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Neue Untersuchung in E-Mail-Affäre: FBI liefert Trump Steilvorlage gegen Clinton

Debakel für Clinton  

Trump weidet Steilvorlage des FBI aus

30.10.2016, 07:49 Uhr | AFP

Neue Untersuchung in E-Mail-Affäre: FBI liefert Trump Steilvorlage gegen Clinton. Die neue Untersuchung gegen Hillary Clinton lenkt von Donald Trumps Eskapaden ab. (Quelle: Reuters)

Die neue Untersuchung gegen Hillary Clinton lenkt von Donald Trumps Eskapaden ab. (Quelle: Reuters)

Donald Trump wittert Morgenluft. Wochenlang stand der US-Präsidentschaftskandidat wegen seiner Sexismus-Affäre unter Druck. Und nun hat ihm auf der Schlussstrecke des US-Wahlkampfs ausgerechnet das bislang so heftig von ihm gescholtene FBI mit der überraschenden Ankündigung neuer Untersuchungen zur E-Mail-Affäre seiner Rivalin Hillary Clinton eine Steilvorlage geliefert.

Der Republikaner zeigt sich grimmig entschlossen, die Chance zu nutzen. "Dies ist der größte politische Skandal seit Watergate", dröhnt Trump am Wochenende bei seinen Wahlkampfauftritten.

Ungewiss, was in Clintons Mails steht

Trumps Rückgriff auf den Abhörskandal, der einst zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon führte, ist eine seiner vielen kolossalen Übertreibungen im Wahlkampf. Denn es ist völlig ungewiss, ob in den Tausenden von der Bundespolizei kürzlich entdeckten E-Mails aus Clintons Zeit als Außenministerin irgendwelches belastendes Material steckt. "Wir kennen die Bedeutung dieser neu entdeckten Sammlung von E-Mails nicht", hat FBI-Chef James Comey nach US-Medienberichten in einem Brief an seine Mitarbeiter geschrieben.

Im Juli hatte der FBI-Direktor nach monatelanger Prüfung von rund 30.000 Mails die Ex-Außenministerin zwar scharf dafür gerügt, dass sie für ihre dienstliche Kommunikation ihre privaten und damit nicht sonderlich geschützten Server genutzt hatte. Zugleich gelangte er aber auch zu dem Schluss, dass keine Anhaltspunkte für strafbares Verhalten vorlägen.

Debakel für Clinton

Ob die jetzt aufgetauchten Mails etwas an dieser Schlussfolgerung ändern werden, wird das FBI jedenfalls erst nach der Wahl beantworten - die Prüfungen werden sich hinziehen. Und dennoch ist die bloße Ankündigung der neuen Untersuchungen für Clinton ein Debakel. "Das ist wie ein Sattelzug, der in uns kracht", zitiert die "New York Times" die Parteichefin der Demokraten, Donna Brazile.

Was die Angelegenheit für Clinton noch unangenehmer macht, ist die bizarre Verquickung mit dem Sex-Skandal des zurückgetretenen Abgeordneten Anthony Weiner, gegen den das FBI wegen mutmaßlicher schlüpfriger Botschaften an eine 15-Jährige ermittelt. Die Mails zur Clinton-Affäre entdeckten die Ermittler laut US-Medien auf einem Laptop, das Weiner zusammen mit seiner inzwischen von ihm getrennten Frau Huma Abedin benutzte. Abedin ist eine Spitzenberaterin Clintons.

Trump ist begeistert vom FBI

Die Mail-Affäre mit ihren vielen pikanten Details beherrscht also nun den Wahlkampf - und Trumps Skandal um seine Vulgaritäten und mutmaßlichen Grapschereien ist wie weggewischt. Kein Wunder also, dass der Immobilienmogul, der das FBI bislang bezichtigte, sich an einem abgekarteten Spiel zugunsten Clintons zu beteiligen, der Behörde nun begeistert seinen "Respekt" zollt.

An Clintons "wachsenden juristische Schwierigkeiten" sei allein sie selbst mit ihrem "kriminelles Verhalten" schuld, wettert Trump von der Wahlkampfbühne in Arizona. Die Nutzung privater Server wertet er als Beleg, dass die Ex-Ministerin korrupte Machenschaften habe verschleiern wollen.

Clintons Abwehrstrategie zielt darauf ab, Comeys Vorgehen energisch zu hinterfragen: Dessen Ankündigung so kurz vor der Wahl sei "ziemlich seltsam". Tatsächlich wirft das Vorgehen des FBI-Chefs, der Republikaner ist, Fragen auf. Aus dem ihm übergeordneten Justizministerium soll Comey laut US-Medien gedrängt worden sein, den Fund der Mails geheimzuhalten - er widersetzte sich und gab die neue Entwicklung in einem Brief an Parlamentarier bekannt.

Unwahrscheinlich, dass das FBI Trump helfen will

Dass der als unabhängiger Kopf geltende FBI-Chef damit Trump einen Gefallen tun wollte, ist allerdings zu bezweifeln. Plausibler scheint, dass er die Öffentlichkeit suchte, um sich nicht nach der Wahl dem Vorwurf der Begünstigung Clintons aussetzen zu müssen.

Ob die Mail-Affäre noch den Wahlausgang beeinflussen kann, ist ungewiss. 20 Millionen US-Wähler haben bereits abgestimmt, die Zahl der Unentschlossenen ist zuletzt stark geschrumpft. Allerdings ist Clintons Vorsprung laut den Umfragen geschmolzen - und diese Umfragen stammen noch aus den Tagen vor der FBI-Steilvorlage für Trump.

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