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Vorwurf bei Illner: Angela Merkel soll Donald Trump beleidigt haben

TV-Kritik Maybrit Illner  

Irrer Vorwurf: Merkel soll Trump beleidigt haben

11.11.2016, 14:44 Uhr | Von Marc L. Merten, t-online.de

Vorwurf bei Illner: Angela Merkel soll Donald Trump beleidigt haben. Ursula von der Leyen bei Maybrit Illner zum Thema "USA unter Donald Trump". (Quelle: Screenshot ZDF)

Ursula von der Leyen bei Maybrit Illner zum Thema "USA unter Donald Trump". (Quelle: Screenshot ZDF)

Was steht auf dem Spiel? Donald Trump hat sich zum 45. Präsidenten der USA geschimpft, gelogen und beleidigt. Ist er eine Gefahr für die Welt?

Das diskutierten die Gäste bei Maybrit Illner. Die Moderatorin ließ eine Frage allerdings fast völlig außer Acht - aus Angst vor Selbstkritik?

Die Gäste

  • Katharina Nocun, ehemalige Piraten-Politikerin
  • Ursula von der Leyen, CDU, Verteidigungsministerin
  • Fred Kempe, Journalist
  • Nicholas Smith, Trump-Wähler
  • Martin Richenhagen, deutscher Chef eines US-Unternehmens

Das Thema

Donald Trump: Wer ist er? Was will er? Was bringt er? Und überhaupt: Wie konnte es soweit kommen, dass ein politischer Novize und Reality-TV-Star plötzlich der mächtigste Mann der Welt ist? Illner nannte es "eines der größten Echtzeitexperiment unserer Zeit".

Die Fronten

Maybrit Illner hatte sie alle geladen.

  • Da war der Trump-Wähler Nicholas Smith: "Ein Traum! Ich hoffe, dass er die Großunternehmens-Politik beendet und mehr für Menschen wie mich macht."
  • Da war die Clinton-Unterstützerin und Idealistin Katharina Nocun: "Wenn jemand durch Rassismus ins Weiße Haus einzieht, hat das Strahlkraft auf den Westen."
  • Da war die im eigenen Land unter Druck geratende Realpolitikerin Ursula von der Leyen: "Dass ein Mann genau das Gegenteil dessen macht, was er im Wahlkampf gesagt hat, ist genau die Gefahr der Populisten."
  • Da war der Journalist Fred Kempe: "Wenn er regiert, wie er Wahlkampf macht, wird es ein Alptraum. Aber es gibt positive Zeichen."
  • Und dann war da der US-Unternehmer Martin Richenhagen: "Ich halte weder Trump noch Clinton für geeignet. Trump ist kein Mann der Wirtschaft, obwohl er es behauptet."

Sie alle verband eine Hoffnung: dass Donald Trump ein weniger radikaler Präsident wird als sein Wahlkampf befürchten lässt.

Fakt des Abends

Über die Fakten für den Wahlsieg wurde nur am Rande gesprochen. Doch sie hätten wichtige Grundlagen geliefert - auch mit Blick auf Europa. Zum Beispiel, dass wie schon in Großbritannien beim Brexit die ältere Generation über den Wahlausgang entschied und die jüngere Generation (in Großbritannien für die EU, in den USA für Clinton) überstimmt hatte.

Von der Leyen sprach die verloren gegangene Mittelschicht in Folge der Finanzkrise an, die "der Ausgangspunkt für Trumps Wahlsieg" war. Aber auch dieser Punkt wurde nicht viel länger verfolgt. Grundsätzlich waren sich alle einig: "Das Establishment - auch in Europa - hat versagt, und die Schattenseite der Globalisierung ignoriert. Die Verlierer haben Trump gewählt", brachte es Kempe auf den Punkt. Ob Deutschland ihm zugehört hat?

