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AfD: Die Angst vorm Euro-Schreck geht um

Alternative für Deutschland: Die Angst vorm Euro-Schreck geht um

07.05.2013, 12:20 Uhr | Florian Gathmann, Veit Medick, Philipp Wittrock, Spiegel Online

AfD: Die Angst vorm Euro-Schreck geht um. Eine aus Sicht der etablierten Parteien bedrohliche Alternative scheint die AfD vor allem für potenzielle Wähler von CDU, FDP und Linken zu sein (Quelle: Reuters)

Eine aus Sicht der etablierten Parteien bedrohliche Alternative scheint die AfD vor allem für potenzielle Wähler von CDU, FDP und Linken zu sein (Quelle: Reuters)

Zwei Prozent, drei Prozent - in Umfragen spielt die Anti-Euro-Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) noch keine wichtige Rolle. Aber einige hunderttausend Stimmen für die Populisten könnten im Herbst schon reichen, um die Bundestagswahl zu entscheiden. Bei allen Etablierten wächst die Sorge.

Belächelt wird sie schon lange nicht mehr. Dafür ist die AfD drei Wochen nach ihrem offiziellen Gründungsparteitag einfach zu präsent: Gut 10.000 Mitglieder zählt die euro-skeptische "Alternative für Deutschland" nach SPIEGEL-Informationen, mit dem eben von der FDP übergetretenen hessischen Parlamentarier Jochen Paulus verfügt sie über den ersten Landtagsabgeordneten - und mit Oskar Lafontaine gibt es nun auch einen Promi aus dem Lager der etablierten Parteien, der auf AfD-Kurs geht. Linke-Mann Lafontaine spricht sich neuerdings ebenfalls für die Rückkehr zur D-Mark aus.

Etablierte Parteien sorgen sich durchaus

AfD-Chef Bernd Lucke mag sich sorgen, dass seine Partei zu 86 Prozent aus Männern besteht - aber größer sind die Sorgen derzeit wohl bei den im Bundestag vertretenen Parteien: Die Euro-Skeptiker um Lucke könnten sie am 22. September entscheidende Stimmen kosten.

Zwar kommt die AfD in den Umfragen nicht über zwei, drei Prozent hinaus, aber schon einige hunderttausend Stimmzettel machen bei der Bundestagswahl eventuell bestimmte Regierungskonstellationen möglich - oder schließen sie aus. Und laut dem Institut für Demoskopie Allensbach hat die AfD sogar ein Wählerpotential von 17 Prozent.

Bei welcher Partei können die Euro-Skeptiker besonders Wähler abziehen? Wer macht sich die meisten Sorgen wegen der AfD? Eine Übersicht:

1. Die FDP

Der Fahnenflucht eines Freidemokraten in Hessen verdankt die AfD ihren ersten Landtagsabgeordneten. Dabei sieht man in der FDP-Zentrale vor allem den Koalitionspartner in der Pflicht, damit sich die AfD nicht im politischen Spektrum festsetzt. Der Erfolg der Anti-Euro-Partei hänge nämlich unter anderem ab "von der Stärke der Union, die Etablierung einer neuen konservativen Partei in Deutschland zu unterbinden", heißt es in einer Analyse der FDP-Strategen.

Die inhaltlichen Berührungspunkte zwischen AfD und Liberalen seien dagegen "sehr überschaubar", die meisten Positionen stünden jenen der FDP "diametral gegenüber". Das heißt aber nicht, dass die FDP-Spitze ohne Sorge auf die Lucke-Truppe blickt. Parteichef Philipp Rösler warnte sogar in seiner Parteitagsrede am Wochenende in Nürnberg, die Ideen der AfD würden das Land in den "wirtschaftlichen Ruin" treiben.

Er ahnt wohl: Mancher, der sich einst als Liberaler fühlte, sieht deutlich größere Überschneidungen mit den Euro-Gegnern als die Analysten im Thomas-Dehler-Haus. Sonst hätten, wie der SPIEGEL berichtet, nicht schon 587 ehemalige FDP-Mitglieder um politisches Asyl bei den D-Mark-Nostalgikern ersucht.

