) 500 Milliarden US-Dollar: So hoch bezifferte die US-Regierung vor drei Jahren die Kosten für den Irak. Diese offizielle Verlautbarung weckte den Argwohn des Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz. Er begann nachzurechnen. Der ehemalige Berater von Präsident Bill Clinton präsentiert das Ergebnis seiner Recherchen nun gemeinsam mit Co-Autorin Linda Bilmes in dem Buch "The Three Trillion Dollar War", das im März in den USA und Großbritannien erscheinen wird und ab Mai auch in deutscher Übersetzung zu haben ist. Die britische Zeitung "The Guardian" berichtete vorab.

Zum Durchklicken Die Kriegskosten nach Joseph Stieglitz

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Geld genug für 15 Millionen Lehrer

Nach den Schätzungen von Stiglitz und Bilmes kostete der Irak-Krieg bisher allein die USA drei Billionen Dollar, den Rest der Welt - inklusive Kriegspartner Großbritannien - noch einmal so viel. Zusammen also sechs Billionen Dollar. Allein für eine dieser Billionen, so rechnen die Autoren vor, könnten in US-amerikanischen Schulen 15 Millionen Lehrer zusätzlich beschäftigt, die Gesundheitsversorgung von 530 Millionen Kindern sichergestellt oder Universitätsstipendien für 43 Millionen Studenten finanziert werden.

16 Milliarden Dollar pro Monat

Im März werden die US-Truppen fünf Jahre im Irak sein - länger als sie an jedem der beiden Weltkriege teilgenommen haben. An laufenden Kriegskosten für den Irak und Afghanistan zahlen die USA 16 Milliarden Dollar pro Monat - zusätzlich zu den 439 Milliarden Dollar im Verteidigungshaushalt.

Fatale Folgen für Afrika

Viele Menschen, so die beiden Autoren, gehen davon aus, dass der Irak-Krieg auch ein Krieg um die wichtige Ressource Erdöl ist. Groteskerweise sei aber gerade wegen des Konfliktes der Preis für das schwarze Gold in den vergangen fünf Jahren von 25 Dollar pro Barrel auf 100 Dollar gestiegen. Das habe den Vereinigten Staaten Mehrkosten von 25 Milliarden Dollar pro Jahr eingebracht - bis 2015 würden diese Zusatzkosten allein für Öl auf 1,6 Billionen anwachsen. Unter den steigenden Ölpreisen, so Stiglitz, leide zudem die ganze Weltwirtschaft. Besonders fatal seien die Folgen für Afrika, wo wegen der steigenden Ölpreise die Durchschnittseinkommen um drei Prozent gesunken seien.

Söldner klar bevorzugt

Bei ihren Berechnungen stellten die beiden Autoren auch fest, wie stark Söldner der zahlreich im Irak-Krieg eingesetzten Privatfirmen gegenüber regulären US-Soldaten bevorzugt werden: Rund 400.000 Dollar pro Jahr verdient eine Angestellter einer Sicherheitsfirma im Irak, Soldaten dagegen erhalten nur 40.000 Dollar. Alleine das Unternehmen Halliburton habe von der US-Regierung für seine Arbeit im Irak 19,3 Milliarden Dollar erhalten.

Soldaten müssen Ausrüstung ersetzen

Über diese Zahlen sind Stiglitz und Bilmes ebenso erstaunt wie etwa über die Tatsache, dass US-Soldaten im Gegensatz zu ihren zivilen Kameraden für ihre Ausrüstung selbst verantwortlich seien. Ein Beispiel: Ein Soldat erlitt bei einem Gefecht schwere Kopfverletzungen und verlor seine Ausrüstung. Dafür habe der Verwundete dann eine Rechnung bekommen: 12.000 Dollar sollte er aus eigener Tasche für die abhanden gekommene Ausrüstung zahlen.

Eine Billion Dollar Zinsen

Überdies führte Präsident George W. Bush nicht nur Krieg, sondern senkte gleichzeitig die Steuern. Die Folge: Zur Finanzierung des Krieges musste Bush Kredite aufnehmen, für die nach Stiglitz' Berechnungen einige hundert Milliarden Dollar Zinsen fällig werden. Diese könnten sich bis 2017 auf eine weitere Billion Dollar summieren. Und da die US-Amerikaner kaum sparen und sich ebenfalls jede Menge Geld pumpen, kommt das notwendige Kapital aus dem Ausland. "So finanziert China den Krieg der USA", stellt der Ökonom fest. Und er ergänzt: "Die Regierung wird in neun Monaten weg sein." Ausbaden müssten das künftige Regierungen und Generationen.

"Wird das Amerika stärker machen?"

Führten die USA den Irak-Krieg noch zwei weitere Jahre fort, würden weitere Kriegskosten in Höhe von einer halben Billion Dollar fällig, sagt Stiglitz. Und er fragt: "Wird das Amerika stärker machen? Wird das den Mittleren Osten sicherer machen?" Der Ökonom rät: Besser sei es, das Land so bald wie möglich zu verlassen und lieber mit einem Teil des Geldes dem Irak zu helfen, das Land wieder aufzubauen.


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