Sie sind hier: Home > Politik > Ausland > USA >

Rassismus in den USA: Welche Rolle spielt Obamas Hautfarbe?

Welche Rolle spielt die Hautfarbe?  

Obama und der "Bradley-Effekt"

08.06.2008, 18:59 Uhr | von Charlotte Raab, AFP

Obama sorgt für Begeisterung. Wird er auch gewählt? (Quelle: Reuters)Obama sorgt für Begeisterung. Wird er auch gewählt? (Quelle: Reuters) Knapp fünf Jahrzehnte nach dem offiziellen Ende der Rassentrennung stellen die Demokraten als erste große US-Partei mit Barack Obama einen Afroamerikaner als Kandidaten für die Präsidentschaft auf. Die Hautfarbe des Kandidaten ist Thema im Wahlkampf - und manche Demoskopen halten es für möglich, dass sie wegen latenter rassistischer Vorurteile bei manchen Wählern auch ein Nachteil für ihn sein könnte. Rassismus ist in den USA allerdings eine tabubehaftete Gesinnung, zu der sich kaum jemand offen bekennt. Das erschwert Parteistrategen die Prognose darüber, wie stark solche Vorbehalte gegen Obama tatsächlich sein könnten.

US-Vorwahlen Obama ist die Kandidatur sicher
"Ein neues Amerika" Erinnerung an Bobby Kennedy
Foto-Serie Obama setzt sich durch



Schwarze Hautfarbe könnte Nachteil sein

Der Rassismus-Experte Anthony Greenwald von der University of Washington hat umfangreiche demoskopische Daten aus den Vorwahlen der Demokraten untersucht: "Ich fürchte, die Schlussfolgerung daraus muss lauten, dass Obamas Hautfarbe im Wahlkampf eher ein Nachteil ist als ein Vorteil", resümiert der Psychologieprofessor Für seine Studie hat Greenwald Ergebnisse von Umfragen vor den Vorwahlen in einzelnen Bundesstaaten mit den tatsächlichen Wahlergebnissen dort abgeglichen. Sein Befund: In der Hälfte der untersuchten Staaten schnitt Obama deutlich schlechter gegen seine Konkurrentin Hillary Clinton ab als es die Aussagen der Umfrage-Teilnehmer erwarten ließen.

Amerika wählt
Animierte Grafik Ergebnisse der Vorwahlen

Angst ums Image bei Umfragen

Dieses Phänomen haben Demoskopen bei farbigen Kandidaten für politische Ämter in den USA so oft beobachtet, dass sie dafür einen eigenen Begriff prägten: "Bradley-Effekt". Namensgeber ist der frühere Bürgermeister von Los Angeles, Tom Bradley, der 1982 für das Amt des Gouverneurs von Kalifornien kandidierte und entgegen allen Umfragen, die ihm einen haushohen Vorsprung prognostiziert hatten, die Wahl verlor. Erst hinterher ermittelten die Experten den Grund: Viele Weiße hatten in der Umfrage angegeben, für Bradley stimmen zu wollen, weil sie vor den Demoskopen nicht als Rassisten dastehen wollten. In der Wahlkabine stimmten sie dann aber doch für den Gegner.

Buchtipp zur US-Wahl: Die "Spiegel"-Reporter Gerhard Spörl und Marc Hujer stellen Obama und McCain vor, analysieren die Themen des Wahlkampfs und gewähren einen Einblick in die Befindlichkeit der Nation. Das Buch "Die wiedervereinigten Staaten von Amerika" ist kurzweilig geschrieben und leicht verständlich.

Mehr als ein Viertel "Nicht-Weiße"

Es gibt also eine Kluft zwischen öffentlichem Bekenntnis und tatsächlichem Wahlverhalten. Doch längst nicht alle Experten erwarten das auch für Obama. "Die Annahme, dass der 'Bradley-Effekt' auf Obama zutrifft wie auf frühere Kandidaten, halte ich für unrichtig", sagt der Politikprofessor Tom Schaller von der University of Maryland. Zum einen seien die USA "weniger weiß als je zuvor". Erstmals würden Nicht-Weiße mehr als ein Viertel der Wähler stellen, sagt Schaller - zumeist Afroamerikaner oder Latinos. Zum anderen stimmten Wähler mit rassistischen Vorbehalten ohnehin eher für die Republikaner, egal wer der Kandidat der Demokraten ist. "Obama ist wählbar, ich glaube nicht, dass seine Hautfarbe ihn disqualifiziert", sagt Schaller.

Eklatanter Unterschied beim Wahlverhalten

Unbestritten ist, dass es bei Vorwahlen in einigen Staaten einen eklatanten Unterschied im Wahlverhalten zwischen schwarzen und weißen Wählern gab - vor allem in jenen industriell geprägten Bundesstaaten im Nordosten, wo viele Wähler zur weißen Arbeiterschicht gehören. In Ohio etwa stimmten nur 34 Prozent der Weißen für Obama, 64 Prozent für Clinton. "Hautfarbe spielt definitiv eine Rolle im Wahlverhalten der weiße Arbeiterklasse", sagt der Demoskop Clay Richards von der Universität Quinnipiac in New York. "Es gibt ältere weiße Wähler, die es nicht über sich bringen dürften, einen Schwarzen zum Präsidenten zu wählen."


Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal