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Bundestagswahl: So kann Steinbrück Kanzler werden

So kann Steinbrück Kanzler werden

30.09.2012, 20:57 Uhr | Florian Gathmann, Spiegel Online

Bundestagswahl: So kann Steinbrück Kanzler werden. SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück bringt sich in Stellung. Er steht ab jetzt unter strenger Beobachtung. (Quelle: dpa)

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück bringt sich in Stellung. Er steht ab jetzt unter strenger Beobachtung. (Quelle: dpa)

Die SPD hat einen Kanzlerkandidaten, aber damit fängt die Arbeit für Peer Steinbrück erst an: Der Merkel-Herausforderer muss sich mit seiner Partei arrangieren, die Grünen umwerben - und Kontakt zur FDP halten. Dann hat er eine Chance.

Natürlich wollte er den Job. Sogar schon ein ganzes Weilchen. Mehr recht als schlecht hat Peer Steinbrück diesen Willen in den vergangenen Wochen verbergen können. Aber dass es dann so schnell gehen würde mit seiner Ausrufung zum SPD-Kanzlerkandidaten, damit konnte Steinbrück nicht rechnen. Die plötzliche Nominierung am Freitag hat den Zeitplan von Parteichef Sigmar Gabriel auf den Kopf gestellt, doch der Kandidat selbst steht nun erst recht unter Druck.

Taugt dieser Mann zum Kanzler?

Jeder Auftritt, jede Äußerung von Steinbrück wird nun ganz anders beobachtet als zuvor. Vom politischen Gegner, besonders den Strategen von CDU-Regierungschefin Angela Merkel, den Medien, den Bürgern. Taugt dieser Mann zum Kanzler? Das ist die neue Steinbrück-Messlatte.

Im Idealfall hätten sich der Ex-Finanzminister und seine Partei darauf vorbereiten können, die Nominierung war für Ende des Jahres geplant. Aber in der Politik läuft es selten ideal, erst recht nicht in der SPD. Der Kanzlerkandidat Steinbrück muss jetzt in kürzester Zeit dafür sorgen, dass er den Anforderungen gerecht wird. Auf die Hilfe seiner Partei sollte sich Steinbrück in diesem Fall verlassen können, denn sie haben ein gemeinsames Interesse: Kanzlerin Merkel abzulösen, am liebsten mit einer rot-grünen Koalition.

Das muss Steinbrück tun, um Merkel auszustechen

Noch liegt die Union in den Umfragen deutlich vor der SPD, Rot-Grün hat keine Mehrheit, Merkel sticht ihren sozialdemokratischen Herausforderer im direkten Duell klar aus. Das kann sich binnen eines Jahres ändern - doch dafür muss Steinbrück nun rasch wichtige Schritte unternehmen:

  • Steinbrück braucht die Parteilinken

Einst war Peer Steinbrück eine Art Linken-Fresser. Gemeint sind die Vertreter des linken SPD-Flügels, die traditionell eine wichtige Rolle in der Partei spielen - nach früherer Meinung Steinbrücks zu unrecht. Aber jetzt braucht der Kanzlerkandidat jene Genossen, die er seinerzeit als "Heulsusen" bezeichnete. Steinbrück weiß: Nur mit Unterstützung der gesamten Partei hat er eine Chance gegen Merkel.

Der Kanzlerkandidat Steinbrück muss deshalb auf die Parteilinke zugehen. Zuletzt hat er bereits einige Gespräche geführt, unter anderem mit Ralf Stegner, SPD-Chef in Schleswig-Holstein und einer der Linken-Köpfe, in nächster Zukunft soll es weitere Treffen geben. Das erwartet man im Lager von Stegner & Co. Bissige Kommentare gab es seit Freitag zuhauf. In der strittigen Renten-Frage, die am Montag erneut Thema im SPD-Vorstand sein soll, könnte es schon zum Lackmus-Test kommen: Nähert sich Steinbrück den Linken an, die auf einem höheren Rentenniveau beharren?

Andererseits weiß die Parteilinke, dass Steinbrück nicht ganz und gar über seinen Schatten springen kann, weil er sich sonst als Kandidat für die bürgerliche Mitte unglaubwürdig macht. Und auch sie wollen, dass der SPD-Kanzlerkandidat erfolgreich ist.

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  • Steinbrück braucht die Grünen

Noch unbeliebter als bei den Parteilinken ist Steinbrück bei den Grünen. Viele haben ihm nicht vergeben, wie er in seiner Zeit als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident mit dem Koalitionspartner umgegangen ist. Auch wenn die damalige Umweltministerin Bärbel Höhn sagt, ihr einstiger Widersacher habe sich gewandelt und die Parteiprominenz am Freitag sehr lobende Worte für den Kanzlerkandidaten Steinbrück fand: Hier muss Steinbrück dringend nacharbeiten.

Zum Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier haben führende Grüne ein Vertrauensverhältnis, gleiches gilt größtenteils für SPD-Chef Gabriel - nicht aber für Steinbrück. Keine gute Ausgangsposition für zwei Parteien, die ab kommenden Herbst zusammen regieren müssen.

  • Steinbrück braucht die Ampel-Option

Dass es für eine eigene rot-grüne Mehrheit eng wird, weiß jeder in der SPD. Aber noch scheint ein entsprechendes Bündnis möglich. Deshalb gibt es keine Alternative, als für diese Koalition in den Wahlkampf zu ziehen, weil nur so die eigene Klientel mobilisiert werden kann.

Mit dem Kandidaten Steinbrück wird allerdings eine andere Option interessant, mit der sich zwar kein Wahlkampf machen lässt - die am Ende der SPD aber dennoch das Kanzleramt sichern würde: ein Ampelbündnis, also eine Regierung mit Grünen und FDP. Steinbrück muss deshalb dafür sorgen, dass seine guten Kontakte zu den Liberalen nicht abbrechen und die SPD in den nächsten zwölf Monaten eine Ampel nicht ausschließt. Das würde auch seine Position als Kanzlerkandidat stärken.

  • Steinbrück braucht ein breiteres Themenspektrum

Bisher ist Steinbrück für viele Bürger der Mann, der einst als Finanzminister das Land mit der Kanzlerin vor der Finanzkrise rettete. Dieser Vertrauensvorschuss ist ein ordentliches Pfund, doch es wird im Duell mit Merkel nicht reichen.

Was denkt Steinbrück über Syrien? Wie ist seine Position zur atomaren Abrüstung? Hält er die Angleichung der Lebensverhältnisse in West- und Ostdeutschland für erreichbar? Der SPD-Kanzlerkandidat sollte in den kommenden Wochen so wenig wie möglich von seinem Bankenpapier, und dafür umso mehr über solche Fragen sprechen.

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