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Trump beleidigt Eltern von totem muslimischen Soldaten

Trump-Kritik zu getötetem US-Soldaten  

Selbst Republikaner stellen sich hinter Khan-Familie

01.08.2016, 16:43 Uhr | dpa, AFP

Trump beleidigt Eltern von totem muslimischen Soldaten. Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump, attackierte die Familie eines getöteten muslimischen US-Soldaten. (Quelle: AP/dpa)

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump, attackierte die Familie eines getöteten muslimischen US-Soldaten. (Quelle: AP/dpa)

Bringt ihn sein jüngster Fehltritt zu Fall? Rund 100 Tage vor der US-Wahl hat sich Donald Trump mit den Eltern eines im Irak getöteten muslimischen US-Soldaten angelegt. Selbst Trump-Anhängern gehen seine kritischen Äußerungen zu weit.

Der gebürtige Pakistaner Khizr Khan hatte in einem bewegenden Auftritt vor Millionen Zuschauern auf dem Parteitag der Demokraten die Geschichte seines Sohnes Humayun erzählt, der 2004 im Irak mit 27 Jahren bei einem Anschlag ums Leben kam, als er seine Kameraden vor einer Autobombe schützen wollte. 

Trump lässt Kritik nicht auf sich ruhen

"Mein Sohn opferte sich für sein Land", sagte Khan mit bebender Stimme. Im nächsten Satz widmete er sich Trump und dessen Kritik an Muslimen: "Sie haben nichts und niemanden geopfert!" Er solle sich nur einmal die Gräber von US-Soldaten aller Ethnien und Glaubensrichtungen auf den Friedhöfen anschauen.

Die Rede der Familie Khan als patriotische amerikanische Muslime findet viel Zuspruch. (Screenshot: t-online.de)
Über dieses Ehepaar könnte Donald Trump stolpern

Rede von Trump-Gegner "Heute Abend fühlen wir uns geehrt hier zu stehen, als Eltern von Captain Humayun Khan und als patriotische amerikanische Muslime"

Über dieses Ehepaar könnte Donald Trump stolpern. (Quelle: t-online.de)


Trump antwortete darauf in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview des Senders ABC unter anderem mit der Bemerkung, die Äußerungen seien wohl vom Redenschreiber seiner Rivalin Hillary Clinton verfasst worden. Dann fuhr der Immobilienmogul fort, er habe sehr wohl "eine Menge Opfer" gebracht. Er arbeite "sehr, sehr hart" und habe Zehntausende Jobs geschaffen.

Vorwurf an Khans Ehefrau

Dass Khans Frau während der Rede am Donnerstag schweigend neben ihrem Mann auf der Bühne gestanden hatte, kommentierte Trump mit den Worten: "Sie hatte nichts zu sagen(...), vielleicht war es ihr nicht erlaubt, etwas zu sagen."

Khan entgegnete, er habe seine Frau gebeten zu sprechen. Sie habe aber befürchtet, zu emotional zu werden. Ghazala Khan selbst antwortete nun in der "Washington Post": "Ohne ein Wort zu sagen, hat die ganze Welt, hat ganz Amerika, meinen Schmerz gespürt", schrieb sie in einem Gastbeitrag. Und weiter: "Donald Trump hat Kinder, die er liebt. Muss er wirklich fragen, warum ich nicht geredet habe?" 

Führende Republikaner stellen sich hinter die Familie

Khizr Khan sagte im Sender CNN, Trump habe eine "schwarze Seele" und sei daher "gänzlich ungeeignet für die Führung dieses schönen Landes".

Hillary Clinton zählte bei einem Wahlkampfauftritt in Columbus (Ohio) vor Reportern frühere Beleidigungen Trumps gegen Gruppen sowie einzelne Menschen auf. "Dass er dann auch noch einen Angriff auf die Mutter von Hauptmann Khan startet", sagte sie und fügte kopfschüttelnd hinzu: "Ich weiß nicht, wo bei ihm die Grenze ist."

Nicht nur Clinton, sondern auch führende Republikaner stellten sich mittlerweile hinter die Familie. Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, würdigte Humayun Khan als "amerikanischen Helden".

Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, twitterte, das Opfer, das Khans Sohn und die Eltern gebracht hätten, verdiene höchsten Respekt, "Punkt."

"Bösartiger Angriff" 

Trump versuchte zwar, seine Äußerungen etwas abzumildern, und bezeichnete Hauptmann Humayun Khan als einen Helden - aber nur um via Twitter gleich einzuschränken, dass der Vater ihn auf dem Parteitag in Philadelphia "bösartig angegriffen" habe. "Ist es mir nicht erlaubt zu antworten? Hillary hat (als damalige Senatorin) für den Irakkrieg gestimmt, nicht ich!" 

Der republikanische Spitzenkandidat hatte in der Vergangenheit immer wieder mit kritischen Äußerungen über Muslime Wirbel ausgelöst. So ging er vor dem Hintergrund islamistischer Terrorangriffe sogar so weit, einen Einreisestopp für Muslime zu fordern. Davon hatten sich führende Republikaner ebenfalls distanziert. 

Die US-Streitkräfte hatten dem in den Vereinigten Arabischen Emiraten geborenen Hauptmann Khan posthum die Auszeichnungen Purple Heart und Bronze Star Medal für seinen Einsatz im Irak verliehen. 

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