Aufreger des Abends

Die Vorlage für den Aufreger des Abends lieferte Katharina Nocun. Die ehemaligen Piraten-Politikerin kritisierte, dass nicht nur, aber vor allem in den USA "ein schlüsselfertiger Überwachungsstaat" aufgebaut wurde, der nun einem Rechtspopulisten in die Hände fällt. Auch in Europa gebe es diese Gefahr. "Wir haben uns in den letzten zehn bis zwanzig Jahren ausgeruht."

Von der Leyen hielt dagegen, die Orwell'schen Fantasien von "1984" seien bei Weitem nicht Realität. Doch auch sie gab zu: "Die Dienste in den USA haben das Rad überdreht." Es sei Zeit, dies zurückzuschrauben. Das klang fast so, als glaube sie tatsächlich, dass dies passieren wird.

Es entstand eine Diskussion um den Aufschwung der Rechtsradikalen auch in Europa, um neue nationalistische Tendenzen und um die Frage, welchen Einfluss Russland auf all diese Tendenzen habe. Die ZDF-Redaktion blendete an einer Stelle ein Zitat des ehemaligen US-Botschafters John Kornblum ein, das es treffend zusammenfasste: Die Trump-Wahl sei "das Ende der Nachkriegszeit" und damit das Ende der Solidarität der westlichen Staatengemeinde. Ein gefährliches Szenario also.

Moderatoren-Moment

Das wohl größte Problem an der Diskussion am Donnerstagabend war, dass Maybrit Illner einem Thema aus dem Weg ging, das mehrfach anklang, das sie aber von sich schob: die Kritik an den Medien. Nocun warf dem System Versagen vor, "weil die Medien über das Stöckchen gesprungen sind, das Trump ihnen hingehalten hat, anstatt ihn zu hinterfragen".

Damit traf sie den Kern des Trump'schen Erfolgs, den Illner scheinbar ausblenden wollte. Medienkritik wäre an diesem Abend bitter nötig gewesen, stattdessen kam lediglich der Hinweis auf falsche Prognosen, Umfragen und voreilige Schlüsse. Aber dass "die Presse keine Fakten berichtet hat, sondern ihre Wunschvorstellung", sagte lediglich Richenhagen. Dabei hätte die Medienlandschaft in den USA und auch in Deutschland eine scharfe Generalkritik nötig gehabt.

Tiefpunkt des Abends

Hitzig wurde es dann noch mal, als Nicholas Smith aus heiterem Himmel Angela Merkel für ihre kritischen Töne verurteilte, die sie in ihrer Gratulation an den Wahlsieger Trump untergebracht hatte. Smith nannte es "den komplett falschen Schritt, eine große Beleidigung". Deutschland habe selbst große Probleme, "die Kanzlerin soll in den Spiegel gucken".

Das konnte natürlich vor allem von der Leyen nicht stehen lassen. Die Ministerin wies darauf hin, dass Merkel "selbstverständlich an die Basis gemeinsamer Werte erinnern musste". Und auch Kempe sprang Merkel zur Seite, nannte es den genau richtigen Schritt "in diesem Erdbeben".

Was bleibt?

Dass niemand weiß, wie Donald Trump die USA wirklich führen wird, mit welchen Experten er sich umgeben und welche Wahlversprechen er wirklich umsetzen wird. Einige ließ er am Donnerstag schon von seiner Internetseite entfernen. Doch in dieser Wahl ging es nicht nur um die Zukunft der US-amerikanischen Politik. Was bleibt, ist der Ton, der diese Wahl bestimmt hat.

Diese Art des Wahlkampfs, das ist zu befürchten, wird über den großen Teich nach Europa schwappen und auch in Deutschland zu hören sein. Es bleibt die Hoffnung, dass Journalisten in Deutschland besser damit umgehen werden als die US-Medien. Maybrit Illner mag ihr Nest nicht allzu sehr beschmutzen wollen, aber der Journalist Wolfgang Blau hat es im WDR am Mittwoch auf den Punkt gebracht: "Die Journalisten nahmen Trump nicht ernst, aber sie nahmen ihn beim Wort. Die Wähler nahmen ihn nicht beim Wort, aber sie nahmen ihn ernst."

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