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Wikileaks enthüllt CIA-Bericht zu gezielten Tötungen

Wissenschaft des Tötens  

Geheimer CIA-Bericht zu gezielten Tötungen veröffentlicht

19.12.2014, 12:52 Uhr | AFP, dpa, t-online.de

Wikileaks enthüllt CIA-Bericht zu gezielten Tötungen. US-Soldat im Nachteinsatz (Quelle: Reuters)

US-Soldat im Nachteinsatz: In einem geheimen Dokument beschreibt der CIA Methoden zur Terrorbekämpfung (Quelle: Reuters)

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat einen geheimen Bericht des US-Geheimdienstes CIA zur gezielten Tötung von feindlichen Kämpfern veröffentlicht. Im Kampf gegen die Aufständischen in Afghanistan und Pakistan habe die Taktik, zu der neben Drohnenangriffen auch die Gefangennahme oder Ermordung sogenannter "hochrangiger Zielpersonen" gehört, aber nur einen "geringen" Effekt gehabt, heißt es in der 18-seitigen Analyse.

"Die Taliban haben insgesamt eine große Fähigkeit, tote Anführer zu ersetzen", befanden die CIA-Experten. Auch die Führung des Islamistennetzwerks Al-Kaida im Irak sei durch die Einsätze nicht entscheidend geschwächt worden, weil sie dank ihrer flexiblen Kommandostruktur hochrangige Mitglieder schnell ersetzen könnten.

Hilfestellung für Politiker und Militärs

Der Bericht mit dem Titel "Best Practices in Counterinsurgency" (Beste Praktiken bei der Aufstandsbekämpfung) wurde im Juli 2009 im Auftrag des damaligen CIA-Direktors Leon Panetta erstellt, wenige Monate bevor US-Präsident Barack Obama im Kampf gegen die Taliban und Al-Kaida eine Aufstockung der US-Truppen in Afghanistan anordnete.

Nach Zahlen des Recherchenetzes Bureau of Investigative Journalism in London hat es zudem allein in Pakistan seit 2009 rund 350 Drohnenangriffe auf Taliban- und Al-Kaida-Kämpfer gegeben. Dabei seien zwischen 2400 und 3888 Menschen getötet worden, darunter bis zu 959 Zivilisten.

Der Untertitel des CIA-Berichtes lautet "Making High-Value Targeting Operations an Effective Counterinsurgency Tool" (Wie man Operationen mit hochwertiger Zielauswahl zu einem effektiven Mittel der Aufstandsbekämpfung macht).

Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" richtet sich das Dokument an hochrangige Politiker und Militärs sowie Strafverfolgungsbehörden und solle diese unterstützen, Bedrohungen für die Sicherheit der USA richtig einzuschätzen. "Targeting" stehe hier für dein geplanten Abschuss von führenden ("high value") Aufständischen.

Zitat aus der dem Papier vorangestellten Beschreibung: Das Dokument sei "für den internen Gebrauch, um die positiven und negativen Auswirkungen gezielter Tötungen auf diese Gruppen zu bewerten in Bezug auf die Stärke der Gruppe nach dem Angriff".

Erfolgsbeispiel Tötung Bin Ladens

So sei die Taktik bei der Bekämpfung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden erfolgreich gewesen, befanden die CIA-Experten. Dieser sei gezwungen worden, sich zu verstecken, die Kommunikation mit seinen Kämpfern stark einzuschränken und die Aufständischen von einem abgelegenen Rückzugsort aus zu führen. Auch bei der Bekämpfung der peruanischen Rebellenorganisation "Leuchtender Pfad" hätten die gezielten Angriffe auf die Führungsriege einen "entscheidenden" Beitrag geleistet.

In dem Bericht wird aber auch vor möglichen negativen Auswirkungen solcher Einsätze gewarnt. Die Angriffe könnten demnach die Solidarität der einheimischen Bevölkerung mit den Aufständischen erhöhen und die verbliebenen Kämpfer radikalisieren. Zudem könnten die Rebellen nach Ansicht der CIA-Experten gezwungen werden, ihre Strategie zu ändern, was ihnen letztlich zu Gute kommen könnte.

Gräueltaten kommen im Bericht nicht vor

Laut "SZ" handelt es sich um ein "Dokument des Grauens", das "seine besondere Brutalität in seinem um äußerste Sachlichkeit bemühten Stil" offenbare. Worte wie Töten, Umbringen, Auslöschen seien darin nicht explizit genannt. Stattdessen sei der Bericht in wissenschaftlichem Jargon verfasst, teils seien die Behauptungen mit Fußnoten und Literaturhinweisen versehen.

Unter Bezug auf interne Papiere des Geheimdienstes und Forschungsliteratur analysieren die Autoren der Untersuchung, als wie erfolgreich sich das "High-Value Targeting" (hier abgekürzt HVT) im Kampf etwa gegen IRA, Hamas oder Al-Kaida erwiesen hätte und geben Ratschläge für künftige Konflikte.

Um die Handhabung des Dokuments zu vereinfachen, sind die wichtigsten Handlungsanweisungen gleich zu Beginn des Papiers in Spiegelpunkten aufgelistet: Punkt 1: Erwünschtes Ergebnis benennen. Punkt 2: Entscheidungen treffen aufgrund des Wissens um interne Strukturen der Gruppe. Punkt 3: HVT-Operationen (s.o.) mit anderen Strategien der Aufstandsbekämpfung kombinieren, u.s.w.

Moralische Skrupel seien den Autoren des Berichtes fremd, urteilt die "SZ" und ergänzt: "Selbst so neumodische Überlegungen wie das Völkerrecht oder sei's ganz allgemein die Einhaltung der Menschenrechte haben in dieser Machbarkeitsstudie keinen Platz."

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