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Adoption in Homo-Ehe: Angela Merkel kassiert für Aussage Kritik

Adoptionsrecht für Homo-Paare  

Empörung über Merkels Äußerung

10.09.2013, 18:16 Uhr | dpa, t-online.de, rtr

Adoption in Homo-Ehe: Angela Merkel kassiert für Aussage Kritik. Angela Merkel im indirekten Duell mit Peer Steinbrück - der steht kommende Woche in der Wahlarena. (Quelle: dpa)

Angela Merkel im indirekten Duell mit Peer Steinbrück - der steht kommende Woche in der Wahlarena. (Quelle: dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel steht nach Äußerungen in der ARD-Sendung "Wahlarena" zum Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partner in der Kritik - selbst vom Koalitionspartner kommen scharfe Töne.

In der ARD-Sendung mit 150 Wählern, die die Kanzlerin direkt befragen konnten, hatte ein Homosexueller Merkel am Montagabend mit dem Nein ihrer CDU zur vollen Gleichstellung von Homo-Paaren bei Adoptionen konfrontiert.

FDP: "Union muss die Scheuklappen ablegen"

Merkel antwortete: "Ich sage Ihnen ganz ehrlich, dass ich mich schwertue mit der kompletten Gleichstellung (...) Ich bin unsicher, was das Kindeswohl anbelangt." Sie wolle das sagen dürfen, ohne damit Menschen diskriminieren zu wollen. Der Mann entgegnete, auch ihm und seinem Partner gehe es um das Kindeswohl.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte: "Die Union muss endlich die Scheuklappen ablegen und in der Lebenswirklichkeit ankommen." Die FDP stehe für die volle Gleichstellung homosexueller Paare. "Dazu zählt selbstverständlich auch das Adoptionsrecht."

Steinbrück: "Lebensentwürfe heute bunter"

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte bei einem Besuch des Film- und Medienzentrums in Ludwigsburg: "Die Lebensentwürfe im 21. Jahrhundert sind bunter als früher." Er habe in seinem eigenen Bekanntenkreis zwei lesbische Paare, deren Kinder die gleiche Liebe und Zuwendung erführen wie die heterosexueller Paare.

Die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte, das Bundesverfassungsgericht habe die Regierung sechsmal in Folge in der Frage der Gleichstellung korrigiert.

Homo-Verbände laufen Sturm

Der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Lesben und Schwule in der SPD, Ansgar Dittmar, sagte: "Frau Merkel (...) stellt sich bewusst gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes."

Der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), Axel Hochrein, erklärte: "Die Kanzlerin konnte in der ARD-Wahlarena für ihre Ablehnung des Adoptionsrechtes für gleichgeschlechtliche Paare kein einziges Argument nennen, außer dass sie sich bei dem Thema persönlich schwertue."

Er verwies auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach Unterschiede zwischen Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft, die die ungleiche Ausgestaltung der Adoptionsmöglichkeiten rechtfertigen könnten, nicht bestünden. Maßstab sei die Verfassung und nicht ein persönliches Bauchgefühl.

Kanzlerin schließt Beteiligung an Militärschlag aus

Auch beim Thema NSA-Spionage im Internet geriet die Kanzlerin kurz ins Trudeln und schiebt dem Ausland den schwarzen Peter zu: Dort gelte eben ein laxeres Datenschutzrecht als in Deutschland. Bei den technischen Details ist sie auch nicht so firm: "Diese Router, oder wie die heißen", sagt Merkel an einer Stelle.

Zum Thema Syrien gab es Neues von der Kanzlerin: Auch bei einem Mandat des UN-Sicherheitsrates wird sich Deutschland nicht an einem Militärschlag in Syrien beteiligen. "Was Syrien anbelangt, so wird sich Deutschland dort unter keinen Umständen militärisch engagieren, das habe ich gesagt, egal, welche Mandate dort sind", sagte Merkel. Bisher hatte die Bundesregierung stets argumentiert, Deutschland könne schon aus rechtlichen Gründen nicht eingreifen, weil ein UN-Mandat unwahrscheinlich sei.

Über die Missstände bei Leiharbeitern in Deutschland zeigte sie sich empört. Auf die Schilderung eines Zuschauers, der seit inzwischen zehn Jahren als Leiharbeiter für einen Automobilzulieferer arbeitet, sagte sie: "Ich halte das für einen sehr krassen Fall. (...) Wenn es mehrere Fälle über zehn Jahre gibt, bin ich bereit, mir das anzuschauen. Das kann nicht sein."

Die CDU-Vorsitzende verteidigte auch ihren harten Sparkurs in Europa und äußerte zugleich Verständnis für Kritik in südeuropäischen Ländern. Sie sagte zu Plakaten in Griechenland, die sie in Nazi-Uniform zeigten: "Manchmal ist Kritik nicht immer sachlich. Ich finde, hier muss man ein weiches Herz haben. (...) Ich ziehe manchmal auch die Pfeile auf mich." Einigen Menschen in diesen Ländern gehe es sehr schlecht. Sie seien sehr wütend.

"Wirklich eine Herzenseuropäerin" 

Sie selbst stehe aber dazu, dass finanzschwache Staaten selbst Reformen durchsetzen und ihren Beitrag zur Stabilisierung der Währung beitragen müssten, sagte Merkel. "Ich möchte, dass der Euro stabil ist." Merkel betonte: "Ich bin eigentlich ganz sicher, dass mein Herz sehr enthusiastisch für Menschen in Europa schlägt." Sie sei "wirklich eine Herzenseuropäerin".

Die 75-minütige Sendung wurde von den Chefredakteuren von WDR und NDR, Jörg Schönenborn und Andreas Cichowicz, moderiert. In einer Woche wird SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück den Zuschauern am selben Ort Rede und Antwort stehen.

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