Bedrohungspotential: hoch

2. Die Union

Mehr als 1200 frühere Mitglieder haben CDU und CSU an die AfD verloren. Kein Wunder, dass man sich in der Union bis in die Führungsetage so seine Gedanken macht, wie mit der neuen Konkurrenz umzugehen ist. Experten der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung mahnen in einer Analyse, die "Ein-Themen-Partei" ernst zu nehmen.

Zugleich warnen die Autoren der Studie jedoch, sich nicht "in Diskussionen um angebliche enttäuschte bürgerliche und konservative Anhänger und ehemalige Mitglieder in der AfD hineinziehen" zu lassen und die AfD "nicht durch anhaltende öffentliche Auseinandersetzung" aufzuwerten.

Also einfach ignorieren? Ganz so leicht ist es nicht. Die Überläuferzahlen sprechen eine deutliche Sprache, und unter den prominenteren Gründungsmitgliedern der Alternative finden sich einige stramm Konservative, die sich früher in der CDU zu Hause gefühlt haben.

Und so wird jeder Unionsvertreter im Interview nach seinen Sorgen angesichts der AfD gefragt. Dann werden die D-Mark-Fans als Gefahr für die deutsche Wirtschaft gebrandmarkt und der Euro-Kurs der Kanzlerin gelobt. Finanzminister Wolfgang Schäuble fügte jüngst aber auch hinzu: "Es kommt bei Wahlen auf jede Stimme an, das haben wir gerade in Niedersachsen gesehen." Dort fehlten 335 Stimmen zu einer schwarz-gelben Mehrheit.

Bedrohungspotential: hoch

3. Die Linkspartei

Für die Linkspartei ist die AfD eine echte Gefahr. Zwar repräsentieren die Parteien unterschiedliche Pole des politischen Spektrums. Anders als der AfD geht es der Linkspartei stets um die soziale Frage. Aber beide machen Front gegen Merkels Euro-Politik. Beide pflegen das Image der Protestpartei. Beide punkten im Nichtwähler-Lager. "Die Gefahr ist nicht existentiell, aber die Konkurrenz ist real", heißt es denn auch im Umfeld der Linken-Spitze über die AfD.

Umfragen zufolge kann sich ein Drittel der Linken-Wähler vorstellen, im September die Wahlalternative zu unterstützen. Wohl auch deshalb griff Ex-Parteichef Lafontaine unlängst ein Ziel der Euro-Skeptiker auf. Er plädierte dafür, künftig neben dem Euro auch wieder nationale Währungen einzuführen. Das Kalkül dürfte sein: Der neuen Konkurrenz soll möglichst wenig Platz zur Profilierung geboten werden.

Bedrohungspotential: hoch

4. Die SPD

In der SPD ist man sich noch unsicher, wie man mit der AfD umgehen soll. Zwar hoffen die Sozialdemokraten darauf, dass die Euro-Skeptiker vor allem im Lager von Union und FDP wildern und Konservative binden, die vom Krisenmanagement der Kanzlerin enttäuscht sind. Aber auch die Genossen wissen, dass es in ihren Reihen etliche gibt, die sich eine echte Opposition zum Merkel-Kurs wünschen.

Dass bei den Sozialdemokraten eine gewisse Nervosität herrscht, zeigt ein zehnseitiges Strategiepapier: "Die AfD ist sehr ernst zu nehmen", heißt es darin. Weil in der Wählerschaft ein "stabiles und relevantes Potential" für eine populistische Partei existiere, könne sich die Wahlalternative durchaus langfristig im Parteienspektrum festsetzen.

Die Hauptsorge der Genossen ist, dass die neue Konkurrenz vor allem Nichtwähler ansprechen könnte, die man eigentlich selbst gerne zurückgewinnen würde. "Schwarz-Gelb verliert Mobilisierte, die SPD hat zusätzliche Mobilisierungslasten", heißt es in dem Papier.

Bedrohungspotential: mittel

5. Die Grünen

Auch die Parteistrategen der Grünen haben sich die AfD genau angeschaut, herausgekommen ist ein dreiseitiges Papier. Zwar sagen Demoskopen voraus, dass die Euro-Skeptiker den Grünen am wenigsten schaden werden, aber ernst nimmt man sie dennoch.

In der AfD sind nach SPIEGEL-Informationen immerhin 106 ehemalige Grünen-Mitglieder.

Bedrohungspotential: niedrig

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