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"Hart aber fair": Plasberg-Talk vergleicht Trump mit Sepp Blatter

TV-Kritik "Hart aber fair"  

Der große Trump-Blatter-Vergleich

29.11.2016, 15:15 Uhr | Von Nico Damm, t-online.de

"Hart aber fair": Plasberg-Talk vergleicht Trump mit Sepp Blatter. Sorge um die deutsche Wirtschaft und das Klima: Volker Kauder und Cem Özdemir bei "Hart aber fair". (Quelle: WDR/Oliver Ziebe)

Sorge um die deutsche Wirtschaft und das Klima: Volker Kauder und Cem Özdemir bei "Hart aber fair". (Quelle: WDR/Oliver Ziebe)

Die Talk-Runde bei Frank Plasberg analysierte Donald Trumps neueste Tweets - und verglich den designierten Präsidenten mit prominenten Sportlern.

Die Gäste:

  • Volker Kauder (CDU, Vorsitzender der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag)
  • Cem Özdemir (B'90/Grüne, Bundesvorsitzender)
  • Carolin Roth (Finanzjournalistin, berichtet für den US-Sender CNBC aus London)
  • Julian Reichelt (Chefredakteur von Bild.de)
  • Don Jordan (US-amerikanischer Journalist)

Das Thema:

Trump ist gewählt, schlägt nach dem Wahlkampf aber nicht wirklich leisere Töne an. Zuletzt twitterte er von angeblichem "Wahlbetrug". Die Ungewissheit rund um den künftigen Präsidenten inspirierte auch zum Titel der Sendung: "Der Sprung ins Dunkle: Was bringt die Ära Trump?"

Und: "Droht das Ende des freien Handels, der freien Rede?" Es wurde fleißig analysiert - anhand der aktuellen Äußerungen Trumps und angesichts der Wahl von Michael Flynn zum Sicherheitsberater sowie Steve Bannon zum Chefstrategen. Flynn hatte den Islam öffentlich mit einem Krebsgeschwür verglichen, während Bannon zur kontroversen "Alt-Right"-Bewegung gezählt wird. Deren Anhänger zeigen auch schon mal auf Veranstaltungen den Hitlergruß, wie ein Einspieler belegte.

Der Frontverlauf:

Schnell war klar: Alle in der Runde machen sich Sorgen. Özdemir vor allem ums Klima, Kauder und Roth um die deutsche Wirtschaft. Der Amerikaner in der Runde versuchte zu bremsen: "Wir müssen auf seine Antrittsrede warten", wiederholte Jordan gebetsmühlenartig. Warum ist die große Panik nach der Wahl an den Märkten ausgeblieben? Roth führte das auf das große, von Trump angekündigte Konjunkturprogramm zurück: "Trump ist sehr gut für die Binnenwirtschaft."

Jordan sorgte sich auch ein wenig - um die Verschuldung. "Es gibt Prognosen, dass sie von 20.000 Milliarden Dollar auf 25.000 Milliarden Dollar steigen wird." Jordan und Kauder forderten einmütig die deutsche Aufrüstung, um die Militärausgaben an die lange bestehende, aber von wenigen Staaten eingehaltene NATO-Norm
- zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts - anzugleichen. Özdemir wandte sich nicht direkt dagegen, drängte aber eher auf eine Lösung im Rahmen der EU.

Als Reichelt Verständnis für den designierten Sicherheitsberater Flynn aufbrachte, drohte die Diskussion dann in eine Islam-Debatte auszuarten. Reichelt sah das Problem weniger in der "nicht besonders nuancierten" Wortwahl, sondern bei Obama: Der habe sich geweigert, "das Wort Islamismus in den Mund zu nehmen" und deshalb Trump eine Steilvorlage im Wahlkampf gegeben. Dabei sei islamistischer Terrorismus eine reale Gefahr. Özdemir sah das ganz anders: Worte wie der Krebsgeschwür-Vergleich Flynns seien beste Werbung, "wenn ich Nachwuchs für den Islamismus rekrutieren wollte". Kauder mahnte ebenfalls zur Mäßigung: "Es gibt überhaupt keine Berechtigung, eine Weltreligion pauschal ins Abseits zu stellen."

Der transatlantische Konflikt:

Wie weit die deutsche Politik und die USA zurzeit auseinander zu liegen scheinen, offenbarte ein folgenreicher Satz Kauders: "Es ist ja nicht so, als wären wir ungeübt im Umgang mit Regimen, die unsere Menschenrechtsvorstellungen nicht teilen." Man solle auf diplomatischen Treffen Dinge offen ansprechen. Das brachte Reichelt auf die Palme: "Man sollte vorsichtig sein, die USA ein Regime zu nennen."

Und die "Alt-Right"-Bewegung? Für Jordan sind das "Randerscheinungen". "Ich glaube nicht, dass Trump so dumm ist, dass er diesen Leuten eine wirklich große Stimme geben wird." Vergnüglich hielt der Journalist den Europäern den Spiegel vor: Trump sei eben "ein Gemisch aus Blatter, Winterkorn, Zumwinkel, Beckenbauer und wie sie alle heißen". Die amerikanische Demokratie habe Korrektive, die Trumps Spielraum sehr einschränken würden.

Reichelt schlug in dieselbe Kerbe - und sah auch bereits Mäßigung bei Trump: Bannon, den er "ekelerregend" nannte, sei nicht sein Stabschef geworden, obwohl er aufgrund seiner Tätigkeit im Wahlkampf gesetzt gewesen sei. Özdemir war nicht so optimistisch: Trump habe aufgrund der Mehrheit der Republikaner im Senat eine "enorme Machtfülle". Außerdem schulde er dem republikanischen Establishment nichts.

Der Streitpunkt Investitionsprogramm:

Eine Billion Dollar in zehn Jahren will Trump in investieren - eine enorme Summe. Linken-Politikern Sahra Wagenknecht hatte das kürzlich öffentlich begrüßt, was ihr viel Schelte einbrachte. Von Finanzjournalistin Roth kam Unterstützung: "Ich finde, sie hat da vollkommen recht." Die Sparpolitik der Deutschen könne sie nicht verstehen. "Ich habe letztens mit dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung gesprochen und er sagte, es gebe jedes Jahr eine Investitionslücke von 100 Milliarden Euro." Kauder verteidigte sich: Für die Infrastruktur tue man bereits viel, zum Beispiel mit mehr Geld für Schulen. Oft könne man auch "das Geld gar nicht an den Mann bringen, weil die Planungen noch gar nicht so weit sind".

Die Regierung will dringend Milliarden loswerden, aber keiner will sie haben? Das klang dann doch arg nach billiger Ausrede. Denn um zum Beispiel den Hartz-IV-Satz zu erhöhen und damit die Nachfrage anzukurbeln, braucht es keinerlei Planer oder Bauarbeiter.

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