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Trump und Clinton nutzen Orlando-Attentat für ihre Propaganda

Politische Instrumentalisierung  

Trump und Clinton nutzen Attentat von Orlando für Propaganda

13.06.2016, 19:48 Uhr | dpa, AP

Trump und Clinton nutzen Orlando-Attentat für ihre Propaganda. Die Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton (l.) und Donald Trump nutzen das Attentat von Orlando aus. (Quelle: Reuters)

Die Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton (l.) und Donald Trump nutzen das Attentat von Orlando aus. (Quelle: Reuters)

Nur wenige Stunden nach dem  Massaker von Orlando mit mindestens 50 Toten ist die schreckliche Tat schon politisch instrumentalisiert worden. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump machte den Anfang. Die Demokratin Hillary Clinton zog nach.

Während die Ermittlungen zu den Motiven des Täters und einer möglichen Verbindung zur Terrormiliz IS noch laufen, forderte Trump US-Präsident Barack Obama zum Rücktritt auf, weil dieser in seiner Stellungnahme nicht die Worte "radikaler Islamismus" benutzte. Trump selbst geriet unter Beschuss, weil seine Äußerungen wie Besserwisserei gedeutet wurden und er zunächst kein Wort für die Hinterbliebenen übrig hatte.

Zudem forderte er auch Hillary Clinton auf, aus dem Rennen um das Weiße Haus auszusteigen, weil sie die Wörter "radikaler Islam" ebenfalls nicht verwendet habe.

Clinton fordert strengere Waffengesetze

Clinton verurteilte das Massaker in einem Nachtclub in Orlando als "Akt des Terrors". Die USA müssten künftig ihre Bemühungen um eine "Verteidigung des Landes vor Bedrohungen im In- und Ausland verdoppeln", mahnte Clinton. 

Die USA müssten mehr Maßnahmen ergreifen, um Waffen, wie sie bei der Schießerei von Orlando genutzt worden seien, "aus den Fängen von Terroristen und anderen gewalttätigen Kriminellen" fernzuhalten, forderte Clinton weiter.

Sanders: "schreckliches Hassverbrechen"

Ihr innerparteilicher Rivale Bernie Sanders sagte, die Amerikaner seien entsetzt über die Bluttat. Noch wisse man indes nicht, ob es sich um einen "Akt des Terrorismus, ein schreckliches Hassverbrechen gegen homosexuelle Menschen oder die Tat einer sehr kranken Person" handele.

Obama sprach von einem "Akt des Terrors und des Hasses" und der schlimmsten Bluttat eines Todesschützen in der US-Geschichte. Er ordnete Trauerbeflaggung an allen Bundesgebäuden in den USA an.

50 Menschen getötet

In der Nacht zum Sonntag hatte in Orlando (Florida) ein 29-jähriger Mann in einem Schwulenclub 50 Menschen getötet und 53 weitere teils schwer verletzt. Erst Stunden nach den ersten Schüssen stürmten Polizisten den Club und erschossen den Attentäter. 

Die Bundespolizei FBI erklärte, der von den Ermittlern als Omar Mateen identifizierte Mann habe sich in einem Anruf bei der Polizei im unmittelbaren Zusammenhang mit der Bluttat zum Islamischen Staat (IS) bekannt. Zudem behauptete eine IS-nahe Nachrichtenagentur, den Angriff habe ein Kämpfer der Terrormiliz ausgeführt.

Noch kein Motiv

Die Ermittlungsbehörden legten sich zunächst auf kein Motiv fest. Es wurde auch in Richtung eines sogenannten Hassverbrechens ermittelt.

Auch Obama betonte: "Wir haben noch kein endgültiges Urteil gefällt, was die genaue Motivation des Killers angeht." 

Der Täter, ein US-Bürger mit afghanischen Eltern, hatte gegen 2 Uhr kurz vor der Schließung des Nachtclubs "Pulse" das Feuer auf die Besucher eröffnet. Etwa drei Stunden später wurde der mit einem Sturmgewehr vom Typ AR-15 und einer Handfeuerwaffe ausgerüstete Mann in einem Feuergefecht mit elf Polizisten getötet. Zuvor hatten sich die Beamten eigenen Angaben zufolge unter anderem mit Hilfe eines Sprengsatzes Zugang zum Club verschafft.

Wie bekannt wurde, arbeitete Mateen für eine Sicherheitsfirma in Florida und erwarb seine Waffen kurz vor der Tat legal. Das konnte er, obwohl das FBI 2013 und 2014 gegen ihn ermittelte. Dabei sei es auch um mögliche Verbindungen zum IS gegangen, sagte ein Vertreter der US-Bundesbehörde vor Journalisten.

Schwulenhasser und psychisch labil?

Der Vater des mutmaßlichen Täters sagte dem Sender MSNBC, er glaube nicht an ein religiöses Motiv. Stattdessen deutete er an, dass sein Sohn starke Antipathien gegen Schwule gehegt habe. Omar sei einmal sehr ärgerlich geworden, als sich zwei Männer in der Öffentlichkeit geküsst hätten. Mateens 2011 von ihm geschiedene Ex-Frau sagte, ihr Mann sei gewalttätig und psychisch labil gewesen. Sie bezeichnete ihn als nicht sehr religiös.

Ein noch schlimmeres Blutbad in dem Club, wo sich zum Tatzeitpunkt nach Polizeiangaben mehr als 300 Menschen aufhielten, wurde wohl nur knapp vermieden. Der Täter sei in der Nähe einer Eingangstür gewesen und in einem Feuergefecht getötet worden. "Mindestens 30 Geiseln konnten durch die Aktion gerettet werden", sagte der örtliche Polizeichef John Mina. Der Täter sei "sehr gut organisiert und vorbereitet gewesen".

Augenzeugen berichteten von Dutzenden Schüssen in schneller Folge - mindestens 40 seien es gewesen, sagte Christopher Hansen dem Sender CNN. "Ich dachte zuerst, es war Musik. Dann warfen sich die Menschen auf den Boden, und ich auch."

IS bekennt sich zu Massaker in US-Nachtklub

Die Extremisten-Organisation Islamischer Staat hat sich indes zu dem Anschlag bekannt. "Einer der Soldaten des Kalifats in den USA hat einen Angriff ausgeführt, bei dem ihm der Zugang zu einem Treffen der Kreuzzügler in einem Nachtklub für Homosexuelle in Orlando, Florida gelungen ist", hieß es in einer offiziellen IS-Stellungnahme im IS-Radiosender Albayan. 

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