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Stammzellenforschung: Obamas Kehrtwende in der Wissenschaftspolitik

Ethik, Geld und Wählerstimmen  

Obamas Kehrtwende in Sachen Stammzellen

09.03.2009, 17:05 Uhr | Von Peer Meinert und Barbara Munker, dpa

Forschung mit Stammzellen soll in Zukunft in den USA wieder ohne Beschränkungen erlaubt sein (Foto: dpa)Forschung mit Stammzellen soll in Zukunft in den USA wieder ohne Beschränkungen erlaubt sein (Foto: dpa)

Die Geschwindigkeit, mit der US-Präsident Barack Obama die Politik seines Vorgängers aus den Angeln hebt, ist atemberaubend. Guantánamo, Irak, Afghanistan - im Wochentakt fallen die politischen Grundpfeiler der Regierung von George W. Bush. Mit seiner Unterschrift wagt sich Obama nun daran, die langjährige Behinderung der embryonalen Stammzellenforschung aufzuheben. Doch wenige Themen sind ein derartiger Zankapfel in den USA. Es geht um Moral, christliche Ethik und die Grundfrage: Wo sind die Grenzen der Wissenschaft? Und es geht letztlich um viel Geld und Wählerstimmen.

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"Mittelalter liegt hinter uns"

"Jetzt liegt das Mittelalter endlich hinter uns", jubelt Robert Klein, Leiter des Stammzelleninstituts in Kalifornien. Wissenschaftler sehen Obamas Ja zur staatlichen Finanzierung embryonaler Stammzellenforschung so gut wie einhellig als Lichtblick. Die strikten Auflagen für die Verwendung dieser menschlichen Embryozellen hatten die staatliche Forschung in den USA beinahe zum Erliegen gebracht. Die Forschung fiel im internationalen Vergleich spürbar zurück. "Es gab eine repressive, ideologische Blockade für die Entwicklung medizinischer Forschung", klagt Klein.

Zukunftsindustrie gefährdet

Zwar hatte Bush nicht generell die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen verboten, private Forschung war weiterhin möglich. Sogar die Finanzierung solcher Projekte war erlaubt, die mit alten humanen Embryozellen arbeiteten, die aus Linien stammten, die bereits vor dem Stichtag 9. August 2001 existierten. Dennoch war der Bush-Erlass ein Schlag gegen die Forschung, hochkarätige Wissenschaftler wanderten ins Ausland ab - eine potenziell lukrative Zukunftsindustrie war gefährdet.

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Ideologie gegen Wissenschaft

Doch hinter Bushs striktem Nein stand auch kühle politische Berechnung. Schließlich war es die konservative religiöse Rechte, die ihm bei Wahlen den Rücken stärkte - eine restriktive Politik in Sachen Abtreibung, Sexualerziehung und embryonaler Stammzellenforschung war der Preis. Bushs Schritt führte zu einer Frontstellung Ideologie gegen Wissenschaft, meinen Kritiker - eine unheilvolle Kontroverse in einer modernen Wissenschaftsgesellschaft.

Es wird dauern und Geld kosten

"Obama beabsichtigt, die Wissenschaft vor der Politik zu schützen", titelte denn auch die "Washington Post". Der Grundgedanke: Es sei nicht Sache der Politik, die Forschung zu gängeln. Vielmehr solle sich die Wissenschaft selbst notwendige Vorgaben erlassen. Tatsächlich wird es noch Monate dauern, meinen Experten, bis die Obama-Wende konkrete Folgen zeigt: Zunächst müsse das National Institute of Health Leitlinien formulieren. Immerhin: Demnächst muss die Behörde 10,4 Milliarden Dollar - das sind mehr als acht Milliarden Euro - Forschungsgelder verteilen, die die Regierung Obama im Konjunkturprogramm vorgesehen hat.

Die Konservativen wettern

Doch die Hoffnungen, dass der erbitterte Streit beendet ist, sind gleich null. Während Befürworter der Forschung jubeln und geltend machen, jetzt könnte ein Durchbruch im Kampf gegen die Parkinson-Krankheit, Diabetes und andere Krankheiten erzielt werden, gibt sich die religiöse Rechte weiter unversöhnlich. Es handele sich um eine Zerstörung werdenden Lebens, weil Zellkerne aus menschlichen Embryos entnommen und diese Embryos später vernichtet werden. "Eine tödliche Verordnung des Präsidenten", wettert Tony Perkins, Präsident des strikt konservativen "Family Research Council": "Ein Schlag ins Gesicht aller Amerikaner, die an die Würde jedes menschlichen Lebens glauben."

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