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Letztes TV-Duell: Hillary Clintons größtes Glück heißt Donald Trump

Letzte TV-Debatte  

Clintons größtes Glück heißt Trump

21.10.2016, 13:38 Uhr | Von Marc Pitzke, Spiegel Online

Letztes TV-Duell: Hillary Clintons größtes Glück heißt Donald Trump. Donald Trump ebnet Hillary Clinton bei der dritten Fernsehdebatte den Weg ins Weiße Haus. (Quelle: Reuters)

Donald Trump ebnet Hillary Clinton bei der dritten Fernsehdebatte den Weg ins Weiße Haus. (Quelle: Reuters)

Im letzten TV-Duell hat Donald Trump alle Chancen verspielt. Seine schockierende Weigerung, das Wahlergebnis prinzipiell anzuerkennen, brüskiert selbst Republikaner. Hillary Clinton hat nun freie Bahn.

Was bleibt von so einer Debatte, wenn sich der Staub gelegt hat? Wenn der Adrenalinspiegel gesunken ist, die "talking heads" verstummt und die Reporter heimgereist sind? Was bleibt in den Tagen, in der Woche danach?

Zunächst einmal bleiben Twitter-Hashtags. In diesem Fall: #badhombres, #nastywoman und #emmysrigged - allesamt Anspielungen auf abfällige Äußerungen Donald Trumps über Einwanderer, über seine Rivalin Hillary Clinton und über einen TV-Preis, den er nicht bekam.

Als sei das alles eine Quizshow

Doch noch etwas anderes bleibt von diesem dritten und letzten Fernsehduell, mit dem der US-Wahlkampf in der Nacht zum Donnerstag in die Schlussphase ging. Etwas Schockierenderes, das länger nachhallt als jedes Hashtag - Trumps Weigerung, das Wahlergebnis anzuerkennen, sollte er verlieren: "Ich werde es Ihnen sagen, wenn es so weit ist. Ich werde es spannend machen."

Hier zeigt sich wieder einmal, wie Trump diesen Wahlkampf angeht: als sei das alles eine Quizshow. Bleiben Sie dran, nach der Werbung wird es richtig aufregend.

Hillarys Ballast verblasst dank Trump

In diesem entscheidenden Moment schmunzelte Clinton und legte den Kopf zur Seite. Das tut sie gern, wenn sie weiß, dass sie nun nichts mehr sagen muss. Es war der Moment, der ihr die kommenden 19 Tage immens erleichtern wird. Der ihr den Wahlsieg nun fast garantiert.

Für Clinton ist Trump ein absoluter Glücksfall, das wurde auch in dieser Szene klar: Gegen fast jeden anderen Kandidaten und unter fast allen anderen Umständen würde sie wohl verlieren. Sie gehört zu den unpopulärsten Präsidentschaftskandidaten, die es je gegeben hat. Sie bringt enormen Ballast mit sich - aus eigener Schuld und aus drei Jahrzehnten im politischen Geschäft.

Doch dann kam Trump - und schaffte es, dass zuletzt keiner mehr von Clintons Makeln sprach, von ihren Skandalen, Fehlern, Versäumnissen.

Trump leistet sich historischen Affront

Auch dieses Mal: E-Mails? Bengasi? FBI-Kungeleien? Sicher, eine Dreiviertelstunde lang feuerte Trump in Las Vegas erst mal alles ab, was die Wähler doch noch ablenken könnte von seinen eigenen - politischen, menschlichen - Unzulänglichkeiten. Doch Trump bleibt eben Trump: Er und nur er darf die einzige Schlagzeile sein.

Und so flimmerte dann plötzlich auch nur noch eine einzige Schlagzeile von Las Vegas um die Welt: Donald Trump, Präsidentschaftskandidat, behält sich die Anerkennung des Wahlergebnisses vor - ein historischer Affront, ein Verstoß gegen die Demokratie, ein Aufruf zur Anarchie. So etwas hat es in der Geschichte Amerikas noch nie gegeben. Alles andere, was bei dieser Debatte passiert war, war vergessen.

Der unbelehrbare Kandidat

Oder, wie es CNN-Kommentator Van Jones formulierte: "Diesen Hundehaufen kann man nicht polieren."

Auch weil es eben kein Fauxpas war. Trump wusste genau, dass die Frage kommen würde. Seit Langem hatte er - wohl um die drohende Niederlage wegzureden - gegen die Legitimität der US-Wahlen polemisiert, hatte "weitverbreiteten" Wahlbetrug beklagt, obwohl alle Fakten dagegen sprechen. Selbst seine Chefstrategin Kellyanne Conway, seine Tochter Ivanka und die meisten Republikaner hatten ihm daraufhin entsetzt widersprochen. Debatten-Moderator Chris Wallace gab ihm eine Chance, es zurechtzurücken. Stattdessen legte Trump nach - und schadete sich selbst noch mehr.

Clinton kann sich entspannt zurücklehnen

Clinton kann nun entspannter in das Wahlkampffinale gehen. Sie hat nicht nur begonnen, ihre Basis zu stabilisieren und die wankelmütigen Wähler der Mitte zu ködern, die Trump offenbar längst aufgegeben hat. Sondern sie greift auch nach traditionell republikanischen Gruppen, den Evangelikalen zum Beispiel. Schon schwingen immer mehr Swing States in ihre Richtung. Schon bröckeln die ersten "roten" Staaten. Texas. Georgia. Arizona.

Als Erstes reist sie noch diese Woche nach Ohio, von da aus weiter nach Florida. In Ohio lag Trump zuletzt nur noch knapp vorne, in Florida führte Clinton schon vor der Debatte - beide Bundesstaaten müsste Trump gewinnen, um überhaupt noch eine Chance zu haben.

Ein bisher undenkbarer Machtwechsel

Zumal es ja um viel mehr geht als das Weiße Haus. Die Demokraten haben Hoffnung, den Senat zurückzuerobern. Sogar das Repräsentantenhaus steht auf einmal zur Debatte - ein bisher undenkbarer Machtwechsel. "Wave election" nennen sie das hier, einen Erdrutsch: Alle drei Polit-Organe in der Hand einer Partei. Es würde die ohnehin zersplitterten Republikaner in ihre tiefste Krise stürzen.

Um das zu erreichen, braucht Clinton eigentlich nur noch stillzuhalten. Die Debatte war Trumps letzte Gelegenheit, den Kurs zu ändern. Jetzt läuft ihm die Zeit davon. Die meisten Wähler haben sich festgelegt, die anderen hören nicht mehr zu und wären auch nicht mehr genug.

Außerdem wird Trump sich auch weiter im Weg stehen - uneinsichtig, selbstsüchtig, schlagzeilengierig. Das zeigte sich schon in seinen ersten Tweets nach der Debatte: "Gerade in Ohio gelandet", schrieb er am frühen Donnerstagmorgen. "Danke, Amerika - ich fühle mich sehr geehrt, dass ich die letzte Debatte gewonnen habe."

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