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Donald Trump: Republikaner distanzieren sich nach Skandalvideo

"Bombenexplosion im Wahlkampf"  

Republikaner distanzieren sich nach Skandalvideo von Trump

09.10.2016, 11:06 Uhr | dpa, AFP

Donald Trump: Republikaner distanzieren sich nach Skandalvideo. Donald Trump will weitermachen, wirkt aber angeschlagen. (Quelle: AP/dpa)

Donald Trump will weitermachen, wirkt aber angeschlagen. (Quelle: AP/dpa)

"Bombenexplosion", "Trump ist erledigt": Dem republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump bricht nach der Veröffentlichung eines Skandalvideos die Rückendeckung seiner eigenen Partei weg. Trump selbst machte allerdings klar, dass er nicht aufgeben wird.

Etliche Republikaner zogen ihre Unterstützung für den 70-Jährigen zurück, darunter der frühere Präsidentschaftskandidat John McCain und Ex-Außenministerin Condoleezza Rice. Manche forderten Trump sogar dazu auf, sich aus dem Rennen um den Einzug ins Weiße Haus zurückzuziehen. Nur einen Monat vor der Wahl befindet sich die Partei damit in einer tiefen Krise. 

Das Video, das die "Washington Post" am Freitag veröffentlicht hatte, stammt aus dem Jahr 2005. Trump äußert sich darin vulgär über Frauen und brüstet sich mit sexuellen Übergriffen. "Eine Bombenexplosion" für Trumps Wahlkampf, "er ist erledigt", "davon erholt er sich nicht mehr", kommentierten die US-Medien.

Trump: "Ich werde niemals aufgeben" 

Die Veröffentlichung schlug so hohe Wellen, dass sich der Republikaner mitten in der Nacht zum Samstag zu einer öffentlichen Entschuldigung gezwungen sah: "Jeder der mich kennt, weiß, dass diese Worte nicht wiedergeben, wer ich bin. Ich habe es gesagt, es war falsch, und ich entschuldige mich." Es gebe jedoch "null Chancen, dass ich aufgebe", sagte Trump dem "Wall Street Journal". "Ich werde niemals aufgeben."

Seine Frau Melania kritisierte die vulgäre Bemerkungen: "Die Worte, die mein Mann benutzt hat, sind inakzeptabel und beleidigend für mich. Dies spiegelt nicht den Mann wider, den ich kenne. Er hat das Herz und Gemüt einer Führungsperson", hieß es in einer veröffentlichten schriftlichen Erklärung von ihr. Sie hoffe, "dass Leute seine Entschuldigung annehmen, wie ich es getan habe."

Kritik kam dagegen sogar von Trumps Vizekandidat Mike Pence: Als Ehemann und Vater habe er sich persönlich beleidigt gefühlt, hieß es in einer schriftlichen Erklärung des konservativen Politikers.

McCain und Rice verweigern Unterstützung 

Der frühere Präsidentschaftskandidat McCain erklärte, er werde bei der Wahl am 8. November nicht für Trump stimmen. Dessen jüngstes Verhalten und seine verächtlichen Aussagen über Frauen machten es ihm unmöglich, den Kandidaten weiter zu unterstützen. Die Senatorin Kelly Ayotte und weitere Abgeordnete hatten sich zuvor ähnlich geäußert. Andere Republikaner wie die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice gingen noch einen Schritt weiter und forderten gar Trumps Rückzug.

Zumindest offiziell hat Trump noch die Unterstützung von Paul Ryan und Parteichef Reince Priebus, auch wenn beide sich von den Äußerungen in dem Video entsetzt zeigten. Nach der Veröffentlichung der Aufnahmen sagte Ryan einen gemeinsamen Auftritt mit Trump ab. Ryan ist als Vorsitzender des Repräsentantenhauses derzeit der mächtigste Republikaner. Bei der Veranstaltung am Samstag bekräftigte er seine Aussage vom Freitag, Trumps Äußerungen hätten bei ihm Übelkeit erzeugt.

In dem Skandalvideo ist zu hören, wie der damals bereits mit seiner jetzigen Frau Melania verheiratete Trump in drastischen Worten seinen Versuch beschreibt, eine andere Frau zu verführen.

"Ich habe mich an sie rangemacht, bin aber gescheitert", sagt er. Er habe versucht, "sie zu ficken. Sie war verheiratet." Er habe sich hemmungslos ("like a bitch") an sie rangemacht, aber ohne Erfolg. Inzwischen habe die - nicht näher identifizierte - Frau "ihr Aussehen total verändert". Trumps Beschreibung: "Sie hat jetzt große künstliche Titten und alles."

Der Immobilienmogul fährt dann fort, dass er sich "automatisch" zu schönen Frauen hingezogen fühle. "Ich fange einfach an, sie zu küssen (...). Ich warte nicht einmal. Und wenn du ein Star bist, dann lassen sie es zu. Du kannst alles machen." Er könne sogar Frauen zwischen die Beine grapschen (und sie ließen es geschehen).

Die Aufzeichnungen sind Auszüge eines Privatgesprächs Trumps mit dem damaligen Moderator der Infotainment-Fernsehsendung "Access Hollywood", Billy Bush.

Sogar Tic Tac distanziert sich 

Da Trump auf der Aufnahme auch sagte, er brauche Tic Tacs "für den Fall, dass ich anfange, sie zu küssen", distanzierte sich sogar die Firma Tic Tac von ihm. Die US-Niederlassung erklärte dazu im Internetdienst Twitter: "Tic Tac respektiert alle Frauen. Wir finden die kürzlichen Statements und das Verhalten völlig inakzeptabel."

Der Schauspieler Robert De Niro erklärte per Video, er würde dem Milliardär "gern eine reinhauen". Auch der Schauspieler und Politiker Arnold Schwarzenegger sagte, zum ersten Mal, seit er 1983 US-Bürger geworden sei, werde er nicht den republikanischen Kandidaten wählen.

Trumps Gegnerin Hillary Clinton nannte die Äußerungen "schrecklich". Sie appellierte an die Wählerschaft: "Wir dürfen es nicht zulassen, dass dieser Mann Präsident wird."

Die Veröffentlichung ist für ihn nicht nur wegen ihres Inhalts, sondern auch wegen des Timings äußert heikel. Bereits in der kommenden Nacht trifft Trump in St. Louis in der zweiten Fernsehdebatte auf Clinton.

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